Die Ergo spürt den Druck durch ihren Konzernmutter Munich Re. Joachim Wenning, seit April 2017 neuer Chef des Multimilliarden-Rückversicherers, will die Kosten bei der Ergo weiter senken. Das machte Wenning im Juli in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung deutlich.

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"Bei der Ergo könnten wir theoretisch den Fehler begehen und sagen: Wenn Ergo nicht liefert, wir zahlen immer. Das machen wir nicht, und das weiß Ergo auch", sagte Wenning der Süddeutschen. Auf allzu großzügige Unterstützung durch den Mutterkonzern darf sich die Ergo nicht mehr verlassen.

Ergo sucht Abnehmer für Lebensversicherer

Nun sucht der Erstversicherer aktiv nach einem Abnehmer für die Lebensversicherer Victoria und die frühere Hamburg-Mannheimer, die heute als Ergo Leben auftritt. Der Grund ist logisch. Denn der Versicherer möchte sich künftig auf Policen ohne Garantien konzentrieren und schreibt über beide Töchter kein Neugeschäft mehr. Gleichzeitig müssen rund sechs Millionen Policen mit Kapitalanlagen in Höhe von rund 56 Milliarden Euro bedient werden und die Altbestände drücken auf die Geschäftszahlen.

Deshalb hat der Versicherer die Beratungsgesellschaft Willis Towers Watson mit der Suche nach einem Käufer beauftragt. Zu den Interessenten sollen chinesische Investoren, US-Hedgefonds und britische Anleger gehören. Der Kaufpreis für beide Unternehmen werde von Experten "auf deutlich über eine Milliarde Euro" taxiert. Von einem Verkauf sollen knapp 1.000 Mitarbeiter betroffen sein, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Rund 1.000 Mitarbeiter wären betroffen

Bislang habe sich der Versicherer noch nicht auf einen Verkauf oder einen Preis festgelegt. Aktuell wolle sich das Unternehmen "umfassende Informationen beschaffen, wie hoch das Interesse ist", erklärte ein Ergo-Sprecher gegenüber dem Handelsblatt. Gleichwohl würde man sich ein gutes Angebot genau ansehen.

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Das Tochterunternehmen der Munich-Re wäre mit dem Gedanken an einen Verkauf der Lebensversicherer nicht allein. Den aktuell prüft auch der Generali Konzern die deutsche Tochter Generali Leben zu veräußern. Der italienische Versicherungsriese hatte dazu bereits im Juli die US-Investmentbank Morgan Stanley beauftragt. Mögliche Käufer seien schon angesprochen worden. Zuletzt hatte die Arag-Gruppe ihr Lebensversicherungs-Geschäft abgestossen. Die Frankfurter Leben-Gruppe hatte den Bestand übernommen.