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Niedrigzins

Strafzins - Jedes fünfte deutsche Unternehmen von Negativzinsen bedroht

Wirtschaft ausgebremst? Acht Prozent der Unternehmen sagen, dass Strafzinsen ihren Gewinn stark beeinträchtigen. Aber viele Firmen investieren auch infolge des Strafzinses (Symbolbild).Capri23auto@Pixabay.com

Banken in Deutschland verlangen vom immer mehr Unternehmen einen Strafzins auf ihre Einlagen: Schon jede fünfte Firma ist davon betroffen. Dies ist das Ergebnis einer am Mittwoch vorgestellten Studie des Münchener ifo-Instituts, für die mehr als 4.000 Firmen aus den Bereichen Industrie, Handel, Bau und Dienstleistungen befragt wurden.

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Laut ifo-Pressetext wurde mittlerweile fast jedes fünfte Unternehmen (18,9 Prozent) in Deutschland mit Negativzinsen auf Einlagen konfrontiert. Mittlere und große Unternehmen seien deutlich häufiger betroffen als kleine Unternehmen. Bei den mittleren Unternehmen (50 bis 250 Mitarbeiter) lag dieser Wert bei 26 Prozent und bei großen Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern bei 29 Prozent. Firmen mit weniger als 50 Unternehmen beklagten nur zu zehn Prozent Strafzins-Forderungen.

Bei acht Prozent wirkt sich Negativzins stark auf Ertragslage aus

Dass der Negativzins das Geschäft einer Firma belasten kann, zeigt die Studie ebenfalls. So gab fast jedes zehnte Unternehmen (8 Prozent) zu Protokoll, die Negativzinsen hätten die Ertragslage „stark beeinflusst“. Bei 39 Prozent sei der Einfluss auf die Gewinne weniger groß gewesen, berichtet das Institut – aber immer noch spürbar. 53 Prozent der Firmen sagten hingegen aus, der Negativzins habe sich „unwesentlich“ oder „gar nicht“ bei den Erträgen bemerkbar gemacht.

Die Unternehmen versuchen jedoch mehrheitlich, die Negativzinsen zu umgehen. Die häufigsten Reaktionen hierbei sind laut ifo-Institut Verhandlungen mit der Bank sowie ein Wechsel zu einem Geldhaus, das noch keine negativen Zinsen auf Einlagen erhebt. Auch Umschichtungen zwischen Finanzanlagen oder Unternehmensteilen sowie eine Erhöhung der Investitionstätigkeit kämen oft vor, berichtet Christa Hainz, Co-Autorin der Studie.

„Insbesondere letztere Reaktion ist aus volkswirtschaftlicher Perspektive interessant, da sie nicht nur monetäre, sondern auch realwirtschaftliche Auswirkungen hat“, sagte Hainz. In diesem Fall durchaus gewollt: Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) verfolgt auch das Ziel, Investitionen von Unternehmen anzukurbeln.

Jedes zweite Unternehmen verhandelt zunächst mit der Bank

In konkreten Zahlen: Von den 18,9 Prozent der Unternehmen, die durch den Negativzins bedroht waren, hat knapp die Hälfte (48,9 Prozent) Verhandlungen mit der Bank begonnen, um den Strafzins zu vermeiden. 36 Prozent der Firmen wechselten zu einer Bank, die keine Negativzinsen erhebt. 30 Prozent schichteten in andere Finanzanlagen um oder zahlten Kredite zurück, 29 Prozent schichteten Geld innerhalb des Unternehmens um. Ihre Investitionen erhöht oder vorgezogen haben 11 Prozent. Negativzinsen akzeptiert hätten nur acht Prozent.

Die Europäische Zentralbank verlangt von Geschäftsbanken im Euro-Raum seit dem Sommer 2014 Strafzinsen, wenn die Institute Einlagen bei ihr horten. Seit Frühjahr 2016 liegt der ausschlaggebende Einlagesatz bei –0,4 Prozent. Viele Banken haben begonnen, die Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. Auch Privatsparer sind betroffen (der Versicherungsbote berichtete).

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zum Weiterlesen: Christa Hainz, Artem Marjenko und Susanne Wildgruber, "Die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der EZB auf Unternehmen", ifo Schnelldienst 15/2017

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