Die britische HSBC-Bank hat eine App entwickelt, die genau so heißt wie die wissenschaftliche Empfehlung aus der Analyse der Vorgänge im Kopf der Geld ausgebenden Menschen: Die App heißt „Nudge“. Dieses Wort steht im Deutschen etwa für „anstupsen“, um einen Menschen in eine andere Richtung zu lenken. Im richtigen Leben außerhalb des Smartphones „stupsen“ Schilder mit Hinweisen oder Warnungen etwa die Menschen an, weniger zu rauchen oder mehr Sport zu treiben. Gesünder zu leben oder vorzusorgen, sei es beim Arzt für die eigene Gesundheit oder auf dem Konto für die Rente.

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Stupser wirken, sagt die Wissenschaft

„Nudges“ oder Stupser für besseres Verhalten kommen aus der Verhaltensökonomik. Diese Wissenschaft will ermittelt haben, dass Menschen, die gelegentlich einen Hinweis für ein anderes Verhalten bekommen, diesem auch folgen. Nudges für Geld sparen und ausgeben gibt es jetzt im Smartphone. Statt Schilder oder hinweisende Aufdrucke auf Verpackungen senden neue Geld-Apps jetzt Push-Nachrichten an den Handy-User.

„Meine Frau hängt mir gelegentlich eine Post-It-Notiz an den Kühlschrank, dass ich nicht so viel Pudding essen soll“, sagt Raman Bhatia, Digital-Chef der HSBC-Bank laut einem Bericht des englischen „Business Insider“. Dieser Hinweiszettel war für Bhatia der Anlass, die Nudge-App zu entwickeln, mit der Geldkunden seines Hauses motiviert werden sollen, ihr Geldverschwendung erhalten zu überdenken.

Stupser pushen

Der User bekommt zum Beispiel ein Push-Nachricht von seinem Smartphone, dass er in der vergangenen Woche 30 Euro mehr für Lebensmittel ausgegeben hat als in der Vorwoche. Oder der Handybesitzer wird auf gestiegene Kosten für Restaurantbesuche hingewiesen. Durch diese Hinweise soll der HSBC-Kunde künftig sein Ausgabeverhalten überdenken, die eine oder andere Ausgabe sparen und stattdessen vielleicht 50 oder 100 Euro auf das Sparkonto verschieben.

Im Handy können sodann Wenn-dann-Anweisungen eingegeben werden. Etwa wenn am Ende der Woche (nicht des Monats!) 100 Euro weniger ausgegeben wurden, dann fließt davon die Hälfte in den Spartopf. Damit die App funktioniert, muss der Kunde ihr Einblick in sein Konto gewähren – also genau das Gegenteil von Datensparsamkeit leben. Die App „schaut“ auch auf die Kreditkarte, kann Ausgaben wie Bargeld-Abhebung, für das Kino oder an der Tankstelle kategorisieren. All dies will die HSBC natürlich transparent machen, die Kunden seien offen informiert über das Vorgehen der App und den Datenabgriff bei den Ausgaben, berichtet der „Business Insider“.

Stupser-App nach acht Wochen fertig

Bemerkenswert ist das Entwicklungstempo, mit dem die HSBC die Nudge-App entwickelt haben will. Sechs bis acht Wochen habe es gedauert, die Applikation zu „bauen und zu verkabeln“, selbstverständlich nur im gedachten Sinne, nämlich drahtlos. Je jünger die Kundschaft, desto höher sei die Akzeptanz des freizügigen Umgangs der Nutzer mit ihren Daten. Die Jugend, die Generation Y der heute um die dreißig Jährigen.

Diese zunehmend begüterte Konsum-Generation akzeptiere den „Deal“: Daten gegen Bequemlichkeit. Und so, so erscheint die schöne(?) neue Welt, habe Diejenigen, die es wollen, künftig nach Erwartungen der HSBC einen Finanzberater im Smartphone, der ihnen hilft, das Geldausgeben sinnvoll zum steuern. Und woran verdient bei Nudge (hier) die HSBC ihr Geld? Aus Sicht von deren Digital-Chef Bhatia zunächst dadurch, dass die App Kunden an die Bank bindet.

Wer stupst, bindet Kunden

Bleiben sie der Bank treu, dann ist der Verkauf etwa eines Sparplans nicht mehr weit. Schließlich steckt in der App ein Algorithmus, die immer wieder Geld vom Konto aufs Sparbuch „pumpt“. Sobald dort etwas mehr Geld gebunkert ist, kommt das nächste Nudge von eingebauten Robo-Adviser: „Kaufe das Produkt X“. Viele Kunden werden das tun. Sagt die Verhaltensökonomik, sagt HSBC-Mann Raman Bhatia.

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