85 Stellenanzeigen für Vertriebspositionen aus Versicherungs-, Finanzdienstleistungs- und sonstigen Dienstleistungsunternehmen wurden mittels Zufallsstichprobe für die Studie untersucht. Bei den gezogenen Stellengesuchen handelte es sich überwiegend um selbstständige Vertriebspositionen auf Basis eines Handelsvertretervertrags nach § 84 HGB, teilweise auch um Positionen in Anstellung. Es wurde geprüft, ob die Personalwerbung für Vertriebspositionen noch mit den heutigen Anforderungen an die Stelle des Versicherungsvermittlers kompatibel ist, und ob Versicherer ihre Personalwerbung im Vergleich auch zu anderen Dienstleistungsbranchen attraktiv genug gestalten. In der Gesamtheit zeigte sich, dass Stellenausschreibungen von Versicherern häufig nicht aussagekräftig genug sind.

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Wissenschaftliche Wirklichkeit zeigt: Einkommen für Versicherungsvermittler oft nicht zufriedenstellend

In der Regel werben Versicherungsunternehmen mit einem attraktiven Einkommen, welches die Bewerber erwarten würde. „Das steht in einem gewissen Widerspruch zur empirischen Wirklichkeit, nach der jeder zweite selbstständige Versicherungsvermittler kein Einkommen erzielt, das gemessen an vergleichbaren Angestelltentätigkeiten, zum Beispiel im Versicherungsinnendienst, zufriedenstellend ist“, so Studieninitiator Beenken aus wissenschaftlicher Sicht. „Außerdem spricht das Motiv ‚viel Geld verdienen‘ die jüngeren Generationen kaum noch an, denen das Einkommen zwar nicht unwichtig, aber eine erfüllende und sinnstiftende Tätigkeit viel wichtiger ist.“ Die von der Tätigkeit geforderten Kompetenzen sowie Informationen über die Arbeitsbedingungen werden jedoch nicht immer ausgewiesen.

Formulierung der Anforderungen sind zu vage oder nicht vorhanden

Auffällig sei zudem, dass Anzeigen von Versicherern typischerweise keine oder nur sehr vage Anforderungen an die fachlichen, methodischen und sozialen Kompetenzen der Bewerber formulieren. „Es entsteht der Eindruck, dass der Versicherungsverkauf keine besonderen Anforderungen stellt und für Jedermann leicht erlernbar ist“, so Sascha Noack, Kompetenzfeldleiter Versicherungsvertrieb bei den Versicherungsforen Leipzig. „Dabei sind Beratung und Vermittlung beispielsweise durch die Vermittlerregulierung (IMD II) , die enorme Angebotsvielfalt, sich ständig ändernde rechtliche Vorgaben, Niedrigzins-bedingte Veränderungen von Vorsorgestrategien oder eine komplexe Besteuerung von Altersvorsorgeprodukten eine hoch anspruchsvolle Tätigkeit.“

Lustloser Eindruck führt zum Klischee, dass Außendiensttätigkeiten einen geringeren Stellenwert haben

Im Vergleich zu den untersuchten Stellenanzeigen anderer Branchen zeigt sich, dass Anzeigen sehr viel konkreter formuliert werden können und dadurch eher dazu anregen, sich mit der angebotenen Position zu beschäftigen. Welche anderen Branche gemeint sind, wird im Studienbericht nicht aufgezählt. „Bei Versichereranzeigen entsteht teilweise der Eindruck, dass gar keine konkret frei gewordene Agentur beworben wird, sondern die Anzeige nur eine Art unverbindlicher Aufforderung zur Kontaktaufnahme darstellt und erst später geprüft wird, für welche Aufgabe ein Bewerber gebraucht wird“, so Noack weiter. „So lustlos würde kein Personalmanager auf die Suche gehen, wenn er eine qualifizierte Stelle im Innendienst auszuschreiben hat“, ergänzt Beenken. „Damit verfestigen Versicherer ohne Not das Klischee, dass Außendiensttätigkeiten einen geringeren Stellenwert aufweisen als solche im Innendienst, wundern sich dann aber über massive Nachwuchsprobleme.“

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Die Untersuchung bietet letztlich Handlungsempfehlungen: So sollte die Stellenanzeigen Perspektiven aufzeigen, die die Arbeit als Vermittler bietet, etwa Karrieremöglichkeiten. Konkretere, inhaltlich gehaltvollere sowie zielgruppenfokussiertere Aussagen seien außerdem wichtig. Die Selbstständigkeit und die Abwechslung, die die Arbeit als Versicherungsvermittler bietet, könnten betont werden.

Versicherungsforen Leipzig GmbH