In dem Verfahren ging es um das Geschäft der Frankonia-Gruppe, an dem auch der frühere Weltklasse-Fechter Thomas Gerull und dessen Bruder Michael mitwirkten. Im Dezember 2014 (Versicherungsbote berichtete) hatte die Staatsanwaltschaft Würzburg sie und drei weitere Männer in Untersuchungshaft genommen. Seitdem wurde viel ermittelt und seit Januar stehen die Männer vor Gericht. Nun wurde auch über den letzten Angeklagten das Urteil gesprochen. Die gefällten Urteile harren nun noch ihrer Rechtskräftigkeit.

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Das Geschäft der Angeklagten basierte darauf, sogenannte atypische stille Beteiligungen als vermeintlich sichere Altersvorsorge an Kleinsparer zu verkaufen. Dabei erwerben die Sparer Anteile an Unternehmen, wobei ihnen Traumrenditen von bis zu 14 Prozent versprochen wurden. Das Problem: Die Anleger müssen mit ihren gesamten Einlagen haften, wenn das Unternehmen rote Zahlen schreibt. Und das bedeutet ein Totalverlustrisiko. Vorzeitig kündigen können sie ihre über Jahre laufende Anlage nicht.

Betroffen waren von diesem Geschäft mit unlauteren Absichten 25.000 Sparer. Möglicherweise kann der Insolvenzverwalter Markus Schädler ihnen einen kleinen Teil ihres Verlustes zurückholen, wie mainpost.de schreibt.

50 Millionen Euro Schaden - "Dreistigkeit sucht ihresgleichen"

Das Gericht zweifelte nicht daran, dass das Gros der Gelder gar nicht in eine private Absicherung der Klienten investiert wurde, sondern nur zwischen den beteiligten Firmen hin und her wanderte, um schließlich in den Privatkassen der "Berater" zu landen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem "Schneeballsystem": Das Geschäft kann nur aufrecht erhalten werden, solange immer mehr Neukunden hinzukommen und mehr Geld zur Verfügung steht, vergleichbar mit einem Schneeball, der den Hang hinabrollt und dabei stetig anwächst. Wenn die Kunden aber auf die Auszahlung ihrer erworbenen Ansprüche bestehen, kollabiert das Geschäftsmodell. Für den nichtverjährten Zeitraum von fünf Jahren geht das Gericht von einem erwirtschafteten Schaden im Wert von 50 Millionen Euro aus.

Als Hauptverantwortlichen sieht das Gericht hier Cvetkovic, über den zuletzt das Urteil gesprochen wurde. Ihm lastet man den Löwenanteil des Schadens im Umfang von über dreißig Millionen an. So hatte dieser vom Geld seiner Anleger beispielsweise ein Haus für seine Frau gebaut, Zinsen für die Anleger fielen dabei aber selbstverständlich nicht ab. „Die Dreistigkeit, mit der das Geld herausgeschaufelt wurde, sucht ihresgleichen“, äußerte sich der Vorsitzende Reinhold Emmert im Urteil.

Capital Sachwert Alliance - von Anfang an Betrug?

Das Urteil hätte noch strenger ausfallen können. Anders als die Staatsanwaltschaft sah es das Gericht nicht als bewiesen an, dass die von Cvetkovic seit 2009 als Vorstand geführte Capital Sachwert Alliance (CSA) vom ersten Tag an die Absicht des Betrugs verfolgte. Im Jahr 2009 erst kaufte Cvetkovic die CSA von Weltklasse-Fechter Elmar Borrmann. Der Frankonia-Konzern hatte die CSA gegründet. Borrmann hatte diese im Jahr 2004 gekauft und führte sie, so lauten seine Angaben, bis zum Tag des Verkaufs an Cvetkovic unabhängig vom Frankonia-Konzern.

Gegen Borrmann wurde aber inzwischen trotzdem ermittelt „wegen des Verdachts von Betrugsstraftaten zum Nachteil der Anleger der CSA-Fonds“. Doch nicht nur gegen ihn, auch gegen vier weitere Personen lief ein Ermittlungsverfahren.

Während die vier Mitbeschuldigten sich geständig zeigten, saß Cvetkovic während des Prozesses ruhig neben ihnen, sagte kein Wort und zeigte eine ungerührte Mine. In den Ermittlungsakten liest man in einem Zitat die Haltung des Serben zum Geschäft : „Es war mir stets sehr wichtig zu erkennen, wie ich immer wieder neue Geschäfte aufbauen kann. Ich will nicht einmal eingesammeltes Kapital nur ängstlich verwalten, das ist nicht mein Ding.“

Macher, Jongleur, Tausendsassa - aber kein Betrüger?

Einer seiner Verteidiger beschrieb Cvetkovic als „Macher, Jongleur, Tausendsassa“, doch sei er kein Betrüger. Staatsanwältin Claudia Kahnke hingegen zeigte sich überzeugt: Der Angeklagte soll an einem hochkriminellen System mitgewirkt haben, um an das Geld von Kleinverdienern zu gelangen.

Cvetkovics Ungerührtheit brach dann erst auf, als am Ende des Prozesses von der Staatsanwältin knapp 13 Jahre Haft gefordert wurden. Nun sah sich Cvetkovic genötigt, sein Schweigen aufzugeben, um zu versichern: „Ich habe niemanden betrügen wollen. Mein grundsätzlicher Fehler war, dass ich mich zu sehr auf Mitarbeiter verlassen habe.“

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Die Verteidiger haben übrigens ihre Zweifel, ob das Gericht belastbare Beweise für die unterstellten „Scheingeschäfte“ vorweisen kann. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig und es ist möglich, dass sich nachher der Bundesgerichtshof dieser Sache annehmen muss.

versicherungsbote.de, mainpost.de