Fast jedem Zweiten, der im Jahr 2030 in Rente geht, droht Altersarmut, hat der WDR gemeldet. 2030 ist heute: "Schon heute liegt der Zahlbetrag bei fast der Hälfte aller Altersrenten unterhalb des durchschnittlichen Bedarfs der Grundsicherung", schreibt das Portal Sozialpolitik mit Verweis auf auf die Rentenstatistik der Deutschen Rentenversicherung; letzter Meldestand 2014, also mit Daten aus dem Jahr 2013. Letztere hat auch der WDR als Grundlage für seine Projektion verwendet. "Heute" meint im Folgenden immer diesen Datenstand.

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Der WDR hat sich die Einkommensverteilung des Jahres 2013 vorgenommen und in 100-Euro-Schritten die beitragspflichtigen Bruttogehälter aufgelistet. Und die Anzahl derer, die 1.000 Euro verdienen, die 1.100 Euro verdienen. Und so weiter: von 451 Euro als sozialversicherungspflichtiges Minimaleinkommen bis über 6.000 Euro hinaus zur Beitragsbemessungsgrenze in der DRV. Dann hat der WDR die Werte von 2013 mit fünf Prozent dynamisiert, wegen der Lohnerhöhungen, damit für das eigentliche Start-Jahr der Projektion der Renten im Jahr 2030 eine Basis vorlag, die auf der Einkommensverteilung 2015 fußt.


Gutes Jahr, gute Basis - Renten könnten 2030 noch niedriger sein

2015 war volkswirtschaftlich gesehen ein gutes Jahr mit hoher Beschäftigung und entsprechend hohen Löhnen. Dies ist auch daran erkennbar, dass die Renten in diesem Jahr um einen neuzeitlichen Rekordwert steigen: plus 4,25 Prozent im Westen, 5,95 Prozent im Osten. Mit anderen Worten: Weil der WDR ein gutes Jahr auf 2030 überträgt, inklusive Fortschreibung von Lohnsteigerungen und Annahmen für die Inflation, ist sein Ergebnis für 2030 eher besser als wenn er etwa Rezessionsjahre wie etwa 2009 oder 2010 als Basis genommen hätte.

Aber bereits heute schon verdient laut WDR fast jeder Zweite Versicherte in der DRV weniger als 2.100 Euro brutto. Das ist sozusagen der Mindestlohn für eine Rente oberhalb der Sozialhilfe, pardon Grundsicherung heißt das, den der Rentner der Zukunft 40 Jahre lang im Durchschnitt verdient haben sollte. Der WDR rechnet hier mit 840 Euro im Monat: Grundsicherung plus Wohngeld. Und so ist es auch kein Wunder, dass der Sender auch im Jahr 2030 Altersarmut bei jedem zweiten Ruheständler erwartet. Weil die heutige Basis schon sehr schmal ist.

Rente: 2030 ist heute

Das Portal Sozialpolitik hat sich die Zahlen des WDR vorgenommen und meldet für Neurentner des Jahres 2014: Altersarmut bei zirka 50 Prozent der Rentenbezieher

Anders als der WDR setzt das Portal Sozialpolitik die Armutsschwelle auf 769 Euro (ohne Wohngeldzuschuss). Daran gemessen sind die Rentenhöhen der Neurentner des Jahres 2014 im Westen zu 52,6 Prozent unter 750 Euro pro Monat; ihm Osten nur zu 25,7 Prozent. Die geringe Armutsquote im Osten ist nicht auf 2030 projizierbar, weil diese Renten aus DDR-Zeiten eine sehr hohe Beschäftigungsquote von Frauen enthalten. Nach 1990 brach diese Quote regelrecht ab. 40 Jahre später, 2030, spielt die starke Beschäftigung der Frauen bis 1990 rentenstatistisch keine Rolle mehr. Außerdem muss immer beachtet werden, dass niedrige Renten nur ein Indiz für Armut sind, kein Beweis. Viele Rentner haben Nebeneinkünfte wie Mieteinnahmen oder Betriebsrente.