Befürworter eines Provisionsverbotes schauen gern auf die Insel. Im Vereinigten Königreich trat 2013 der sogenannte „Retail Distribution Report“ (RDR) in Kraft. Er sah vor, dass Versicherungs- und Finanzmakler für die Vermittlung von Kapitalanlagen und kapitalbildenden Lebensversicherungen keine Courtagen mehr annehmen durften.

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Von dem Verbot versprach sich der Gesetzgeber eine höhere Beratungsqualität. Es sollte verhindert werden, dass Vermittler unpassende Verträge nur deshalb den Verbrauchern „aufschwatzen“, weil die Produktgeber eine besonders hohe Vergütung zahlen. Freilich, ein endgültiges Nein zu Provisionen bedeutete die Vorschrift nicht. Mit einer Klausel im Kleingedruckten können Vermittler das Verbot leicht umgehen (Versicherungsbote berichtete).

Beratungslücke aufgrund hoher Kosten?

Nun aber werden in Großbritannien die Uhren zurückgedreht. Wie das Versicherungsmagazin berichtet, soll das Provisionsverbot teilweise gelockert werden. Laut britischen Medien hat Tracey McDermott, die neue Chefin der britischen Finanzaufsichtsbehörde FCA, in einem Radiointerview mit der BBC angekündigt, man werde teilweise wieder zur Provisionsberatung zurückkehren. Der RDR bleibt jedoch bestehen.

McDermott nannte keine Details, welche Elemente der Provisionsvergütung nun wieder erlaubt sein sollen. Vertriebsfachmann Matthias Beenken vermutet jedoch im Versicherungsmagazin, dass es sich dabei um laufende Vergütungen handeln könnte, während hohe Abschlussprovisionen verboten bleiben. Die hohen Abschlusskosten hatten in UK für erbitterte Kontroversen gesorgt, weil sie die Altersvorsorge-Erträge der Verbraucher deutlich schmälerten.

Warum aber nun die Abkehr von dem Verbot? Es wird vermutet, dass die Konzentration auf die Honorarberatung zu einer Beratungslücke geführt hat. Das Honorar für eine Altersvorsorge-Beratung kann deutlich im vierstelligen Bereich liegen. Für Niedriglöhner eine kaum zu stemmende Hürde, wenn sie diesen Betrag einmalig zahlen müssen. So bleibt vielen nur der Weg zu einer Bank. Ob die Geldhäuser unabhängig und verbrauchergerecht beraten, daran bestehen jedoch berechtigte Zweifel.

Misstrauen gegen die Banken

Für einen Aufschrei auf der Insel sorgte 2008 der sogenannte PPI-Skandal, der wesentlich von den britischen Banken zu verantworten war. Die Geldhäuser hatten nach Informationen des Guardian an mehr als zwei Millionen Kunden hoch vergütete Restschuldversicherungen verkauft, obwohl diese nichts mit den Policen anfangen konnten. Zwei Kategorien waren von vorn herein von den Leistungen ausgeschlossen: Selbständige Unternehmer und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen. Dennoch wurden die Policen zu hunderttausenden an ebenjene Zielgruppen verkauft: Ein Betrug in großem Stil.

Während die Zahl der Versicherungsmakler auf der Insel zurückgehe, würden Banken ihr Personal seit Inkrafttreten des RDR wieder aufstocken, so das Versicherungsmagazin. Ein Fakt, mit dem auch Aufsichts-Chefin McDermott im Interview konfrontiert wurde. Hier könnte die teilweise Wiedereinführung von Provisionen einen Ausgleich zugunsten der Ungebundenen schaffen. Befürworter der Honorarberatung verfolgen den Kurs der Finanzaufsicht hingegen mit Skepsis. Es sei zu befürchten, dass sich Investitionen in die Honorarberatung nun nicht mehr auszahlen.

Die Debatte zeigt den Vorteil der Provisionszahlung gegenüber der Honorarberatung: Fallen bei der Beratung gegen Honorar sofort hohe Kosten an, wird die Vergütung der Vermittler beim Provisionsmodell einfach von den laufenden Beiträgen abgezogen. Auch für dieses Problem ließen sich freilich Lösungen finden. So könnten Verbraucher mit Honorardienstleistern Ratenzahlungen oder Abo-Modelle vereinbaren.

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Vermittlersterben in Großbritannien?

Umstritten ist auch, ob in England überhaupt ein Vermittlersterben zu beobachten ist oder der Markt sich vielmehr gesundschrumpft. „Im Jahr 2008 waren in Großbritannien 38.750 freie Finanzberater registriert. Mittlerweile sind es rund 33.000", rechnete Paul Stanfield, Generalsekretär des britischen Beraterverbandes Federation of European Financial Advisers and Intermediaries (FECIF), im März 2015 vor. Ein Verlust von 6.000 Vermittlern sei keineswegs so dramatisch, wie Gegner der Honorarberatung dies gern schildern.

Versicherungsmagazin Online