Unsicher ist man bei den Versicherungsunternehmen aber noch bei der Überprüfung einer angemessenen Deckung für Schäden aus IT-Nutzung. „Die Bedrohung durch Cyber-Kriminalität wächst“, so Hartmuth Kremer-Jensen, Mitglied der Geschäftsführung bei Aon in Deutschland.

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Handlungsbedarf für Versicherer: Branchen und Markt radikal verändert

Dass die neuen Gefahren und Anforderungen der deutschen Versicherungswirtschaft einiges abverlangen, bestätigt auch der Aon Risk Solutions Marktreport. Dazu Kremer-Jensen: „Einerseits wird die Versicherungswirtschaft von ihren Unternehmenskunden gefordert: Sie soll die passenden Versicherungslösungen zur Umgestaltung der deutschen Wirtschaft auf dem Weg zur Industrie 4.0 liefern. Andererseits befindet sich die Versicherungswirtschaft selber unter Modernisierungsdruck – ausgelöst durch die Digitalisierung, die andere Branchen bereits radikal verändert hat“. Damit charaktersiert Kremer-Jensen das Sujet Industrie 4.0 als das zentrale Thema für die deutschen Unternehmen und ihren Versicherungsschutz, da es weitreichende Veränderungen mit sich bringe.

„Industrie 4.0 verändert Produktions- und Lieferabläufe, indem diese vernetzt und automatisiert werden. Nahezu alle bestehenden Arbeits-, Beschaffungs- und Verkaufsprozesse werden durch Industrie 4.0 verändert“, so der Fachmann von Aon, und weiter: „Die Nutzung der neuen Technologien wird stark veränderte Haftungsszenarien zwischen allen Marktteilnehmern zur Folge haben. Bei Ansprüchen aus Schadenfällen wird im Zuge von Industrie 4.0 häufig die Schwierigkeit darin bestehen, festzustellen, wer für den Schaden haftbar gemacht werden kann. Dies wird auch neue Herausforderungen an den Haftpflichtversicherungsschutz stellen.“

Versicherungsbranche unter Digitalisierungsdruck

Zwar sei die Versicherungswirtschaft gut aufgestellt, was die Unterstützung der Unternehmen bei den Herausforderungen namens Industrie 4.0 und Cyber-Risiken betreffe, doch zuweilen hadere sie selbst mit den neuen Technologien, nun da die Digitalisierung die Versicherungsbranche selbst erreicht hat.

Bei den gegenwärtigen Anforderungen der Kunden reicht eine schicke Unternehmens-Website längst nicht mehr aus, um diese hinter dem Ofen hervorzulocken, zusätzlich erwartet werden heute Angebote zu zeitgemäßer Kommunikation und Transparenz. Während sich die Versicherungswirtschaft also einerseits um die Risiken der Digitalisierung kümmert, versäumt sie bisweilen die Umsetzung guter Strategien der Digitalisierung im eigenen Metier. „Die meisten Anbieter, die vorwiegend im Endkundengeschäft zuhause sind, suchen noch nach dem richtigen Auftritt in den sozialen Medien. Marktteilnehmer, die ihren Schwerpunkt in der Versicherung und Beratung von Unternehmenskunden haben, hoffen unterdessen auf eine gute elektronische Abwicklungsplattform, auf der die vielfältigen Bedürfnisse von Versicherern, Maklern und Kunden gleichermaßen erfüllt werden“, fasst Kremer-Jensen zusammen.

Attraktive Angebote, leichte Preisanstiege

Der Kundschaft der Versicherungswirtschaft sagt Kremer-Jensen trotz aller Umwälzungen und Neuerungen der Branche rosige Aussichten voraus: „Die Kunden werden attraktive Versicherungsangebote erhalten. In den meisten Versicherungssparten sind die Preise stabil oder sogar leicht sinkend.“

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Allerdings weniger rosig sind die leichten Preisanstiege bei Sachversicherungsrisiken, ohne dass sich die Erträge der Versicherer in der Sachversicherungssparte relevant verbessert hätten, da die höheren Einnahmen durch hohe Schäden zugleich wieder nivelliert worden seien. Wer sich laut Kremer-Jensen gar nicht so recht freuen kann, sei das Heilwesen und die Recycling-Branche. Denn: „Sie gehören zu den wenigen Bereichen, die nur ein begrenztes Angebot vom Versicherungsmarkt erhalten werden“.

aon.de