Wissen Sie noch, wann der Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg BER ursprünglich in Betrieb gehen sollte? So lange liegt das gar nicht zurück. Angedacht für die große Eröffnungsgala war der 3. Juni 2012. Gut, es war nicht der erste Termin, der kommuniziert wurde, denn zu Beginn der Planung, noch bevor der erste Spatenstich überhaupt erfolgte, war sogar vom Jahr 1997 die Rede. Aber am 3. Juni 2012, da sollte der Flughafen wirklich eröffnet werden, mit bunten Luftballons, viel Trara und der versammelten Prominenz aus Politik und Wirtschaft. An diesem Tag sollten auch erste Flugzeuge vom Areal des neuen Flughafens abheben, so richtig mit Kerosin und Passagieren drin, genauso war es geplant.

Anzeige  

 

Es kam anders, wie wir alle wissen. Der BER wurde zum „Pannen-Flughafen“, über den die ganze Welt lacht, und die Verschiebung seiner Eröffnung zu einem Running Gag, der zwar aus unterschiedlichen Zutaten besteht, aber immer dieselbe Pointe hat. Mal war von eklatanten Planungsfehlern die Rede, mal von Korruption und Veruntreuung, dann wieder drohte der zentrale Kabelkanal bei Betrieb zu überhitzen. Die Kosten schossen in die Höhe, Verantwortliche wurden entlassen und wieder eingestellt, aber Flugzeuge heben immer noch nicht vom Berliner Flughafen ab. Anvisiert ist aktuell ein Eröffnungstermin im zweiten Halbjahr 2017, wobei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) schonmal vorsorglich „weitere Kostensteigerungen und Verzögerungen“ ankündigte – nur für den Fall, dass es in diesem Jahrtausend dann doch nichts mehr wird.

Berlin erhält von Haftpflicht 12 Millionen Euro für Nichteröffnung

Aber bei all dem Genörgel, dem Spott und der Häme muss nun die Bummelei beim BER auch mal positiv hervorgehoben werden. Denn plötzlich verdient die Flughafengesellschaft Geld damit, dass sie den BER nicht pünktlich im Frühsommer 2012 eröffnen konnte. Wobei „verdient“ die falsche Formulierung ist, es handelt sich vielmehr um eine Entschädigungszahlung. Ein Trostbonbon sozusagen, wenn auch eins mit Schleife, denn diese Süßigkeit wiegt millionenschwer.

Laut Recherchen des Tagesspiegel sind an den Flughafen 12 Millionen Euro ausgezahlt worden. Und zwar von der D&O-Haftpflichtversicherung des früheren Flughafenchefs Rainer Schwarz und Baugeschäftsführers Manfred Körtgen. Eine solche Directors-and-Officers-Versicherung springt ein, wenn Manager oder Vorstände durch persönliches Fehlverhalten ihrem Unternehmen oder Dritten Schaden zufügen. Und weil das immer öfter passiert, sind die Prämien für solche Policen in den letzten Jahren stark angestiegen: allein seit der Finanzkrise 2008 um 20 bis 40 Prozent.

Die ausgezahlte Summe sei deutlich höher, als die Betreibergesellschaft selbst wegen der BER-Nichteröffnung an Airlines und andere betroffene Firmen zahlen musste, berichtet der Tagesspiegel. Das ist freilich eine optimistische These. Laut einem Sitzungsprotokoll der „SOKO BER“, hinter der sich eine Arbeitsgruppe des Bundesverkehrsministeriums verbirgt, erzeugt die Nichteröffnung jeden Monat Mehrkosten von 35 bis 40 Millionen Euro. Na gut, diese Mehrkosten kann man vernachlässigen, im Zweifel zahlt der Steuerzahler hierfür. Baugrube auf, Geldscheine reingeworfen, Baugrube wieder zu. Und dann mit der Planierraupe drüber.

30.000 verschickte Eintrittskarten

Fällig wurde die Versicherungssumme, weil die Absage der Eröffnungsveranstaltung recht kurzfristig erfolgte. Erst am 8. Mai 2012, wenige Wochen vor der geplanten Eröffnung, stellte sich der damalige Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vor die Presse und erklärte, dass die Feierlichkeiten leider ausfallen müssen. Zu diesem Zeitpunkt liefen die Vorbereitungen für den BER-Start bereits auf Hochtouren. Rund 30.000 Einladungen waren verschickt, Hotels gebucht, das Catering in der Vorbereitung. Nachdem die Blase geplatzt war, hatte der Aufsichtsrat gegen die Ex-Chefs auf Schadensersatz geklagt. Und die Versicherung springt nun für den entstandenen Schaden ein.

Anzeige  

 

Derweil reißen die Katastrophenmeldungen zum BER nicht ab. Um die Notfall-Rollbahn auszubauen, müssen bereits errichtete Wartungshallen von Lufthansa und Bombardier wieder abgerissen werden, berichtet der RBB. Ein extra geplantes Regierungsterminal wird nicht vor 2022 fertig, meldet dpa. Und der Schweizer Tagesanzeiger schreibt, das deutsche Staatsunternehmen Fraport AG will in Griechenland mehrere Flughäfen aufkaufen, die das klamme Land privatisieren soll. Zittert man in Athen schon vor der Inkompetenz und Korruptionsanfälligkeit der deutschen Flughafenbetreiber? Es kann Entwarnung gegeben werden: Die griechischen Flughäfen sind zum Glück bereits fertiggestellt.