Stell dir vor, du hast einen sündhaft teuren Flughafen – aber kein Flugzeug hebt je ab. So geht es derzeit vielen Berlinern, vor deren Haustür eines der teuersten Verkehrsinfrastrukturprojekte Europas sprichwörtlich in den Sand gesetzt wird. Pfusch am Bau, eine nicht funktionierende Brandschutzanlage und explodierende Kosten sorgen dafür, dass die Fertigstellung des Flughafens Berlin-Brandenburg zur unendlichen Geschichte wird. Die geplanten Kosten des Projekts stiegen von ursprünglich 1,7 Milliarden Euro (2004) auf 5,1 Milliarden Euro bis Ende 2014.

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D&O-Versicherung bietet Mehdorn Schutz

Da ist es beruhigend zu wissen, dass die Entscheidungsträger des Bauprojektes gut abgesichert sind. Bis zu 30 Millionen Euro zahlt eine Versicherung, sollte Flughafenchef Hartmut Mehdorn mit Schadensersatzansprüchen konfrontiert werden. Aber auch Mehdorns Finanzchefin Heike Fölster sowie die 15 Aufsichtsratsmitglieder um Klaus Wowereit genießen Schutz. Das teilte Berlins regierender Bürgermeister Wowereit am Dienstag auf Anfrage der Piratenfraktion mit.

Bei den Policen handle es sich um eine sogenannte Directors-and-Officers-Versicherung (D&O). Mit einem derartigen Vertrag können Unternehmen ihre leitenden Angestellten (Manager, Vorstände) und Organe (Aufsichtsrat, Geschäftsführung, Vorstand) gegen betriebliche Haftpflichtrisiken absichern. Für das Unternehmen selbst greift der Schutz allerdings nicht. In Deutschland handelt sich um einen recht jungen Versicherungszweig – hierzulande wurden D&O-Policen erstmals 1986 von einer Tochter des US-amerikanischen Versicherers Chubb angeboten. Hingegen sind die Versicherungen in den USA seit den 30er Jahren verbreitet.

Korruptionsverdacht gegen Technikchef Großmann

Wieviel die Versicherung für den Flughafenchef kostet, wollte Klaus Wowereit nicht preisgeben. Dies unterliege dem Betriebsgeheimnis. Derweil kündigt sich schon neuer Ärger um den Flughafen BER an: Laut übereinstimmenden Zeitungsberichten wird gegen den technischen Leiter Jürgen Großmann wegen Korruptionsverdachts ermittelt. Gegen ein Bestechungsgeld von 500.000 Euro soll Großmann einer international tätigen Firma Vorteile in einem Vergabeverfahren gewährt haben.

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Ironie der Geschichte: erst Ende 2013 war Großmann ins Team geholt worden, um die Probleme mit der Brandschutzanlage zu lösen. Die Brandschutzanlage gilt als Hauptgrund für die inzwischen bereits viermal verschobene Eröffnung des Flughafens. Nun trägt der promovierte Verfahrenstechniker aus Dresden dazu bei, dass der Flughafen weiterhin für Negativschlagzeilen sorgt. Ob auch Großmann mit einer D&O-Police geschützt ist, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden – sie würde auch bei Schadensersatzforderungen des eigenen Unternehmens greifen.