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Armut / Soziale Ungleichheit

Hartz IV verdirbt den Kleinsten die Kindheit

Kein Kino, kein Theater und weniger Freunde, die zum Essen bleiben? Hartz IV geht bereits Kindern an die Substanz (Symbolbild)Greyerbaby@Pixabay.com

Hartz IV: Kein Urlaub, kein Internet, nichts Warmes für den Winter? Kinder, die in eine Hartz IV-Familie geboren werden, sind gegenüber anderen Kindern im Nachteil. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung offenbart, wie groß das Ausmaß ist.

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Die staatliche Unterstützung für wenig vermögende Familien orientiert sich, so das Resultat einer Studie, zu wenig am Bedarf der Kinder. Die staatliche Unterstützung wird ihren Bedürfnissen deshalb oft nicht gerecht, heißt es in der Daten-Auswertung des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, über die „Der Spiegel“ unlängst schrieb.

Die Untersuchung stellt eine erhebliche Benachteiligung von Kindern aus einkommensschwachen Familien gegenüber Kindern aus Familien in gesicherten finanziellen Verhältnissen heraus. Laut Studie machen drei Viertel (76 Prozent) der Kinder von Eltern, die Hartz-IV beziehen, noch nicht einmal eine Woche Urlaub im Jahr. Bei Kindern aus so genannten gesicherten Verhältnissen liegt der Anteil von Kindern ohne Urlaub bei nur 21 Prozent.

Kein Kino, keine Wärme und kein Geld für soziale Interaktion - Kinder in Hartz IV Familien

Nicht mindestens einmal im Monat ins Kino, Theater oder Konzert können mehr als die Hälfte, genauer: 54 Prozent, der armutsgefährdeten Kinder. Ein Drittel (31 Prozent) der Kinder kann es sich nicht leisten, mindestens einmal Freunde zum Essen einzuladen. 14 Prozent der Kinder in Hartz-IV-Haushalten verfügen nicht über Internet. Zehn Prozent der Kinder besitzen sogar nicht einmal ausreichende Winterkleidung.

Im Frühjahr hatte die Bertelsmann-Stiftung bereits untersucht, in wie fern sich Armut in der Entwicklung von Kindern bemerkbar macht. Das Ergebnis: Schuleingangsuntersuchungen diagnostizieren bei Kindern, deren Familien von staatlicher Grundsicherung leben, mehr als doppelt so häufig Defizite in der Entwicklung als bei Kindern, die in gesicherten Einkommensverhältnissen aufwachsen. Beispielsweise sprechen Fünf- und Sechsjährigen aus benachteiligten Familien schlechter Deutsch, sie können weniger gut zählen, sie leiden häufiger unter Konzentrationsstörungen, sie sind häufiger übergewichtig, darüber hinaus sind auch ihre Koordinationsfähigkeiten weniger gut ausgeprägt.

Diese gesundheitlichen und körperlichen Beeinträchtigungen gehen mit einer geringeren Teilhabe der armutsgefährdeten Kinder an sozialen und kulturellen Angeboten einher. Nur 12 Prozent dieser Kinder erlernen beispielsweise ein Instrument, während die Vergleichsgruppe zu 29 Prozent ein Instrument erlernt. Vor dem Erreichen des dritten Lebensjahres besuchen nur 31 Prozent der armutsgefährdeten Kinder eine Kita, während Kinder von Familien jenseits des Hartz zu 47,6 Prozent in die Kita geschickt werden.

Kinderarmut wirkt sehr früh sehr nachhaltig: negativ

Darüber hinaus besuchen nur 46 Prozent der armutsgefährdeten Kinder vor Schuleintritt einen Sportverein, (Übrige: 77). Dabei spielt gerade die Mitgliedschaft in einem Sportverein positiv nicht nur auf die Entwicklung der Körperkoordination aus, sondern auch auf alle anderen Entwicklungsmerkmale, so die Studie. Genauso vermag auch ein früher Kita-Besuch negative Folgen von Kinderarmut zu verringern, allerdings ist das nicht automatisch gegeben. Denn positive Effekte für die Entwicklung der Kinder können nur dann eintreten, wenn die Kita-Gruppen sozial gemischt sind.

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Nun ist aber Armut innerhalb einer Stadt überaus unterschiedlich verteilt und damit können Kitas in sozialen Brennpunkten die so positiv wirkende Heterogenität eben oftmals nicht gewährleisten. In der Stadt Mülheim beispielsweise liegen in einigen Stadtvierteln die Armutsquoten bei über 50 Prozent. Deshalb wird von den Autoren der Studie gefordert, die Ressourcen nicht nach dem "Gießkannenprinzip" zu verteilen: "Kitas in sozialen Brennpunkten brauchen mehr Geld, mehr Personal und andere Förderangebote", sagte Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. In Deutschland wachsen übrigens mehr als 17 Prozent der Kinder unter drei Jahren in Familien auf, die von staatlicher Grundsicherung leben und die Tendenz ist steigend.

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