Die deutschen Versicherer haben trotz eines schwierigen Markt- und vor allem Zinsumfelds im vergangenen Jahr ihre Prämienerlöse auf 192 Milliarden Euro erhöht. Immerhin ist das ein Plus von 2,7 Prozent. Allein in der Lebens-Sparte kletterten die Umsätze auf über 93 Milliarden Euro oder um 3,1 Prozent. Kranken wuchs um gut drei Prozent auf etwa 36 Milliarden. Bei den Sachsparten schlugen mehr als 62 Milliarden Euro oder ein Plus von 3,2 Prozent zu Buche.

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GDV-Chef Erdland wurde auf der Pressekkonferenz am vergangen Freitag gefragt, ob es der Assekuranz-Branche a. gut oder b. schlecht geht. Dies waren die Antwort-Alternativen, die eine Journalistin dem Assekuranz-Boss vorgab. Letzterer reagierte diplomatisch, auf eine so starke Vereinfachung gut/schlecht wolle er nicht reagieren. Anders gesagt: Entweder weiß Erdland nicht, wie es der Assekuranz geht, oder er sagt es nicht.

Und dann war auch noch der GDV-Vertriebskodex eines der Hauptthemen der Jahrespressekonferenz des Verbands. Dieses Thema behandelt der Versicherungsbote gesondert. Die Fragen der Redaktion stehen aber schon: Hier – als Hausaufgaben. Die Antworten des GDV folgen an diesem Dienstag.

Kunden hadern mit der "schwarzen Null"

Gegenüber der Presse sagte GDV-Präsident Erdland, er sei „zuversichtlich, dass wir 2015 mit der Branche insgesamt auf einem stabilen (…) Wachstumspfad bleiben werden". Die Geschäftsergebnisse 2014 seien für die Versicherer „ein Ansporn, weiter hart zu arbeiten". Natürlich kämpfen die Versicherer vor allem mit, oder besser gesagt gegen das niedrige Zinsniveau auf den Kapitalmärkten. Gerade bei Leben schaffen die Kunden kaum noch eine „schwarze Null“.

Versicherer leben gut

Analysten von Morgen & Morgen haben nachgerechnet und festgestellt, dass LV-Sparer in den neuen Klassiktarifen mit 1,25 Prozent-Garantie etwa 22 Jahre sparen müssen, bis ihr Vertragsstand die Zahlbeiträge übersteigt. Das sind keine guten Marktargumente gegenüber den Kunden, die Lebensversicherungen kaufen sollen. Bisher lief das LV-Geschäft noch gut: Im Jahr 2014 legten die Einmalbeiträge um fast 13 Prozent zu und summierten sich auf 29 Miliarden Euro (gut 30 Prozent des Gesamtumsatzes von 93,7 Milliarden in Leben). Der laufende Beitrag in Leben stagniert bei 64,4 Milliarden Euro (minus 0,8 Prozent).

Schadensparten gut, aber Wohngebäude...

Probleme haben die Assekuranzen infolge Unwetter und Stürmen des vergangenen Jahres mit der Wohngebäude-Sparte. Deren „Combined Ratio“, also die Ertragsziffer steht bei 104, während die gesamten Schadensparten unterm Strich bei 95 stehen: 5 Prozentpunkte Überschuss. Aber für die Wohngebäude-Versicherung bedeutet die Ziffer 104: Die Gesellschaften haben 4 Prozent mehr Kosten als Einnahmen aus Beitrag und Zinserlösen. Rechnerisch müssten die Wohngebäude-Prämien und auf die Gesamtheit der Versicherer bezogen um eben diese 4 Prozentpunkte steigen.

Solvency II drückt

Ob diese vierprozentige Prämien-Steigerung für den Schutz von Haus und Hof kommt, vermochten Sprecher des GDV am vergangenen Freitag nicht sagen, weil sich diese Marktzahl nicht auf die einzelnen Mitgliedsunternehmen des Verbands übertragen lassen. Generell blicken die Versicherer kritisch auf die Geldpolitik vor allem der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Zinsentwicklung. Zumal die EZB ab jetzt monatlich für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen aufkauft und damit Riesensummen in die Kapitalmärkte spült. Sozusagen Eurobonds (also inklusive Anleihen schlechter Schuldner?) durch die Hintertür.

Geldschwemme

Was die EZB-Aufkäufe mit dem Marktzins machen? Man weiß es noch nicht. Einerseits steigert die EZB-Geldschwemme die Nachfrage nach Staatsanleihen um 60 Milliarden Euro. Pro Monat! Andererseits bedeutet eine höhere Geldmenge in Umlauf genau das Gegenteil von Geldverknappung: Dann könnten Zinsen tendenziell eher nicht steigen.

Infrastuktur-Investitionen ...

"Vor dem Hintergrund der Schuldenbremse der öffentlichen Hand sind und fühlen wir uns angesprochen", sagte Alexander Erdland zu Plänen, ob die Assekuranz künftig anstatt des Staates in Infrastruktur-Projekte wie den Straßenbau oder andere öffentliche Bauprojekte einsteigt. Diese Projekte, die der Staat aus fiskalischen Gründen, also infolge knapperer Haushaltsmittel nicht mehr alleine finanzieren könne, müssten allerdings „total sicher sein“ und von der Politik flankiert werden.

...kollidieren mit Solvency II-Eigenkapitalregeln

Ob die Versicherer für Straßen oder Energie-Projekte eine Risikoprämie, vulgo einen Zinszuschlag beanspruchen werden, dazu war vom GDV auf der Pressekonferenz nichts Konkretes zu erfahren. Lediglich klar ist bereits heute: Bisher müssen die Versicherer Infrastruktur-Projekte teuer mit hohen Eigenkapitalien unterlegen. Und wenn diese Pflicht bleibt, kollidiert privat von der Assekuranz mitfinanzierter Straßenbau mit den Eigenkapital-Vorgaben von Solvency II.

Vorläufig ist das Streben um eine „Allianz-Autobahn“ oder eine „Ergo-Stromtrasse“ noch ein regulatorisch unausgegorener Kampf gegen Windräder oder Windmühlen. Miguel de Cervantes' „Don Quijote“ würde sagen: böse Riesen.