Trotz der seit Jahren sinkenden Überschussbeteiligungen sieht Oletzky die Lebensversicherung weiter als eine erfolgreiche Anlageform. Doch auch die Ergo könne sich dem Zinstief nicht entziehen, was sich negativ auf die Attraktivität der Angebote für der Kunden auswirke: „Wir haben früher eine hohe Erwartungshaltung geweckt, die wir heute nicht erfüllen können. Wir haben den Eindruck suggeriert, dass am Ende auf den garantierten Zins immer noch ein dickes Extra drauf kommt“, sagt Oletzky. „Als ich 2000 bei Ergo angefangen habe, hatten wir eine Überschussbeteiligung von 7,3 Prozent. Ich habe damals eine Lebensversicherung über 30 Jahre abgeschlossen. Der Wert, der mir damals hochgerechnet worden ist, war doppelt so hoch, wie das, was heute auf dem Papier steht.“

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Lebensversicherung: Eine solide Anlage

Als schlechtes Geschäft sieht er seine Anlage im Nachhinein dennoch nicht: Auch mit der niedrigen Überschussbeteiligung bleibe eine positive Rendite. Die Lebensversicherung brauche in den letzten zehn bis 15 Jahren den Vergleich mit anderen Anlagen nicht zu scheuen: „Durch Lebensversicherungen hat niemand Geld verloren, bei Aktien hat mancher bei ungünstigem Timing durchaus Geld in den Sand gesetzt", fährt Oletzky fort.

Mit der momentan viel propagierten Jahresendrallye für den Abschluss von Versicherungen zum Jahresende hin rechnet Oletzky trotz sinkendem Garantiezins indes nicht: „Vielleicht fällt der Schlussspurt in diesem Jahr ein bisschen stärker aus. Aber der Unterschied von 1,75 zu 1,25 Prozent ist nicht so groß, dass es einen Riesenboom geben wird. 0,5 Prozentpunkte sollten niemanden verleiten, eine neue Versicherung abzuschließen.“

Zwei Milliarden Euro für neue Infrastrukturprojekte

Neue Anlageziele für die Ergo könnten unterdessen Infrastrukturprojekte sein - privat finanziert. Der Staat habe hohe Schulden und könne seine Investitionen nicht beliebig ausweiten, so Oletzky. Daher seien private Investoren eine gute Alternative. Zwei Milliarden Euro stünden der Ergo für derartige Projekte zur Verfügung. Allerdings konkurrieren derzeit viele Investoren um vergleichsweise wenige Projekte. Es brauche eine politische Entscheidung, wie private Investoren helfen könnten, den Investitionsstau beim Staat abzubauen.

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Die Idee der Generali, die die gesunde Lebensweise ihrer Kunden per App überprüfen möchte, hält Oletzky hingegen nur bedingt für realistisch. Die Fragen des Datenschutzes seien in diesem Bereich besonders sensibel: „Ich bin nicht sicher, ob die Deutschen, die großen Wert auf Datenschutz legen, ein solches Produkt in großem Stil kaufen würden.“ Eher vorstellen könne Oletzky sich eine Autoversicherung, die gutes und besonnenes Fahrverhalten belohnt. Dieses könne mit einer App aufgezeichnet werden, wie es zum Beispiel in Lettland schon funktioniert.