Zum Pflegefall zu werden ist schon für sich genommen eine beängstigende Vorstellung. Aber dabei auch noch der Familie zur Last zu fallen, ist für die Deutschen unter 60 Jahren eine Horrorvorstellung: 84 Prozent fürchten nichts mehr als die Pflegebedürftigkeit. Wenn sie aber doch eintreten sollte, haben 83 Prozent die meiste Angst davor, ihre Angehörigen persönlich zu belasten. Den Kindern finanziell auf der Tasche zu liegen fürchten 76 Prozent. Damit rangiert das Thema Pflege unangefochten auf Platz eins der größten Sorgen der Deutschen, noch vor Krankheit, Altersarmut oder Arbeitslosigkeit. Das geht aus der aktuellen Continentale-Studie 2014 in Zusammenarbeit mit TNS Infratest hervor.

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Pflegezusatzversicherung: Ausgabebereitschaft ist überraschend hoch

Aktuell haben nur 3 Prozent eine private Pflegezusatzversicherung. Wenn sich Menschen nicht gegen ein Risiko versichern, das sie als bedrohlich empfinden, liegt meist eine Vermutung nahe: Sie empfinden den Versicherungsschutz als zu teuer. Auf den ersten Blick scheint diese These auch beim Thema Pflege zu greifen, denn 58 Prozent der 1.314 befragten Personen geben genau dies als Grund an. Allerdings spricht die Ausgabebereitschaft der Bevölkerung gegen diese Annahme: 74 Prozent sind bereit, mindestens 10 Euro im Monat für eine Pflegezusatzversicherung auszugeben, die Mehrheit würde bis zu 25 Euro bezahlen. Also ungefähr die Summe, ab der eine gute Absicherung auch möglich ist.

Unter finanziellen Gesichtspunkten stünde selbst einem Top-Schutz nichts im Wege, denn 37 Prozent der Deutschen halten Ausgaben bis 50 Euro für angemessen, 13 Prozent bis 70 Euro. Und schließlich würden 8 Prozent sogar mehr als 75 Euro im Monat zahlen.

Beim Grund für die fehlende Absicherung gaben die Befragten an, dass sie glaubten die "Versicherung zahlt im Ernstfall nicht" (61 Prozent) und, dass der Partner oder Angehörige die Pflege übernehmen werde (59 Prozent). Paradox ist, dass auch wenn die Menschen auf die Pflege durch ihre Angehörigen setzen, fürchten 83 Prozent der Deutschen gleichzeitig nichts mehr, als ihre Familie im Pflegefall persönlich zu belasten.

Viele Deutsche vertrauen dagegen, fälschlicher Weise, der eigenen Immobilie (69 Prozent) und der Unfallversicherung (60 Prozent) als angemessener Schutz. Angesichts der überaus geringen Zahl privat abgeschlossener Pflegezusatzversicherungen lässt sich nur der Schluss ziehen: "Das Hauptargument für eine private Pflegezusatzversicherung ist noch nicht in den Köpfen angekommen. Denn gerade sie entlastet Angehörige, Partner oder Kinder nachhaltig, weil sie die Lücke zwischen tatsächlichen Pflegekosten und den gesetzlichen Leistungen zu 100 Prozent schließen kann", so die Einschätzung von Helmut Posch, der als Vorstandsvorsitzender im Continentale Versicherungsverbund die Studie in Auftrag gegeben hat.

Pflegeversicherung: Vermittler schätzen Ängste der Kunden falsch ein

Doch auch Versicherungsvermittler sind nicht unschuldig am status quo. Oftmals ist ihnen nicht bewusst, dass die Angst vor Pflegebedürftigkeit die größte Sorge der Deutschen ist. Sie vermuten in anderen Bereichen wie Krankheit, Altersarmut oder Arbeitslosigkeit wesentlich größere Ängste. Gerade bei den unter 40-Jährigen, für die angesichts des demografischen Wandels eine Absicherung am meisten zu empfehlen ist, liegen Vermittler in der Einschätzung ihrer Kunden am meisten daneben. Denn obwohl mindestens jeder zweite dieser Altersgruppe gerade vor Pflegebedürftigkeit die größte Angst hat, unterstellen Vermittler dies nur jedem sechsten. Und auch dass 60 Prozent hier den größten Vorsorgebedarf sehen, wurde falsch eingeschätzt: Sie tippen auf nur 17 Prozent.

Posch weiter: "Das Thema Pflege und Pflegeabsicherung ist nichts, wovor wir weglaufen können. Zukünftig wird die Frage, wie wir die Unterstützung von hilfsbedürftigen Menschen finanzieren können und wollen, zu einer zentralen gesellschaftlichen Herausforderung werden."

Continentale Versicherungsverbund