Wenn der Versicherungskunde eine fondsgebundene Riester-Rente oder ein anderes Altersvorsorgeprodukt abschließt, dann schaut er in der Regel auf Faktoren wie Förderquoten, Renditen und Steuervorteile. Die wenigsten achten darauf, in welche Firmenbeteiligungen die Versicherung ihr Geld steckt. Für so manchen Verbraucher könnte es aber ein böses Erwachen geben, wenn er um die Art der Investitionen wüsste.

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Wie die taz berichtet, investieren Rentenversicherungen in ethisch bedenkliche Firmen aus der Rüstungs-, Öl- und Gentechnikbranche. Das habe eine Studie der Umweltorganisation Urgewald ergeben, die dem Berliner Blatt vorab vorliegt. Untersucht wurden zehn große Versicherungen in Deutschland – darunter die Aachen Münchener, Zurich, Heidelberger Leben, Allianz, Signal Iduna, Cosmos Direkt, HDI , Nürnberger Versicherung sowie mehrere öffentliche Versicherer und Sparkassen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Branche wegen ihrer Geldanlagen in die Kritik gerät. Bereits 2011 erhob die Stiftung Warentest Vorwürfe, wonach Anbieter sogar den Bau von verbotenen Streubomben unterstützen (Versicherungsbote berichtete).

fragwürdige Rüstungsdeals und Genpflanzen

Ein Beispiel für problematische Firmenbeteiligungen ist der britische Rüstungskonzern BAE Systems, in den der Fonds DWS Global Value investiert ist. Dieser verkauft seine Waffensysteme nicht nur an westliche Staaten, sondern auch an solche mit einer unsicheren Menschenrechtslage. Laut einem Bericht der Tageszeitung Welt bereitet BAE Systems derzeit einen Milliardendeal mit Saudi-Arabien vor, das mehrere Eurofighter-Kampfflugzeuge aufkaufen will. Wäre es allen Riester-Sparern Recht, dass ihr Geld in Waffengeschäfte mit einem despotischen Regime fließt? Angeboten wird der Fonds unter anderem von der Aachen Münchener.

Auch Gentechnik-Firmen profitieren von deutschen Kundengeldern. Die Nürnberger Versicherung etwa investiert in Fonds, die Papiere des Biotech-Giganten Monsanto gekauft haben. Der Konzern sorgt weltweit für Schlagzeilen, weil er in Staaten wie den USA oder Mexiko Patente auf Pflanzen anmeldet und das geistige Eigentum darauf beansprucht. Nach Ansicht von Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace handelt es sich bei vielen Sorten aber keineswegs um „Erfindungen“ von Monsanto, sondern um Pflanzen, die seit Jahrhunderten angebaut werden. Trotzdem müssen Bauern saftige Strafen fürchten, wenn sie auf den Anbau nicht verzichten – bis hin zur Zerstörung ihrer Ernte. Viele Kleinbauern habe das aggressive Vorgehen des Konzerns in den Ruin getrieben.

Wollen deutsche Sparer derartige Investments mit ihrer Altersvorsorge unterstützen? Die Vorbehalte gegen Gentechnik sind hierzulande groß, 87 Prozent aller Bundesbürger lehnen sie laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid ab.

Deutlich mehr ökologische und soziale Produkte

Aber es gibt auch eine gute Nachricht für alle Versicherungskunden, die ihr Geld nachhaltig anlegen wollen. Laut taz ist die Zahl der ökologisch und sozial ausgerichteten Produkte deutlich gestiegen, wie eine Auswertung des Magazins ecoreporter ergab. Das Volumen offener Nachhaltigkeitsfonds habe sich in Deutschland seit dem Jahr 2000 verzwanzigfacht – auf heute mehr als 30 Milliarden Euro. Kaum eine Firma würde auf Produkte mit ökologischem und sozialem Anspruch verzichten.

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Seit 2000 aber stagnieren die investierten Summen in nachhaltige Produkte. Und nach wie vor gilt: Wer als Kunde nicht aktiv Nachhaltigkeitsfonds nachfragt, kommt nicht damit in Berührung. Vermittler empfehlen derartige Produkte eher selten, „weil sie weniger Renditevorteile im Vergleich zu konventionellen haben“, erklärt Jörg Weber, Geschäftsführer der Firma Eco-Effekt. Hier könnte noch Vertriebspotential schlummern, sollte faires Investment den Verbrauchern tatsächlich wichtig sein.

taz