Insgesamt entfielen 2013 37 % der weltweiten Gesamtschäden aus Naturkatastrophen auf Überschwemmungen, deutlich mehr als der Durchschnitt seit 1980 von 22 Prozent.

Bei den Überschwemmungen, die im Juni 2013 Süd- und Ostdeutschland sowie angrenzende Staaten betrafen, entstanden Gesamtschäden von 11,7 Mrd. €, 2,4 Mrd. € waren versichert. Damit war dieses Hochwasser die Naturkatastrophe mit den höchsten Gesamtschäden des Jahres weltweit. Dagegen hatte die Elbe-Flut 2002 Gesamtschäden von 17 Mrd. € verursacht. Zum Teil lagen die geringeren Schäden von 2013 an der Art der Niederschläge. So lösten geringere Starkniederschläge im Elbe-Einzugsgebiet weniger Sturzfluten und damit geringere Schäden an der Infrastruktur wie Straßen und Brücken aus. Dagegen war jedoch 2013 das Einzugsgebiet der Donau viel stärker betroffen als 2002.


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Wesentlichen Anteil an den niedrigeren Schäden hatte der technische Hochwasserschutz. So hielten mobile Schutzwände in Prag, Dresden, Bratislava und Budapest den Fluten stand. Entscheidend waren auch organisatorische Veränderungen, die als Lehren aus der Flut 2002 gezogen wurden. Drei Beispiele:

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 Das Risikomanagement des Wasserversorgers in Dresden: Nach 2002 wurde der Hochwasserschutz bei Betriebsanlagen gestärkt, etwa zur Sicherung der Stromversorgung. Zu Beginn des Hochwassers 2013 wurde rasch ein Krisenstab gebildet, der alle relevanten Beteiligten einband oder informierte. Das Ergebnis: Die Schäden waren nur ein Viertel so hoch wie 2002, die Betriebsunterbrechung eines Wasserwerks konnte auf 18 Tage im Vergleich zu 160 Tagen im Jahr 2002 begrenzt werden.
  • Wohnungsgesellschaften: Ein konsequenter Alarmplan hat bei Eigentümern von drei großen Mietobjekten ebenfalls in Dresden den Schaden in Tiefgaragen und der Elektrik um die Hälfte verringert.
  • Hochwasserschutz an der Nordseeküste und der Elbe bei Hamburg: Anfang Dezember löste das Sturmtief Xaver an der deutschen Nordseeküste eine schwere Sturmflut aus, die in Hamburg zum zweithöchsten Scheitelwasserstand der Geschichte führte. Obwohl die Flut noch 39 Zentimeter höher war als die verheerende Sturmflut von 1962 mit hunderten Toten, entstanden durch den seitdem drastisch verstärkten Hochwasserschutz so gut wie keine Schäden.

„Hochwasser ist die Naturgefahr, bei der sich vorbeugende Maßnahmen am deutlichsten auszahlen“, sagte Peter Höppe, Leiter der GeoRisikoForschung von Munich Re. „Unsere Schadenstatistiken machen aber auch deutlich, dass gerade in Schwellenländern Hochwasserereignisse gravierende Schäden verursachen und zahlreiche Menschenleben fordern. Schon mit geringen Maßnahmen wie Verzicht auf Neubauten in sehr gefährdeten Regionen und kluge Alarmsysteme lässt sich hier aber auch schon viel erreichen.“



Weitere schwerwiegende Überschwemmungen ereigneten sich 2013 im Juni in der Gebirgsregion des indischen Bundesstaates Uttarakhand (5500 Tote), im Juni und Juli in den kanadischen Provinzen Alberta und Ontario (Gesamtschäden knapp 6 Mrd. US$ und 1,6 Mrd. US$) und im US-Bundesstaat Colorado im September (Gesamtschaden 1,5 Mrd. US$).


Die größte humanitäre Katastrophe des Jahres löste der Taifun Haiyan aus, der vermutlich stärkste an Land beobachtete tropische Wirbelsturm überhaupt mit Windgeschwindigkeiten in Böen von bis zu 380 km/h. Haiyan fegte über mehrere Inseln der Philippinen hinweg. Durch den Sturm und die bis zu sechs Meter hohe Sturmflut kamen mehr als 6000 Menschen ums Leben.



Gemessen an den finanziellen Schäden fiel das Naturkatastrophenjahr 2013 gemäßigt aus, da Großschäden durch Hurrikane in USA oder durch Erdbeben ausblieben. Insgesamt betrug der Gesamtschaden 135 Mrd. US$ und damit 27 % weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (184 Mrd. US$). Auch der versicherte Schaden von 35 Mrd. US$ lag trotz des hohen Anteils von Ereignissen in Mitteleuropa unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt (56 Mrd. US$).

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„Die Schadenbilanz 2013 zeigt, wie wichtig vorbeugende Maßnahmen sind. Dies sollte ein deutliches Signal insbesondere für Schwellenländer sein, die oft sehr stark Naturgefahren ausgesetzt sind, in denen zugleich die exponierten Werte rasant wachsen, entsprechende Präventionsmaßnahmen aber noch nicht ausreichend ergriffen werden“, sagte Torsten Jeworrek, im Vorstand von Munich Re für das weltweite Rückversicherungsgeschäft zuständig. „Zur Milderung der Folgen von Naturkatastrophen ist dort auch die stärkere Verbreitung von Versicherungen sinnvoll. Je nach Land und Gefährdungslage bietet sich dafür eine Risikopartnerschaft zwischen dem Staat und der privaten internationalen Versicherungswirtschaft an, wofür Munich Re mit ihrem umfassenden Naturkatastrophen-Knowhow Lösungen beisteuern kann.“