Auf den Philippinen löste mit Haiyan einer der stärksten Wirbelstürme der Geschichte eine humanitäre Katastrophe mit mehr als 6.000 Toten aus. Torsten Jeworrek, im Vorstand von Munich Re für das weltweite Rückversicherungsgeschäft zuständig, meint, dass gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern bessere Schutzmaßnahmen nötig sind. Dazu würden stabilere Bauten und Schutzeinrichtungen gehören. Aber auch Versicherungsprogramme, damit Betroffenen nach einer Katastrophe finanziell verlässlich geholfen werden kann.
„Bei einigen Ereignissen des Jahres 2013 hat sich gezeigt, wie gut Warnungen und schadenmindernde Maßnahmen die Auswirkungen von Naturkatastrophen begrenzen können. Bei den jüngsten Winterstürmen in Europa etwa blieben die Schäden vergleichsweise gering“, sagte Torsten Jeworrek.
Weltweit fiel die Bilanz der Schäden aus Naturkatastrophen 2013 gemäßigter aus: Die direkten Gesamtschäden blieben mit rund 125 Mrd. US$ ebenso wie die versicherten Schäden mit rund 31 Mrd. US$ unter den Durchschnittswerten der vergangenen 10 Jahre (184 Mrd. US$ und 56 Mrd. US$). Bei insgesamt 880 Naturkatastrophen (Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre: 790) kamen bedauerlicherweise mehr als 20.000 Menschen ums Leben. Damit lag die Zahl der Todesopfer zwar über der von 2012, aber erfreulicherweise deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre (106.000).

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Europa: Juni-Hochwasser war die teuerste Katastrophe des Jahres

Die teuerste Naturkatastrophe des Jahres gemessen an den gesamtwirtschaftlichen Schäden war das Hochwasser in Südost- und Ostdeutschland sowie angrenzenden Staaten Anfang Juni. Die Gesamtschäden lagen bei 15,2 Mrd. US$ (11,7 Mrd. €), die versicherten Schäden bei 3 Mrd. US$ (2,3 Mrd. €).
Ausgelöst wurde das Hochwasser durch eine sogenannte Trogwetterlage, bei der ein starkes Tiefdruckgebiet feuchtwarme Luft vom Mittelmeer über das Schwarze Meer in weitem Bogen um die Alpen bis nach Deutschland führte. Das Zusammentreffen mit kalten Luftmassen führte zu tagelangen starken Regenfällen auf bereits durchnässte Böden. Stellenweise betrugen die Niederschläge 400 Liter pro Quadratmeter innerhalb weniger Tage. An zahlreichen Flüssen erreichte das anschließende Hochwasser Rekordwerte, so etwa in Passau am Zusammenfluss von Donau, Ilz und Inn, wo das Hochwasser den höchsten Stand seit 1501 erreichte. In anderen Bereichen des Landes, so an der Donau bei Deggendorf in Bayern und an der Elbe bei Stendal in Sachsen-Anhalt, brachen Deiche, so dass sich Fluten kilometerweit ins Flachland ergossen.
Die historische Altstadt von Dresden blieb anders als bei der Elbe-Flut von 2002 vom Hochwasser weitgehend verschont, da die Schutzvorkehrungen verstärkt worden waren. Der vielerorts bessere Schutz verschärfte indes flussabwärts die Lage, wo das Wasser vielfach noch höher stieg als beim Jahrhunderthochwasser 2002. Damals hatte der Gesamtschaden europaweit 16,5 Mrd. US$ (16,8 Mrd. €) betragen, davon waren 3,4 Mrd. US$ (3,4 Mrd. €) versichert.
„Das Hochwasser 2013 hat gezeigt, wie Hochwasserschutz funktionieren kann. Schließlich ließen die Rahmenbedingungen wie Dauer und Menge der Niederschläge noch ein gravierenderes Hochwasser als 2002 erwarten“, so Peter Höppe, Leiter der GeoRisikoForschung von Munich Re. „Dennoch wurde auch deutlich, dass Hochwasserschutz den gesamten Flusslauf umfassen muss und nicht nur aus Eindeichen bestehen kann. Gewässer brauchen Platz, damit sie bei Hochwasser ausufern können, so dass es bei Schutzvorkehrungen am Oberlauf nicht die Anwohner am Unterlauf umso härter trifft. Hier sind für das ganze Einzugsgebiet eines Flusses umfassende und daher oftmals international koordinierte Anstrengungen nötig.“

Auch bei einigen anderen Wetterkatastrophen in Mitteleuropa hat sich Vorsorge bewährt: Der Herbststurm „Christian“ verlief ebenso glimpflich wie der Wintersturm „Xaver“, obwohl beide über Großbritannien, die Benelux-Staaten, Norddeutschland und Dänemark hinwegfegten und Windgeschwindigkeiten von teilweise über 150 km/h erreichten. Der Wintersturm „Xaver“ löste zudem eine Sturmflut aus, die in Hamburg das Wasser die Elbe hinauftrieb und mit 6,09 Metern über Normal den zweithöchsten Pegel seit Beginn der Messungen erreichte - deutlich höher als bei der Hochwasserkatastrophe von 1962 mit 347 Toten. Da Hamburg seit damals aber mehr als 2 Mrd. € in Schutzmaßnahmen investiert hatte, richtete die Sturmflut keine größeren Schäden an. Insgesamt hat Hamburg durch den Hochwasserschutz nach einer Analyse von Munich Re seit der Flut von 1962 Schäden in der Größenordnung von 20 Mrd. € vermeiden können. In Folge von „Xaver“ und „Christian“ entstanden europaweit Gesamtschäden in jeweils niedriger einstelliger Milliardenhöhe.