Die deutschen Versicherungen stehen vor den größten Herausforderungen der Nachkriegszeit – so zumindest schätzt die Strategieberatung Bain & Company die aktuelle Lage am Versicherungsmarkt ein. Angesichts des Wettbewerbsdrucks seien die Beiträge vieler Sparten mit geringen Margen kalkuliert, die Vertriebsprovisionen hingegen oftmals hoch. Und noch immer würden die Versicherer von attraktiven Altbeständen zehren, etwa in der historisch profitablen Unfallsparte. Kränkeln tut hingegen im Neugeschäft – speziell in wichtigen Sparten wie der Lebens- und Krankenversicherung, wo die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt zu weniger Vertragsabschlüssen führen. Infolge der aktuellen Trends wird die Profitabilität der Versicherungen sinken. Doch wie können sich die Anbieter trotz aller Schwierigkeiten am Markt behaupten? Laut Bain & Company wird dies eine strategische, organisatorische und kulturelle Umorientierung erfordern – in Unternehmen und im Vertrieb.

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Rahmenbedingungen erschweren das Geschäft

Besonders fatal: Mit der Lebens- und Krankenversicherung stecken ausgerechnet zwei Sparten in der Krise, die für Versicherer wichtiger Kostenträger sind und vielen Vertrieben das Auskommen sichern. In diesen Sparten binden sich die Kunden langfristig an ein Unternehmen, folglich werden auch vergleichsweise hohe Provisionen gezahlt. Doch das Geschäft leidet unter den niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt. Im Gesundheitssystem schießen zudem die Kosten für Medizin und Behandlungen in die Höhe – auch die PKV hat mit der Alterung ihrer Kunden zu kämpfen. Zudem sind die Ausgaben für ältere Patienten bei den Privatversicherern höher als bei den gesetzlichen Krankenkassen. „Kostet“ ein 85jähriger Patient die GKV durchschnittlich fast 5.000 Euro, sind es in der Privatversicherung sogar 10.000 Euro.

Hohe Kapitalerträge, die Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung historisch abfedern konnten und die klassische Lebensversicherung für Kunden und Versicherer attraktiv machten, sind zunehmend rar geworden. Die geplante Richtlinie Solvency II wird die Kapitalanforderungen und Anlagekriterien weiter verschärfen. Eine grundsätzliche Marktsättigung, der demographische Wandel und die gedämpfte Konjunktur könnten die Bedingungen für ein langfristiges Produkt wie die Lebensversicherung weiter verschärfen.

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„All das bedeutet empfindliche Einbußen in der Profitabilität der Versicherer und macht oftmals eine umfassende Neuausrichtung notwendig und zwar entlang aller Hebel, das heißt strategisch und operativ“, sagt Dr. Christian Kinder, Versicherungsexperte bei Bain & Company. „Eine umfassende Neuausrichtung ist unumgänglich.“

Bain & Company