Bereits im Dezember 2011 hatte der Gesamtverband der deutschen Versicherer (GDV) davor gewarnt, dass sich mit der Einführung der Unisex-Tarife die Versicherungsbeiträge insgesamt für beide Geschlechter erhöhen. Nun bestätigt das Analysehaus Morgen & Morgen vergangene Woche die Vermutung. Die Beiträge für Männer sind beispielsweise in der privaten Krankenversicherung sind deutlich gestiegen. Dreißigjährige Männer müssen nun durchschnittlich 100 Euro, vierzigjährige knapp über 96 Euro pro Monat mehr zahlen. Doch vielfältig erhoffte Beitragssenkung für Frauen blieb weitestgehend aus: Maximal ein Euro weniger zahlen die dreißigjährigen Damen, bei vierzigjährigen erhöht sich die monatliche Prämie sogar um sieben Euro.

Anzeige

Ergebnis der Analyse von Unisex-Tarifen im Vergleich zu den Bisex-Tarifen in der PKV, basierend auf einer Stichprobe der alten und neuen Tarife:

cms.mtmwn

cms.kkoxb

Quelle: Morgen & Morgen, Stand Januar 2013

Als korrekt erwiesen sich die Unisex-Beitragsprognosen in der klassischen Rentenversicherung. Männer verlieren im Durchschnitt rund 21 Euro monatlich in der klassischen Rente, Frauen erhalten hier nun 9 Euro mehr. Die höhere Lebenserwartung von Frauen und damit das höhere Risiko in Bezug auf die Langlebigkeit werde nun auf beide Geschlechter verteilt, erläutert Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer von Morgen & Morgen. In der Risikolebensversicherung werden die Wirkungen der Unisex-Tarife besonders deutlich: Das niedrigere Lebenserwartung des Mannes trägt Frau mit - entsprechend zahlt so eine Bürokauffrau 47 Euro mehr im Jahr, als Bürokaufmann über 37 Euro für einen Todesfallschutz von 250.000 Euro. Eine Bäckerin zahlt nun knapp 68 Euro, bei der Risikoversicherung des Bäckers sinkt der Beitrag um über 23 Euro.

Vergleich der Unisex-Tarife und Bisex-Tarife für die Risikolebensversicherung:

cms.yxotk

Quelle: Morgen & Morgen, Stand Januar 2013

Protest und Polemik ließen nicht lange auf sich warten: Die Unisex-Tarife seien Abzocke, die Versicherungen bereichern sich, so wie sie es immer getan haben, die Tarifeinführung bietet keine Kostentransparenz: „Man schröpft die eine Hälfte der Bevölkerung unter dem Vorwand, der anderen Hälfte Gerechtigkeit zuteil werden zu lassen“ überspitzt es der Journalist Stefan Sauer in einem Kommentar bei der Berliner-Zeitung.

Tariferhöhungen nicht allein durch Unisex-Umstellung bedingt

Bei all der Häme häufig vergessen, dass mit der notwendigen Reaktion auf das richterlichen Urteil zugleich auf bestehende rechtliche Unsicherheiten und die Strukturprobleme der Versicherer insgesamt reagiert wurde.

Die Preissteigerungen in der privaten Krankenversicherung, die in jedem Fall auf die Unisex-Umstellung zurückzuführen ist, betrifft Sicherheitszuschläge der Versicherungsgesellschaften. Die Prämienlast lässt sich nicht länger mit Hilfe der bisherigen Geschlechterverteilung kalkulieren. Die Versicherer sind gezwungen, mit Mischkalkulationen zu arbeiten. Da sich eine genaue Vorhersage zur Geschlechterverteilung in den Tarifen schwierig gestaltet, müssen häufig höhere Werte der erwarteten durchschnittlichen Leistungen sowie der Sterbe- und Stornowahrscheinlichkeiten zur Kalkulation genutzt werden. Daraus ergeben sich entsprechend hohe Sicherheitszuschläge. Nach wie vor ist es nötig, die Rechnungsgrundlagen mit entsprechenden Sicherungen zu versehen.

Doch nur ein Teil der Erhöhungen sind wohl tatsächlich durch die Umstellung auf Unisex bedingt. Durch die Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten sind die Lebensversicherer sind in der Krise, sie können seit 2012 den in Altverträgen versprochenen Höchstrechnungszins von bis zu 4 Prozent nicht mehr erwirtschaften. Gleiches gilt für die Kapitalanlagen in der privaten Krankenversicherung. Beitragserhöhungen sind daher ebenso diesen Umständen zu verdanken.

Anzeige

Zudem steigen unisexunabhängig in der PKV jährlich die Beiträge: Grund sind die steigenden Kosten für medizinischen Fortschritt sowie vor allem auch die demographische Entwicklung. Und diese Kosten können nicht, wie etwa in der GKV, über Leistungskürzungen reguliert werden. Im vergangenen Jahr etwa erhöhten sich die Prämien für neue Mitglieder der PKV durchschnittlich um 4,4 Prozent, in den vergangenen zehn Jahren verteuerten sich die Beiträge durchschnittlich um 4,6 Prozent, berichtet das Handelsblatt.

Seite 1/2/