Machtkampf beim BdV

Er gilt als schärfster Kritiker in der Versicherungsbranche und ist vor allem selbst reger Kritik ausgesetzt – die Rede ist von Axel Kleinlein. Als ehemaliger Vorstandschef des Bundes für Versicherte (BdV) sorgt er für Schlagzeilen über seinen Rauswurf und seine Vorwürfe gegenüber dem Verein. Befürworter Kleinleins kämpfen nun für seine Rückkehr in den Vorstand. Um zurück an die Spitze zu gelangen, muss jedoch zunächst der dreiteilige Aufsichtsrat zustimmen. Da die beiden aktuellen jedoch gegen Kleinlein sind, soll eine Mitgliederversammlung am 21. September zu einer eventuellen Neuwahl der Aufsichtsräte und so zu einer möglichen Rückkehr Kleinleins führen. Dafür müssten jedoch zunächst 530 Mitglieder stimmen. Mit dem Rücktritt von Hartmuth Wrocklage, gab der einzige Befürworter Kleinleins und der dritte Kopf im Aufsichtsrat sein Amt ab.

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Das Ziel für Kleinleins Unterstützer besteht zumindest in einer Erläuterung und Erörterung des Rauswurfes im März. Bis zur Mitgliederversammlung übernimmt Tobias Weissflog den Platz des Vorstandsvorsitzenden, an die Spitze gewählt hat ihn Aufsichtsrat Horst Gobrecht. Weissflog ist sich sicher, dass er auch gern für fünf weitere Jahre die Stelle übernehmen würde. Es lassen sich jedoch keine Prognosen über das mögliche Ergebnis der Mitgliederversammlung treffen, denn so kämpfen Befürworter und Gegner gleichwertig für ihre Standpunkte. Kleinlein setzte sich dafür ein, alte Strukturen aufzubrechen und problematische Zahlungen an das ehemalige Vorstandsmitglied Torsten Rudnik zu stoppen. Nicht zuletzt deshalb und wegen seiner spitzen Kritiken kam es zum Rauswurf.

Kleinlein macht sich für bessere Versicherungspolitik stark

Als Kolumnist beim Handelsblatt Online offenbarte Kleinlein kürzlich die Problemfelder in der Versicherungsbranche. Fünf Problemzonen stellte er dabei heraus. So verlangt Kleinlein unter anderem keine weitere Schlechterstellung bei Lebensversicherungen. Eine Minderung der Überschüsse müsse vermieden sowie eine Transparenz diesbezüglich geschaffen werden. So sollen die Beteiligungen an Bewertungsreserven bestehen bleiben und Rückkaufswerte dürfe man laut Kleinlein im Falle einer Kündigung nicht noch geringer rechnen.

Eine verstärkte Gefahr der Altersarmut sieht der Kolumnist in der ineffizienten Förderung der Riester-Rente. Die Förderung der betrieblichen Altersvorsorge verbessere diese oft gar nicht. Oft sei die Entgeltumwandlung schlechter als ein privater Vertrag. Kleinlein fordert eine Suche nach Alternativen.

Des Weiteren setzt er sich für eine bezahlbare und vernünftige Risikoabsicherung gegen Krankheit und Invalidität ein. Durch Evaluationen soll die private Versicherungswirtschaft belegen, dass sie Risikoabsicherungen beherrscht.

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Besonders die Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung, die zunehmend zu Problemen führen, kritisiert Kleinlein. Realistische Prämien und eine einkalkulierte Inflation sollen Probleme derart lösen.
Handlungsbedarf gäbe es auch in der Ausbildung und folglich dem Verkauf schlechter sowie unpassender Produkte. Leicht verständliche Kostentransparenz und Provisionen die sich nicht nur am Abverkauf orientieren sind weitere Lösungsvorschläge, um eine gute Vermittlung und Kundenbetreuung zu garantieren.
Der letzte Kritikpunkt Kleinleins geht an die Politik, von der er ein verbraucherfreundliches Umfeld und eine Stärkung des Verbraucherschutzes fordert. Kunden leiden unter Niedrigzinsen und die Aufsichtsbehörde greife oft zu spät ein. Der schärfste Versicherungs-Kritiker setzt dort an, wo besonders die Kunden sich oft im Stich gelassen fühlen. Auch in Zukunft wird sich Kleinlein weiter mit möglichen Lücken im Versicherungssystem auseinandersetzen.