Und tatsächlich ist ein Bauboom vonnöten, um den Mehrbedarf zu decken. Das Ministerium schätzt, dass zwischen 2010 und 2025 jährlich rund 183.000 neue Wohnungen gebraucht werden. Am dringendsten ist der Bedarf in den Städten Berlin, München, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Stuttgart, in einigen Landkreisen von Baden-Württemberg und Bayern.

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Am Bedarf vorbei gebaut

Ein Problem des aktuellen Bautrends ist es jedoch, dass vor allem im oberen Preissegment neue Wohnungen entstehen. So hatte der Dachverband der Wohnungswirtschaft (GDW) bereits im Juni 2012 gemahnt, dass in Großstädten am Bedarf vorbeigebaut werde. Statt preiswerter Mietwohnungen entstehen teure Luxusappartements mit Dachterrasse und Gästezimmern (der Versicherungsbote berichtete).

Ein Grund für diesen Trend ist die Energiewende, die das Bauen deutlich teurer werden lässt. Die Mehrkosten müssen die Investoren durch Aufschläge bei den Mieten wieder reinholen. "Neubau ist durch die Anforderungen an die Energieeffizienz, aber auch durch die Preise für den Baugrund und die Baukosten so teuer geworden, dass er sich in vielen Fällen nur noch im oberen Mietpreissegment rechnet", erklärte Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs-und Immobilienunternehmen.

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Die Höhe der Neumieten bestätigt diese Entwicklung. Im Jahr 2011 entstanden rund 43 Prozent aller Neubauten der GdW-Firmen im gehobenen Preissegment, so dass die durchschnittliche Kaltmiete bei 8 Euro je Quadratmeter lag. Für viele Menschen ist das nicht bezahlbar. „Es gibt besonders in einigen Ballungsregionen zu wenig Wohnungen, um auch sozial schwächer gestellte Menschen weiterhin ausreichend versorgen zu können", mahnte Gedaschko auf einer Pressekonferenz des Immobilienverbandes im Juni.