Fast jede Krankenkasse bietet Ihren Versicherten mittlerweile ein Bonusprogramm an. Damit wird gesundheitsbewusstes Verhalten oder das Absolvieren von Vorsorgemaßnahmen durch die Versicherten von der Kasse honoriert. Die meisten Kassen haben hierbei ihr eigenes Modell „gestrickt“, was die Vergleichbarkeit häufig erschwert. Am häufigsten zu finden ist das „Punktesammeln“. Hierbei hat der Versicherte ein Punktekonto und erhält für jede absolvierte Maßnahme eine bestimmte Anzahl Punkte gutgeschrieben. Dafür erhält er in der Regel ein sogenanntes „Bonusheft“, in dem die entsprechenden Maßnahmen vermerkt werden.

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Was hat man aber nun als Versicherter von den Punkten? In der Regel gibt es ab Erreichen eines bestimmten Mindestpunktwertes eine Prämie. Einige Kassen bieten Sachprämien oder Gutscheine an, viele Kassen sind aber der Meinung, dass eine Geldprämie für die Versicherten am Attraktivsten ist. Und die kann sich wirklich lohnen: Bis zu 600 Euro zahlen die Kassen im Jahr in bar aus, eine Kasse bietet sogar einen Einkaufsgutschein im Wert von 720 Euro! Im Schnitt sind bei den meisten Kassen im Jahr 100 bis 200 Euro Bonus zu erreichen.

Um zu den Punkten und damit zu den Prämien zu kommen, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, denn eine Menge Maßnahmen werden von den Kassen honoriert. Aber Achtung: Es gibt auch Maßnahmen, für die der Versicherte zwar einen Bonus erhält, deren Kosten er aber selbst tragen muss. Ein Beispiel ist hier etwa die professionelle Zahnreinigung. Typische Maßnahmen, die von den meisten Kassen bonifiziert werden sind etwa:

  • der Gesundheits-CheckUp (alle 2 Jahre, für Versicherte ab Alter 35 Jahre),
  • Krebsvorsorgeuntersuchung (Frauen ab Alter 20 Jahre, Männer ab Alter 45 Jahre),
  • Vorsorgemaßnahmen gegen Hautkrebs
  • Einhaltung aller Vorsorgeuntersuchungen bei Schwangerschaft,
  • Jährliche Zahnvorsorge,
  • Professionelle Zahnreinigung,
  • Sportliche Aktivitäten (z.B. Mitgliedschaft im Sportverein, Wander-, Schwimm- oder Sportabzeichen)
  • Normalgewicht (Body-Mass-Index im Normbereich)

In der Regel kann der Versicherte an dem Bonusprogramm auch mehrere Jahre teilnehmen, wobei es Kassen gibt, bei denen im Lauf der Teilnahmejahre die Höhe des Bonus ansteigt.

Manche der Maßnahmen (etwa einige Vorsorgeuntersuchungen) können nur alle 2 Jahre absolviert werden. Somit könnte der Versicherte eigentlich auch nur alle 2 Jahre dafür einen Bonus erhalten. Mittlerweile gibt es jedoch Kassen, die solche Maßnahmen auch jährlich berücksichtigen (sofern der Versicherte alle anderen Anforderungen erfüllt hat), obwohl der Versicherte sie nur alle 2 Jahre durchführen kann.

Um den maximalen Bonus zu erhalten, müssen Versicherte häufig auch eine bestimmte Anzahl an Maßnahmen absolviert haben. So ist es etwa bei einer großen Krankenkasse vorgeschrieben, 3 gesundheitsfördernde Maßnahmen in einem Jahr wahrzunehmen, damit der Versicherte eine Geldprämie ausgezahlt bekommt. In der Regel sind die Maßnahmen aber sehr frei kombinierbar: ausreichend ist etwa der Nachweis eines Gesundheitskurses, einer Schutzimpfung sowie sportlicher Aktivität.

Bei vielen Kassen können auch die mitversicherten Angehörigen Punkte sammeln. Manche Kassen haben hier spezielle Familien-Bonusprogramme (bei denen alle Punkte auf einem gemeinsamen Konto gesammelt werden), andere auch reine Kinder-Bonusprogramme. Für Kinder wird beispielsweise die Absolvierung der U- und J-Vorsorgeuntersuchungen bonifiziert.

Neben den Bonusprogrammen können Versicherte auch bei vielen Kassen Vorteilsprogramme für kostenbewußtes Verhalten nutzen. Hierbei reduzieren sich etwa bei der Nutzung bestimmter Generika, bestimmter Hilfsmittel oder bestimmter Hersteller von Zahnersatz die Zuzahlungen. Auch für die Nutzung bestimmter Apotheken gibt es finanzielle Vorteile.

Eine große Hilfe bieten den Versicherten Vergleichsportale wie z.B. www.gesetzlicheKrankenkassen.de bzw. www.kassensuche.de. Hier finden die Versicherten kostenfrei eine Gegenüberstellung der Leistungen der Krankenkassen und viele weitere Informationen zum Krankenversicherungssystem, zu gesetzlichen Leistungen, Zusatzversicherungen sowie Hinweise zum Kassenwechsel mit Musterschreiben. Mittels einer interaktiven Kassensuche können Nutzer aus über 70 Leistungskriterien die für sie wichtigsten Punkte auswählen. Allerdings ist es unerlässlich, sich vor einem Wechsel mit der Wunschkasse in Verbindung zu setzen und zu klären, ob der Wunsch des Versicherten mit der Wirklichkeit bei der Kasse übereinstimmt. Denn oftmals steckt der Teufel im Detail.

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Im nächsten Teil unserer Serie geht es dann um die Integrierte Versorgung.

Juli 2012, Thomas Adolph & Matthias Eislöffel