Es ist eine Nachricht, die Datenschützern nicht gefällt: Die Wirtschaftsauskunftsdatei Schufa will zukünftig bei Facebook und anderen Online-Quellen Daten sammeln. Dies berichten heute übereinstimmend NDR Info und Welt Online. Das Wiesbadener Unternehmen habe ein gemeinsames Projekt mit dem Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam (HPI) angestoßen, um Vorschläge zu entwickeln, wie die Daten von Internetnutzern ausgespäht werden können.

Anzeige  

 

Die Pläne der Schufa sind tatsächlich heikel. Laut internen Dokumenten sei geplant, Kontakte von Facebook-Mitgliedern auszuwerten, um Aussagen über die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern zu treffen. Zudem sei eine Analyse von Textdaten denkbar, um „ein aktuelles Meinungsbild zu einer Person zu ermitteln“.

Doch damit nicht genug: Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie die Schufa über eigene Facebook-Profile oder Nachrichtendienste wie Twitter verdeckt an „Adressen und insbesondere Adressänderungen“ von Nutzern gelangen kann. Angedacht sei zudem die „automatisierte Identifikation von Personen öffentlichen Interesses, Verbraucherschützern und Journalisten“. Neben Social-Media-Angeboten sollen auch Online-Dienste wie Google Street View ausgewertet werden.

Die Schufa, Abkürzung für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“, ist eine privatwirtschaftliche Gemeinschaftseinrichtung, die dem Zweck dient, ihre Vertragspartner vor Kreditausfällen zu schützen. Unternehmen können dort Auskünfte über Privatpersonen einholen, ob sie verschuldet oder in Geldnöten sind. Die Auskunftei hat derzeit rund 479 Millionen Einzeldaten von über 66 Millionen Verbrauchern gespeichert. Als wichtigste Informationsquelle dienten der Schufa bisher die Daten ihrer Vertragspartner, vor allem von Banken, Versicherungen und Händlern. Jedes Mitglied ist verpflichtet, die Daten über Kreditgewährungen und -ablehnungen an die Schufa weiterzugeben.

Schufa sieht kein datenschutzrechtliches Problem

Vertreter der Schufa und des Plattner-Institutes räumten gegenüber NDR Info ein, dass es seit dem 01.April 2012 ein entsprechendes Forschungsprojekt unter dem Namen „Schufa-Lab@HPI“ gebe. Doch ein datenschutzrechtliches Problem sehen die Forscher nicht. In den zitierten Dokumenten seien lediglich die Ergebnisse von Gesprächen zwischen der Schufa und dem HPI-Fachgebiet „Informationssysteme“ gesammelt worden. Es handle sich bei dem Projekt um „Grundlagenforschung“, die man nach „höchsten ethischen Maßstäben“ betreibe. Die Schufa wolle herausfinden, welche Konsequenzen die technologischen Entwicklungen des Internets für die eigene wirtschaftliche Existenz habe – Eine Veröffentlichung der Ergebnisse sei für September geplant.

Weitaus problematischer schätzen jedoch Datenschützer die Pläne ein. „Sollte die Schufa die gewonnenen Daten tatsächlich einsetzen, wäre das eine völlig neue Dimension“, sagte der schleswig-holsteinische Landesdatenschutzbeauftragte Thilo Weichert gegenüber NDR Info. Er zweifle daran, dass eine Umsetzung des Projektes rechtlich überhaupt haltbar sei. Ähnlich äußerte sich Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Wenn diese sehr privaten und persönlichen Datensammlungen wie Facebook von der Schufa zusammengeführt und ausgenutzt werden, dann wird es hochgefährlich." Castello sprach von einer "Grenzüberschreitung“.

Anzeige  

 

Auch in der Politik stoßen die Pläne auf wenig Gegenliebe. "Hier dringt ein Unternehmen um des Wettbewerbs willen in Bereiche ein, in denen es nichts zu suchen hat", sagte Bayerns Justiz- und Verbraucherschutzministerin Beate Merk (CSU) am Donnerstag laut einer Mitteilung. Wenn die Schufa private Facebook-Daten für wirtschaftliche Zwecke nutzen wolle, bedeute dies einen klaren Missbrauch.

Mirko Wenig