Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretende Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, bestätigte die aktuellen Pläne. "Wir wollen endlich Transparenz bei den Zahnarztrechnungen", sagte er der Süddeutschen Zeitung. In den vergangenen Jahren wurden Kosten immer mehr auf dem Rücken der Patienten abgewälzt. Deshalb wollen die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) nun auch den Teil der Rechnung kontrollieren, den die Versicherten zahlen müssen. Das geht aus einem Positionspapier des Spitzenverbandes der Kassen hervor, das Ende März beschlossen wurde.

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In Deutschland gibt es derzeit etwa 54.000 Zahnärzte. Diese sollen nun verstärkt überprüft werden. Anschließend will man ein neues Abrechnungssystem aufbauen. So soll ein eigener Preiskatalog für die Zuzahlungen der gesetzlich Versicherten entwickelt werden. Damit könnten die Preise für die Zuzahlungen für eine Krone oder eine Brücke erheblich gesenkt werden. Bis dato rechnen die Zahnärzte die Zuzahlungen der Patienten über die Gebührenordnung der privaten Versicherer ab.

Laut einer Studie der Ersatzkrankenkassen wurden 2009 etwa 76 Prozent aller Zahnersatzleistungen über die private Gebührenordnung ab. Kassenpatienten finanzierten so oft den größeren Teil der Zahnersatzkosten aus der eigenen Tasche. Dabei sind die Kosten teilweise höher als im Kostenvoranschlag ausgewiesen. Meist sind die Kosten für die Behandlung für den Patienten zu undurchsichtig. Damit zogen die Zahnärzte in den vergangenen Jahren häufiger den Unmut ihrer Patienten auf sich.

Den Grundstein für diese Entwicklung hatte die rot-grüne Koalition 2005 gelegt. Was damals als Sparmaßnahme gedacht war, kommt nun wie ein Boomerang zurück. Mit dem Festzuschuss beim Zahnarzt wollte man nur noch die Standardversorgung finanzieren. So wird zum Beispiel bei einer Brücke oder einer Krone in etwa die Hälfte der Kosten getragen. Aufwendigere Behandlung, wie Inlays oder Keramikfüllungen, werden über privaten Gebührenordnung berechnet und somit voll vom Patienten bezahlt.

Rechnungen wie böhmische Dörfer

Stackelberg weiß wo das Problem liegt: "Das heutige System ist intransparent und lässt die Versicherten mit der privaten Rechnung für den Zahnersatz alleine. Die Kassen bezahlen den Festzuschuss, aber die tatsächliche Rechnung, die der Patient für den privaten Anteil erhält, sehen sie nie.". Der Patient könne jedoch nicht beurteilen in wiefern die Rechnung faktisch richtig oder eher überzogen erstellt ist und ob die Behandlung tatsächlich angemessen ist. Patienten fühlten sich diesbezüglich oft alleingelassen und überfordert. Dem will der GKV-Spitzenverband Abhilfe leisten. Stackelberg forderte die Kassen auf dem Patienten bei der Prüfung der Rechnung zu helfen und auch den Patientenanteil zu checken.

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Unklar ist, wie die zusätzliche Aufgabe der Krankenkassen finanziert wird. Denkbar wäre eine Finanzierung über eine Anhebung der Krankenkassenbeiträge. Ob das am Ende für den Patienten günstiger wird, ist fraglich. Für mehr Transparenz wird auf jeden Fall gesorgt und auch die Chancen den Verbraucher übers Ohr zu hauen schwindet zusehends.