Dem neunköpfigen Ermittlerteam gelang es, 589 neue Fälle aufzudecken. Insgesamt haben die Spezialisten in den letzten elf Jahren fast 10.000 Fälle aufgegriffen. „Leider kommt es längst nicht in allen Fällen zu einer adäquaten Strafverfolgung“, sagt KKH-Allianz Chef Ingo Kailuweit. „Häufig sind die Ermittlungsbehörden personell nicht gut genug ausgestattet, um in einem derart komplexen Themengebiet ihrer Arbeit bestmöglich nachzugehen. Außerdem mangelt es zu oft an Spezialwissen.“

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Neben mehr Ressourcen schlägt Kailuweit daher bundesweite Fortbildungsangebote vor, um Staatsanwälten tiefer gehende Fachkenntnisse in dem Bereich „Betrug im Gesundheitswesen“ zu ermöglichen. Ein weiterer Schlüssel zur Bekämpfung von Abrechnungsbetrug liegt aus Kailuweits Sicht in größerer Transparenz: Versicherten sollte in Zukunft nicht nur auf Antrag sondern unaufgefordert eine Patientenquittung zur Verfügung gestellt werden.

„Die Zahlen der KKH-Allianz sind nur die Spitze des Eisberges“, erläutert Dr. Anke Martiny, Vorstandsmitglied der Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland e.V. „Neben den klassischen Betrugsdelikten führt immer wieder die unzulässige Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern dazu, dass im Gesundheitssystem ein hoher volkswirtschaftlicher Schaden entsteht. Hier stehen bei der Verfolgung auch die Organisationen der ärztlichen und pharmazeutischen Selbstverwaltung in der Pflicht.

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Transparency International Deutschland folgt in seiner Einschätzung des Gesamtschadens der Analyse des European Healthcare Fraud and Corruption Networks EHFCN, das von einer Summe von 13,5 Milliarden Euro jährlich für Deutschland ausgeht.