Jeder Fünfte sehe sich Testberichte über Krankenkassen an, 67 Prozent lesen Artikel, in denen zusätzliche Leistungen und Services propagiert werden. Für 50 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass die eigene Kasse dabei gut wegkommt. Gütesiegel sollen die Wahl der Kasse gar mehr beeinflussen als die Empfehlung von Bekannten - bei den „richtigen Gütesiegeln“, so das IGES-Institut.

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Gütesiegel, wohin man klickt

Dass die Anbieter reichlich von den Gütesiegeln Gebrauch machen, wird schon bei wenigen Stichproben deutlich. Auf der Startseite der Techniker Krankenkasse prangen Testurteile von FocusMoney und der Stiftung Warentest. Die AOK Bayern wirbt mit dem 1. Rang bei Öko-Test. Auch die privaten Versicherer, etwa die Gothaer, machen sich die Gütesiegel zu nutze - ein „sehr gut“ für den Kundenservice von der Agentur „Service-Rating“. Axa hat in jeder Versicherungssparte TOP-Bewertungen - na gut, hier ist kein TÜV-Zertifikat bei der Krankenversicherung zu sehen, doch dies wird durch jede Menge Morgen&Morgen-Ratings und FocusMoney-Urteile kaum wahrnehmbar. Irgendwie wirbt auch lediglich die Central-Krankenversicherung mit dem TÜV-Zertifikat „Betreuungsqualität für Makler“ - eben jener Anbieter, der die Zusammenarbeit mit Maklern kürzlich aufgekündigt hat. Doch wann welcher TÜV eigentlich was zertifiziert, bleibt beim Blick auf die Homepage der Versicherer undurchsichtig.

Gütesiegel aller Art, soviele wie möglich - und die IGES-Studie bescheinigt: Es wirkt! Doch welchen der vielen Top-Bewertungen soll man als Kunde nun Glauben schenken?

Auch Gütesiegel sind Marken

Die Stiftung Warentest nimmt auf der Skala der „vertrauenswürdigen“ Tester einen hohen Rang ein. Die Institution, 1964 durch einen Beschluss der Bundesregierung ins Leben gerufen, finanziert sich durch die Herausgabe ihrer Zeitschrift „test“, ihren Internetauftritt sowie finanziellen Mitteln von der Bundesregierung. Die Unabhängigkeit ihrer Untersuchungen ist per Satzung festgelegt: „Die Stiftung ist selbstlos tätig; sie verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke. Zweck der Stiftung ist die Förderung von Verbraucherschutz. [...] Der Stiftung obliegt nicht die politische Vertretung von Verbraucherinteressen.“ heißt es dort (Auszüge aus §2, Sätze 1,2).

Institute, die im Auftrag der Stiftung Warentest Produkte überprüfen, dürfen zudem auch nicht in enger Beziehung zu einem Anbieter oder Hersteller stehen und haben eine entsprechende Neutralitätsverpflichtung abzugeben. Bei soviel Unabhängiger Testerei verwundert es um so mehr, wenn Deutschlands angesehenster Verbraucherschützer eine Kooperation mit dem Hamburger Abendblatt, einer Zeitung des Axel-Springer-Verlags, eingeht. Das Boulevardmagazin aus dem Norden veröffentlicht Testergebnisse der Verbraucherschützer, dafür wird Abonnenten ein Rabatt für die test.de-Flatrate gewährt.

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Dass solche Zusammenarbeiten zwischen anderen Verlagskonkurrenten und scheinbar unabhängigen Verbraucherschützern künftig wachsen werden, ist zu erwarten. Nur einmal angenommen, der Zeitverlag würde nun plötzlich vor allem TÜV-Zertifikate publizieren oder die taz lediglich Öko-Test-Urteile drucken: Inwiefern kann man da noch von einem unabhängigem Journalismus sprechen?

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