320 Milliarden US-Dollar Schaden durch Naturkatastrophen weltweit im Jahr 2024, davon laut Munich Re nur rund 140 Milliarden versichert: Diese Differenz zeigt die Größenordnung der Schutzlücke. Der nicht versicherte Teil verschwindet nicht. Die Kosten dafür tragen am Ende Unternehmen, Eigentümer, Finanzierer oder die öffentliche Hand.. Wie real dieses Muster auch hierzulande ist, zeigte die Flutkatastrophe 2021: Bis 2024 hatte die Versicherungswirtschaft laut GDV rund 7,5 Milliarden Euro an Schäden reguliert. Gleichzeitig wurde das staatliche Sondervermögen „Aufbauhilfe 2021“ mit bis zu 30 Milliarden Euro ausgestattet.

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Daran wird sichtbar, was Schutzlücken bedeuten. Greift die Versicherung, ist der Wiederaufbau finanziell gesichert. Greift sie nicht, bleibt oft nur ein Mix aus eigenen Rücklagen, verschobenen Investitionen, frischem Kapital oder staatlicher Hilfe.. Selbsttragung ist dabei keine Notlösung. Sie kann Teil eines professionellen Risikomanagements sein. Problematisch wird es, wenn sich erst im Schadenfall zeigt, dass eigene Mittel, Prävention oder Versicherungsschutz nicht ausreichen.

Wie Industrieversicherung große Schäden tragbar macht

Indem viele Unternehmen gemeinsam ins Kollektiv einzahlen, wird ein einzelner Großschaden für das betroffene Unternehmen finanziell beherrschbar.. Das wirkt nicht erst im Schadenfall. Weil kein Unternehmen ein Extremereignis komplett aus eigener Kraft stemmen muss, lassen sich Investitionen, Standortentscheidungen und Lieferverträge überhaupt erst planen.. Für Kunden, Lieferanten und Beschäftigte bedeutet das, dass ein Großschaden seltener zu einem langen Ausfall führt. Für öffentliche Haushalte bedeutet es, dass nicht jeder große Schaden nachträglich über Hilfsprogramme aufgefangen werden muss.

Besonders sichtbar wird diese Funktion, wenn ein Betrieb nach einem Schaden nicht mehr produzieren oder liefern kann. Einnahmen fehlen, während Löhne, Mieten, Kredite, IT-Verträge und Wiederaufbaukosten weiterlaufen. Gleichzeitig müssen Ersatzflächen organisiert, Lieferzusagen angepasst oder Kundenbeziehungen stabilisiert werden. Dann entscheidet sich, ob ein Schaden nur teuer ist oder ob er die Handlungsfähigkeit des Unternehmens gefährdet.

Wie schnell ein lokaler Schaden internationale Folgen haben kann, zeigte die Thailand-Flut 2011. Als Werke von Western Digital, Toshiba und wichtigen Zulieferern überflutet wurden, fehlten weltweit Festplatten für Computer und Server. Rund 41 Prozent aller weltweit produzierten Festplatten kamen damals aus Thailand, wie die Bank of Thailand ausweist. Swiss Re taxierte den wirtschaftlichen Gesamtschaden auf 46 Milliarden US-Dollar, nur rund 15 Milliarden davon waren versichert.

Cyber macht Resilienz zur Pflichtaufgabe

Bei Cyberrisiken zeigt sich derselbe wirtschaftliche Zusammenhang, nur mit anderer Ursache. Fallen Produktionssteuerung, Warenwirtschaft oder Kommunikation aus, stocken Aufträge, Lieferungen und Rechnungsstellung, während Kosten weiterlaufen. Die Bitkom-Studie Wirtschaftsschutz 2025 beziffert den deutschen Schaden durch Datendiebstahl, Spionage und Sabotage auf 289,2 Milliarden Euro; 87 Prozent der befragten Unternehmen waren betroffen oder vermuteten Angriffe.

Mit DORA, NIS2 und dem Cyber Resilience Act reagiert die Regulierung genau auf diese Verwundbarkeit. Unternehmen sollen ihre Abhängigkeiten kennen, Störungen beherrschen und ihre Widerstandsfähigkeit nachweisen können. Für die Industrieversicherung ist das zentral: Je besser Risiken, Schutzmaßnahmen und Wiederanlaufprozesse beschrieben sind, desto besser lassen sie sich bewerten, reduzieren und versichern.

Wer trägt was?

Nicht jedes Risiko braucht mehr Versicherungsschutz. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen sein Risiko bewusst selbst tragen kann, es durch Prävention senkt oder an den Versicherungsmarkt überträgt. Genau diese Entscheidung scheitert oft an der Datenlage. Standortdaten, Schadenhistorien, Brandschutzberichte oder IT-Sicherheitskonzepte sind in vielen Fällen vorhanden, aber veraltet, uneinheitlich oder über verschiedene Stellen verstreut. Ohne gemeinsame Struktur bleibt daraus ein Dokumentenstapel, kein Risikobild.

Standardisierung setzt genau dort an. Sie soll Risiken nicht über einen Kamm scheren. Sie soll helfen, Risiken besser zu beschreiben, zu verstehen und zu bewerten. Versicherer können Kapazität gezielter einsetzen, wenn sie ein belastbares Bild des Risikos haben. Unternehmen können bewusster entscheiden, was sie selbst tragen und wo Prävention wirkt. Makler erhalten eine bessere Grundlage für Beratung und Platzierung, statt nur Unterlagen zwischen den Parteien weiterzureichen.

Auch auf europäischer Ebene wird in diese Richtung gedacht. EIOPA und die EZB plädieren dafür, privaten Risikotransfer, öffentliche Rückdeckung und Prävention nicht getrennt, sondern als Gesamtsystem zu betrachten. Dieser Gedanke lässt sich direkt auf die Industrieversicherung übertragen: Je früher Risiken verstanden und gesteuert werden, desto kleiner wird die Lücke, die am Ende jemand bezahlen muss.

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