Nachhaltigkeit ist längst ein wichtiges Verkaufsargument für Versicherungen, Fonds und Altersvorsorgeprodukte. Doch was genau hinter Begriffen wie „grün“, „klimafreundlich“ oder „umweltgerecht“ steckt, blieb für Verbraucher bislang oft schwer nachvollziehbar. Das soll sich künftig ändern. Mit der sogenannten EmpCo-Richtlinie verschärft der Gesetzgeber die Anforderungen an Nachhaltigkeitsaussagen deutlich. Für Versicherer, Finanzdienstleister und Vermittler könnte das weitreichende Folgen haben, erklärt Stephen Rehmke, Vorstand beim Bund der Versicherten (BdV), in einem Interview.

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Demnach trifft die Regulierung auf einen Markt, in dem das Interesse an nachhaltigen Geldanlagen zwar vorhanden ist, gleichzeitig aber erhebliche Vertrauensprobleme bestehen. „Es gibt ein anhaltendes Interesse von Verbraucherinnen und Verbrauchern, mit den Beiträgen zu Versicherungen oder der Altersvorsorge umwelt- und klimapolitische Ziele zu fördern oder soziale und ethische Aspekte zu stärken“, sagt Rehmke. Gleichzeitig bleibe die tatsächliche Nachfrage hinter den Erwartungen zurück. Zwar interessiere sich ein großer Teil der Bevölkerung für nachhaltige Investments, tatsächlich habe jedoch nur ein vergleichsweise kleiner Teil entsprechende Produkte im Portfolio.

Nach Einschätzung des Verbraucherschützers liegt das nicht nur an unterschiedlichen Vorstellungen darüber, was Nachhaltigkeit überhaupt bedeutet. Auch mangelnde Transparenz und irreführende Werbeaussagen bremsen die Nachfrage. „Der eigentliche Bremser der Nachfrage ist vermutlich das auch in der Finanzbranche stark zu beobachtende Greenwashing“, so Rehmke.

Denn Anbieter konnten bislang weitgehend selbst definieren, welche Kriterien sie als nachhaltig einstufen. Zwar existieren inzwischen regulatorische Rahmenwerke, doch für Verbraucher bleibe es häufig schwierig, die tatsächliche Nachhaltigkeitswirkung eines Produkts zu beurteilen. Der BdV-Vorstand verweist darauf, dass viele Anleger unsicher seien, ob nachhaltige Investments tatsächlich ihren Erwartungen entsprechen oder möglicherweise sogar Renditenachteile mit sich bringen. Hinzu komme, dass manche Anbieter Nachhaltigkeitsversprechen nutzten, um Risiken zu verschleiern oder höhere Gebühren zu rechtfertigen.

Mit der EmpCo-Richtlinie soll sich das ändern. Die neuen Vorgaben treten Ende September 2026 in Kraft und verschärfen die Anforderungen an umwelt- und nachhaltigkeitsbezogene Werbung erheblich. Künftig müssen Unternehmen Aussagen wie „grün“, „ökologisch“, „umweltfreundlich“ oder „klimafreundlich“ konkret belegen können. Dabei beschränkt sich die Regelung nicht nur auf Werbetexte. Auch Bilder, Symbole, Logos oder Produktnamen können unter die strengeren Anforderungen fallen.

Besonders einschneidend dürften die neuen Regeln für Nachhaltigkeitssiegel werden. Diese dürfen künftig nur noch verwendet werden, wenn sie auf anerkannten Zertifizierungssystemen beruhen oder staatlich festgelegt wurden. Selbst entwickelte Labels oder Eigenzertifikate werden damit weitgehend aus dem Markt verschwinden. „Bezeichnungen wie ‚ökologisch‘, ‚grün‘ oder ‚klimafreundlich‘ müssen künftig unterlegt werden und Siegel oder auch Awards dürfen nur noch verwendet werden, wenn dahinter auch eine anerkannte Zertifizierung steckt“, erklärt Rehmke.

Die strengeren Vorgaben könnten auch vertriebsrechtliche Konsequenzen haben. Werden Produkte künftig anders bewertet oder verlieren sie ihren Nachhaltigkeitsstatus, könnten sich Fragen zur bisherigen Beratungspraxis stellen. „Wenn ein Produkt empfohlen worden ist, das nicht den beim Kunden nachgefragten Nachhaltigkeitspräferenzen entsprochen hat, stellt das einen Beratungsfehler dar“, warnt Rehmke. Aus seiner Sicht könnten daraus im Einzelfall Rückabwicklungs- oder Schadenersatzansprüche entstehen. Auch Vermittler müssten künftig stärker darauf achten, dass empfohlene Produkte tatsächlich den dokumentierten Nachhaltigkeitswünschen ihrer Kunden entsprechen.

Für die Versicherungs- und Finanzwirtschaft werden die kommenden Monate zur Nagelprobe. Die neuen Vorgaben sollen nicht nur irreführende Werbung eindämmen, sondern auch das Vertrauen der Verbraucher in nachhaltige Finanzprodukte stärken. „Wir werden zunächst gut beobachten können, wie ernst es der Finanzbranche tatsächlich mit der Nachhaltigkeit und einem ESG-konformen Verhalten ist“, sagt Rehmke.