Sanierung im Wandel: steigende Komplexität, steigende Erwartungen

Extremwetter, dichtere Bebauung und technisch anspruchsvollere Gebäude machen Schäden häufiger und komplexer. Leitungswasser bleibt ein Massenthema, Elementarschäden bringen Volumen, Zeitdruck und deutlich mehr Abstimmung. Mit jedem zusätzlichen Beteiligten steigt das Risiko für Reibungsverluste.

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Damit gewinnt die erste Schadenaufnahme an Bedeutung: Sie entscheidet, ob Angebote belastbar sind, Ressourcen richtig geplant werden und Kommunikation verlässlich bleibt. Fehlen Raumbezug, Aufmaß oder klare Einordnung, entstehen Rückfragen, zusätzliche Abstimmungen und Verzögerungen im weiteren Prozess.

Digitalisierung und Dokumentation als strategischer Hebel

Die Digitalisierung ist in der Sanierung längst Teil des Arbeitsalltags. Mobile Endgeräte, Fotodokumentation, digitale Auftragsübermittlung oder erste Workflow-Lösungen sind vielerorts etabliert. Dennoch zeigt der Blick in die Praxis, dass Prozesse häufig fragmentiert bleiben. Integrierte, durchgängige Projektplattformen sind in der Branche bislang nur begrenzt etabliert.

„Wir arbeiten in der Sanierung seit vielen Jahren digital – auf der Baustelle, im Projektmanagement und in der Kommunikation. Die aktuelle Entwicklung ist für uns deshalb kein Neustart, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. Entscheidend ist, bestehende digitale Arbeitsweisen stärker zusammenzuführen: von der systematischen Aufnahme des Schadens über die fachliche Einordnung der Informationen bis zur Ableitung der notwendigen Leistungen. So werden Informationen durchgängig, einheitlich und für alle Projektbeteiligten nachvollziehbar verfügbar“
, sagt Olaf Arns, Geschäftsführer Sprint Sanierung GmbH.

Olaf Arns ist Geschäftsführer der Sprint Sanierung GmbH. Dort trägt er Führungsverantwortung für bis zu 1.500 Mitarbeiter und verantwortet ein Geschäftsvolumen von 270 Millionen Euro. Branchenerfahrung bringt er aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Bauindustrie sowie aus Strategieberatung und Interimsmanagement mit.Olaf Arns ist Geschäftsführer der Sprint Sanierung GmbH. Dort trägt er Führungsverantwortung für bis zu 1.500 Mitarbeiter und verantwortet ein Geschäftsvolumen von 270 Millionen Euro. Branchenerfahrung bringt er aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Bauindustrie sowie aus Strategieberatung und Interimsmanagement mit.Sprint Sanierung GmbH

Komplexität in Sanierungsprojekten entstehen häufig dort, wo Informationen auf der Baustelle erhoben, später zusammengetragen oder in unterschiedlichen Systemen abgelegt werden. Steuerungsrelevant wird Dokumentation erst, wenn Informationen fachlich strukturiert sind und in einen Kontext gesetzt werden: durch die Verknüpfung von Schadenbildern, Raumbezug, Aufmaß, erforderlichen Maßnahmen, betroffenen Gewerken und dem weiteren Bearbeitungsstand. Dokumentationsqualität, Datenkonsistenz und kollaborative Zusammenarbeit werden zu zentralen Erfolgsfaktoren – sowohl für Sanierer als auch für Versicherer.

Dokumentation entwickelt sich damit vom reinen Nachweis zum Steuerungsinstrument. Sie unterstützt Entscheidungen zu Leistungen, Abhängigkeiten, Freigaben und Zuständigkeiten und reduziert Reibung im weiteren Projektverlauf. Digitale Lösungen sind hierbei kein operatives Hilfsmittel, sondern ein strategischer Hebel.

„In vielen Digitalisierungsprojekten zeigt sich, dass die Bündelung vorhandener Technologie die größte Herausforderung darstellt. Daten entstehen im Schaden an vielen Stellen. Entscheidend ist, sie so zu erfassen und zu verknüpfen, dass sie für alle Beteiligten nutzbar werden. Genau darin liegt der strategische Hebel für die Weiterentwicklung des Schadenökosystems“, unterstreicht 
Michael Rodenberg, Geschäftsführer Verisk Property GmbH.

Michael Rodenberg ist Experte für digitale und automatisierte Prozesse im Schadenmanagement. Seit April 2023 verantwortet er als Geschäftsführer bei Verisk Property den Geschäftsbereich des Gebäudeschadenmanagements.Michael Rodenberg ist Experte für digitale und automatisierte Prozesse im Schadenmanagement. Seit April 2023 verantwortet er als Geschäftsführer bei Verisk Property den Geschäftsbereich des Gebäudeschadenmanagements.Verisk Property GmbH

Erkenntnisse aus ersten Digitalisierungsinitiativen

Erste Initiativen in der Sanierungsbranche zeigen klar: Der größte Hebel liegt in der strukturierten Abbildung des gesamten Sanierungsprozesses. Erfolgreiche Ansätze zeichnen sich durch vier Faktoren aus:

  • Standardisierung bei gleichzeitiger Flexibilität, um unterschiedliche Schadenarten und Kundenanforderungen abzubilden
  • Zentrale Verfügbarkeit aller Projektinformationen, nachvollziehbar und revisionssicher
  • Entlastung der operativen Teams, insbesondere durch mobile Datenerfassung und reduzierte Nachbearbeitung
  • Offenheit für Integration, um bestehende Systeme und Partner einzubinden

Gerade für Versicherer ist das, insbesondere bei komplexen Schadenlagen und Massenschäden, entscheidend: Je früher Umfang, Komplexität und Kostentreiber transparent sind, desto besser lassen sich Kundenerwartungen, Dienstleisterkapazitäten und Wirtschaftlichkeit steuern.

Praxisbeispiele zeigen, dass strukturierte, mobile Datenerfassung insbesondere dann wirksam ist, wenn Sanierer frühzeitig in die Prozessgestaltung eingebunden sind. In diesem Kontext entstand auch Rocket Repair als gemeinsames Entwicklungsprojekt von Verisk und Sprint, um bestehende digitale Arbeitsweisen in der Sanierung strukturiert zusammenzuführen und entlang des tatsächlichen Projektablaufs nutzbar zu machen.

Konsequente Weiterentwicklung statt disruptiver Bruch

Die aktuellen Entwicklungen zielen darauf ab, Komplexität im Schadenprozess beherrschbar zu machen – durch klare Strukturen, transparente Prozesse und belastbare Daten. Entscheidend ist, Informationen dort zu erfassen, wo sie entstehen, sie fachlich richtig einzuordnen und für die weitere Bearbeitung nutzbar zu machen – für Außendienst, Innendienst, Versicherer und weitere Beteiligte. Digitale Struktur entsteht dort, wo Technologieanbieter und Sanierer ihre Perspektiven frühzeitig zusammenbringen. So entstehen Lösungen, die Effizienz schaffen, operative Teams entlasten und die zentrale Rolle der Sanierungsbranche im Schadenökosystem weiter stärken: als verlässlicher Partner, der Qualität liefert und Erwartungen erfüllt.