Denn das Altersvorsorgedepot soll nach bisherigem Stand gerade kein freies Privatdepot des Bürgers werden. Der Staat wird die Depots nicht selbst führen. Stattdessen sollen Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften und Finanzdienstleister die Produkte anbieten und verwalten. Das Depot wird also voraussichtlich in zertifizierte Vorsorgeverträge eingebunden sein, die staatlichen Regeln und steuerlichen Vorgaben unterliegen.

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Damit droht die Wiederholung eines alten Problems. Sobald komplexe Vertriebs- und Verwaltungsstrukturen zwischen Bürger und Kapital geschaltet werden, entstehen Kosteninteressen. Genau an diesem Punkt entscheidet sich jedoch, ob private Altersvorsorge überhaupt sinnvoll funktionieren kann. Es funktioniert nicht.

Langfristiger Vermögensaufbau braucht vor allem niedrige Kosten. Wenn künftig erneut Abschlussprovisionen, Vertriebsvergütungen, Verwaltungspauschalen und institutionelle Gebührenstrukturen große Teile der Rendite abschöpfen, verliert das gesamte Konzept seine Glaubwürdigkeit. Dann entsteht erneut ein System, in dem der Bürger jahrzehntelang spart, während Finanzinstitutionen kontinuierlich mitverdienen, unabhängig davon, wie hoch die reale Kaufkraft des späteren Vermögens tatsächlich noch ist.

Gerade deshalb wird die zentrale politische Frage bislang kaum offen diskutiert. Warum dürfen provisionsgetriebene Vertriebssysteme überhaupt Teil staatlich geförderter Altersvorsorge sein?

Wenn Altersvorsorge gesellschaftlich erwünscht ist, dann müsste sie so effizient wie möglich organisiert werden. Das würde bedeuten, dass nur minimale Verwaltungskosten zulässig wären, ähnlich wie bei kostengünstigen ETF-Strukturen. Hohe Abschlussprovisionen und aggressive Vertriebssysteme widersprechen dagegen dem eigentlichen Zweck langfristiger Vermögensbildung. Denn Provisionen belohnen nicht die Qualität der Vorsorge, sondern in erster Linie den Verkauf des Produkts.

Genau dadurch entstand bereits bei vielen Riester- und Lebensversicherungsverträgen ein Markt, in dem Vertriebsinteressen häufig wichtiger wirkten als langfristiger Vermögensaufbau. Ein modernes Altersvorsorgedepot hätte deshalb nur dann gesellschaftliche Legitimation, wenn Kosten strikt begrenzt und provisionsgetriebene Modelle weitgehend ausgeschlossen würden. Andernfalls droht die Wiederholung eines Systems, das bereits in der Vergangenheit erhebliches Vertrauen zerstört hat.

Der Bürger trägt das Risiko

Dabei bleibt ein grundlegender Widerspruch bestehen. Der Bürger trägt heute fast das gesamte Risiko selbst. Er trägt das Kapitalmarktrisiko, das Inflationsrisiko, das politische Risiko und das Risiko zukünftiger Steueränderungen. Gleichzeitig bleibt das Kapital steuerlich reguliert, zweckgebunden, institutionell verwaltet und an staatliche Vorgaben gekoppelt.

Der Bürger übernimmt also die Verantwortung eines privaten Investors ohne vollständig die Freiheit eines privaten Investors zu besitzen. Eine Art Entmündigung, oder?

Ein normales Depot gehört dem Anleger unmittelbar. Er kann frei verfügen, flexibel entnehmen, vererben oder umschichten. Ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot dagegen bleibt an Bedingungen geknüpft. Auszahlungsalter, Förderbedingungen, Besteuerung und regulatorische Vorgaben. Genau dieser Unterschied erzeugt das wachsende Misstrauen vieler Bürger.

Die Vertrauensfrage

Nicht die Besteuerung allein zerstört das Vertrauen. Auch nicht allein Inflation oder Kapitalmarktrisiken. Entscheidend ist das Gefühl, dass private Altersvorsorge in Deutschland häufig weniger als echtes Eigentumsmodell verstanden wird, sondern vielmehr als langfristig reguliertes Finanzprodukt innerhalb eines institutionellen Systems, das zahlreiche Beteiligte finanziert, vom Vertrieb über die Verwaltung bis hin zur späteren Besteuerung.

Dabei wäre Altersvorsorge eigentlich etwas zutiefst Einfaches. Menschen verzichten jahrzehntelang auf Konsum, um im Alter Sicherheit zu besitzen. Je länger dieser Verzicht dauert, desto größer müsste eigentlich der Schutz dieses Vermögens sein. Stattdessen entsteht zunehmend der Eindruck, dass nahezu jede Stufe der Vorsorge politisch, steuerlich oder institutionell belastet wird.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr nur, ob Bürger privat vorsorgen sollen. Sondern unter welchen Bedingungen private Vorsorge überhaupt noch Vertrauen verdient. Denn ein System, das Risiko vollständig privatisiert, Kosten institutionalisiert und spätere Besteuerung dauerhaft garantiert, läuft Gefahr, genau das zu verlieren, worauf jede Altersvorsorge angewiesen ist. Den Glauben der Menschen daran, dass sich jahrzehntelanges Sparen am Ende in dieser Form tatsächlich lohnt.

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