Pflegezusatzversicherung ist viel günstiger als gedacht
Eine Pflegebedürftigkeit kann schnell zur finanziellen Belastung werden. Eine aktuelle Studie zeigt deutliche Versorgungslücken und regionale Unterschiede. Gleichzeitig werden die Kosten einer Pflegezusatzversicherung von vielen Verbrauchern überschätzt.

Die finanzielle Belastung im Pflegefall bleibt für viele Menschen in Deutschland erheblich. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Ratingagentur Assekurata. Demnach liegt der durchschnittliche Eigenanteil bei stationärer Pflege inzwischen bei rund 3.500 Euro pro Monat.
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Besonders auffällig sind laut Studie die regionalen Unterschiede. Während die monatliche Pflegelücke in Sachsen-Anhalt bei 2.973 Euro liegt, steigt sie in Baden-Württemberg auf 3.907 Euro. Ursache sind unterschiedlich hohe Heimkosten, während die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung bundesweit gleich geregelt sind. Assekurata spricht deshalb von einer „sehr hohen Abhängigkeit vom Wohnort“.
Zwar werden rund 84 Prozent aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt, doch auch dort entstehen finanzielle Belastungen. Bei professioneller ambulanter Pflege liegt die Versorgungslücke laut Studie – je nach Pflegegrad – durchschnittlich zwischen 375 Euro und 2.100 Euro monatlich. Vor allem dann, wenn Angehörige Unterstützung durch Pflegedienste benötigen, kann dies schnell teuer werden.
Zumal die durchschnittliche Dauer der Pflegebedürftigkeit bei fünf Jahren liegt, wenn sie erstmalig ab dem 60. Lebensjahr eintritt. Das geht aus dem Barmer Pflegereport 2024 hervor. Bei einem zweijährigen Aufenthalt im Pflegeheim, beläuft sich der zu zahlende durchschnittliche Eigenanteil inklusive staatlicher Zuschüsse auf 73.362 Euro. Hinzu können Kosten für eine etwaige vorhergehende ambulante Pflege kommen.
Damit rückt ein Thema in den Fokus, das oft verdrängt wird. Wer pflegebedürftig wird, muss trotz gesetzlicher Pflegeversicherung häufig tief in die eigene Tasche greifen. Aktuell verfügen nur rund 4,5 Millionen Menschen über eine private Zusatzabsicherung. Dabei schätzen viele Verbraucher die Kosten einer Pflegezusatzversicherung deutlich zu hoch ein. Laut Studie rechnen Befragte mit monatlichen Beiträgen zwischen 260 und 280 Euro. Tatsächlich liegen die Beiträge – je nach Eintrittsalter und Tarif – teils deutlich darunter. Wer sich bereits mit 25 Jahren absichert, zahlt für leistungsstarke Tarife laut Assekurata oft nur zwischen 38 und 61 Euro monatlich.
Die Analysten kommen zu einem klaren Fazit: Je früher eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen wird, desto günstiger fällt sie über die gesamte Laufzeit aus. Zudem sinkt das Risiko, wegen Vorerkrankungen nur mit Zuschlägen oder gar nicht versichert zu werden. Gerade weil inzwischen mehr als jeder vierte Pflegebedürftige jünger als 65 Jahre ist, sei eine frühzeitige Absicherung sinnvoll.
Da Pflegekosten seit Jahren steigen, empfiehlt die Studie zudem Tarife mit Dynamik. Dadurch könne die Leistung regelmäßig ohne neue Gesundheitsprüfung angepasst werden. „Pflege bleibt teuer“, lautet die nüchterne Kernbotschaft der Untersuchung. Wer sich nur auf die gesetzliche Pflegeversicherung verlässt, muss im Ernstfall häufig mit erheblichen Eigenanteilen rechnen.
