ETF-Boom in Deutschland: Doch ein Problem bremst Sparer aus
ETFs sind in Deutschland bekannt wie nie. Doch vielen Bundesbürgern mangelt es an einem fundierten Verständnis von Exchange Traded Funds. Drei Viertel der Bevölkerung haben schon von ETFs gehört, doch viele fühlen sich überfordert.

Exchange Traded Funds (ETFs) haben sich in Deutschland vom Nischenprodukt zum Mainstream entwickelt. Drei Viertel der Bevölkerung geben an, bereits von ETFs gehört zu haben. Doch trotz des hohen Bekanntheitsgrades fehlt es vielen Menschen weiterhin an Wissen, Sicherheit und konkreter Umsetzung. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag von Franklin Templeton unter mehr als 1.000 Erwachsenen in Deutschland.
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Die Befragten bewerten ihr eigenes ETF-Wissen im Durchschnitt mit der Schulnote 4,5 – also nahezu „ungenügend“. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) hält das eigene Wissen für unzureichend. Lediglich 12 Prozent schätzen ihre Kenntnisse als gut oder sehr gut ein. Gleichzeitig sind 61 Prozent überzeugt, dass die Deutschen ihr Geld insgesamt zu konservativ anlegen.
„ETFs sind weit verbreitet, werden aber nicht allgemein verstanden. Diese Lücke prägt heute das Anlageverhalten in Deutschland“, sagt Christian Machts, Country Head Deutschland und Österreich bei Franklin Templeton.
Theoretisch ist das Interesse an ETFs hoch. Würden die Befragten heute 10.000 Euro frei verfügbar haben, würde mehr als ein Drittel dieses Geldes in ETFs investieren und damit mehr als in jede andere Anlageklasse. Bei erfahrenen Anlegern steigt dieser Anteil sogar auf nahezu 60 Prozent. In der Praxis dominieren jedoch weiterhin klassische Sparformen. Rund zwei Drittel der Deutschen nutzen Tagesgeldkonten, mehr als die Hälfte setzt auf Spar- oder Sparbücher. Nur etwa drei von zehn Befragten besitzen derzeit indexbasierte ETFs.
Ein zentrales Hindernis scheint Orientierungslosigkeit zu sein: Denn 42 Prozent fühlen sich von der Vielzahl der verfügbaren ETF-Produkte überfordert. Bemerkenswert ist zudem ein Mentalitätswandel. Ein Drittel der Befragten gibt an, größere Angst davor zu haben, Geld gar nicht anzulegen, als vor einem möglichen Börsencrash. Besonders deutlich zeigt sich der Wandel beim Thema Ruhestand. 43 Prozent der Befragten sehen ETFs als wichtigen Baustein der Altersvorsorge. 44 Prozent glauben sogar, dass ohne wertpapierbasierte Sparpläne finanzielle Engpässe im Alter wahrscheinlich seien. „ETF-Sparpläne verdeutlichen, wie sich das Anlageverhalten in Deutschland verändert“, unterstreicht Martin Bechtloff, Vice President ETF Sales Germany bei Franklin Templeton.
Gerade jüngere Anleger treiben diese Entwicklung. Mehr als 80 Prozent der 18- bis 34-jährigen ETF-Investoren nutzen Sparpläne. Insgesamt setzen bereits drei Viertel aller ETF-Anleger auf regelmäßiges automatisiertes Investieren. Die Studie zeigt zugleich deutliche Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen. Männer schätzen ihr ETF-Wissen deutlich höher ein als Frauen. Auch jüngere Menschen und Haushalte mit höherem Einkommen fühlen sich sicherer im Umgang mit ETFs.
