Klingbeil will Rente reformieren
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil will die Rentenpolitik neu ausrichten. Künftig sollen Beitragsjahre stärker zählen als das Lebensalter. Gleichzeitig fordert er mehr Arbeitsleistung und neue Vorsorgemodelle in der betrieblichen Altersversorgung.

Die Debatte um die Zukunft der Altersvorsorge nimmt an Schärfe zu. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat deutlich gemacht, dass er grundlegende Veränderungen für notwendig hält. Das gilt sowohl in der gesetzlichen Rentenversicherung als auch bei der privaten und betrieblichen Vorsorge. „Wir werden als Gesellschaft insgesamt mehr arbeiten müssen“, erklärte der SPD-Politiker. Ziel sei es, ein System zu schaffen, „in dem sich Leistungsbereitschaft auszahlt“. Hintergrund sind steigende Belastungen der Rentensysteme und eine demografische Entwicklung, die immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner gegenüberstellt.
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Ein zentraler Ansatzpunkt ist die mögliche Abkehr vom bisherigen Renteneintrittsalter. Statt eines festen Alters von derzeit 67 Jahren soll künftig stärker berücksichtigt werden, wie lange jemand tatsächlich Beiträge gezahlt hat.
Klingbeil will sich dabei weniger am Alter und „viel stärker an den Beitragsjahren“ orientieren. Wer später ins Berufsleben startet und beispielsweise durch ein Studium später in das Berufsleben eintritt, müsste demnach auch später in Rente gehen. Unterstützung kommt aus der Wirtschaftswissenschaft. Ökonom Jens Südekum plädiert für ein System, in dem etwa 45 Beitragsjahre Voraussetzung für eine abschlagsfreie Rente sind. „Das Ziel bleibt eine effektive Verlängerung der Lebensarbeitszeit“, so der Volkswirtschaftler.
Der Reformdruck ergibt sich auch aus strukturellen Ungleichheiten im bestehenden System. Während Menschen mit früher Berufstätigkeit oft deutlich länger arbeiten, profitieren Akademiker mit späterem Einstieg häufiger von längeren Rentenbezugszeiten. „Besserverdiener zahlen also nicht nur kürzer in die Rentenkasse ein, sie beziehen auch noch deutlich länger Rente“, unterstreicht Südekum. Eine stärkere Orientierung an Beitragsjahren könnte diese Unterschiede zumindest teilweise ausgleichen.
Ein weiteres Problem sieht Klingbeil in der hohen Zahl von Frühverrentungen. Rund 60 Prozent der Menschen würden derzeit vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Der Staat solle solche Anreize künftig reduzieren und stattdessen längere Erwerbsbiografien fördern. Neben der gesetzlichen Rente richtet sich der Blick auch auf die zweite Säule der Altersvorsorge. Klingbeil wirbt für eine verpflichtende, kapitalgedeckte Betriebsrente, an der sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen beteiligen sollen.
