Die finanzielle Belastung durch Pflegeheimkosten nimmt weiter zu. Immer mehr Bewohner können die Eigenanteile nicht mehr selbst tragen und sind auf staatliche Unterstützung angewiesen. Bereits vor zwei Jahren war knapp ein Drittel (32,5 Prozent) aller Bewohner in einem Pflegeheim auf Sozialhilfe angewiesen und erhielt die sogenannte Hilfe zur Pflege nach dem Sozialgesetzbuch (SGB XII).

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Inzwischen hat die Sozialhilfequote in deutschen Pflegeheimen einen neuen Höchststand erreicht. Demnach erreicht der Anteil der Bewohner im Jahr 2026 den Wert von 37 Prozent. Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Untersuchung hervor, die von Gesundheitsökonom Prof. Heinz Rothgang im Auftrag der Krankenkasse DAK erstellt wurde. Darüber berichtet die "Rheinischen Post"

Die Studie prognostiziert einen weiteren Anstieg in den kommenden Jahren. Nach geltendem Recht könnte die Sozialhilfequote bis 2032 auf 40,4 Prozent steigen und bis 2035 auf knapp 43 Prozent anwachsen. Bereits heute beziehen bundesweit rund 309.000 Pflegeheimbewohner Hilfe zur Pflege. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, könnte diese Zahl innerhalb der nächsten neun Jahre um etwa 15 Prozent auf rund 356.000 Betroffene steigen.

Die Zahlen kommen nicht überraschend. Denn die Zuzahlungen für Pflegeheimplätze steigen weiter. Mittlerweile liegt der Eigenanteil für die Unterbringung im Pflegeheim bei durchschnittlich 3.542 Euro (ohne Zuschuss). Mit dem 2022 eingeführten Leistungszuschlag mussten Senioren durchschnittlich noch 3.245 Euro im Monat zu ihrem Pflegeheimplatz beisteuern. Im Juli 2020 betrugen die Kosten im Bundesschnitt noch 2.015 Euro monatlich.

Die steigenden Eigenanteile in der stationären Pflege sorgen zunehmend für politische Diskussionen. Kritiker warnen davor, dass Pflegebedürftigkeit immer häufiger zu finanzieller Überforderung führt. „Die stationäre Pflege wird für immer mehr Menschen zur konkreten Armutsfalle“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Die aktuelle Entwicklung sei alarmierend: „Mit einer Sozialhilfequote von aktuell 37 Prozent sind wir am Limit. Einen weiteren Anstieg dürfen wir nicht zulassen.“

Storm warnt zugleich vor einem Vertrauensverlust in das bestehende System der sozialen Pflegeversicherung. „Das Vertrauen in die soziale Pflegeversicherung schwindet und es droht ein Pflegekollaps.“

Aus Sicht der Studienautoren braucht es deshalb grundlegende Reformen bei der Finanzierung der Pflege. Storm fordert eine strukturelle Neuausrichtung. „Die Begrenzung der Eigenanteile in den Heimen muss Teil einer großen Pflegereform werden“, erklärt er. Ziel müsse ein neuer Finanzierungsmix sein: „Wir brauchen eine faire Lastenverteilung zwischen Beitragszahlenden, Pflegebedürftigen und Steuerzahlenden.“

Ein möglicher Ansatz wäre eine Begrenzung der pflegebedingten Eigenanteile in Pflegeheimen. Laut Studie könnte eine Deckelung auf 1.000 bis 1.200 Euro pro Monat die Entwicklung zumindest teilweise abfedern. Unter diesen Voraussetzungen würde die Sozialhilfequote im Jahr 2035 voraussichtlich nur noch zwischen 32 und 37 Prozent liegen und damit deutlich unter der derzeit prognostizierten Entwicklung.