Rentenlücke: Deutschland im Europa-Vergleich hinten
Deutschland weist eine der größten Rentenlücken Europas auf. Die gesetzliche Rente deckt die Lebenshaltungskosten im Alter nur zu rund zwei Dritteln. Besonders die hohen Wohnkosten verschärfen das Defizit.

Deutschland zählt zu den europäischen Ländern mit der größten Rentenlücke. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse von DataPulse. Demnach liegt die durchschnittliche gesetzliche Altersrente hierzulande bei 19.138 Euro pro Jahr. Derweil betragen die geschätzten jährlichen Lebenshaltungskosten der über 60-Jährigen 28.663 Euro. Damit ergibt sich ein Rentendefizit von 33 Prozent. Nur in sechs europäischen Staaten ist die Lücke noch größer.
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„Die Studie belegt, dass nicht allein die Rentenhöhe oder das Rentenniveau entscheidet über die finanzielle Lage im Alter, sondern die gesamten Lebenshaltungskosten – und insbesondere die Wohnkosten“, mahnt Peter Schwark, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA). „Private Vorsorge und betriebliche Modelle müssen noch in diesem Jahr konsequent gestärkt werden. Dazu sind höhere geförderte Dotierungsvolumina nötig als bislang im Gesetz vorgesehen.“
Ein zentraler Kostentreiber im Alter ist das Wohnen. Rund 34 Prozent der monatlichen Ausgaben deutscher Senioren entfallen auf Miete oder Wohnkosten. Ernährung, Verkehr und Freizeit folgen mit jeweils etwa 11 Prozent. Zusammen beanspruchen Wohnen und Nahrungsmittel rund die Hälfte des Budgets. Besonders belastend wirkt in Deutschland die hohe Mietquote: Rund 60 Prozent der über 65-Jährigen leben zur Miete. Gemeinsam mit Österreich und den Niederlanden gehört Deutschland damit zu den Spitzenreitern in Europa. In vielen osteuropäischen Ländern hingegen liegt die Eigentumsquote bei über 90 Prozent.
„Die Daten zeigen, dass Deutschland bei der Rentendeckung zu den Schlusslichtern Europas gehört, nicht weil die Renten besonders niedrig wären, sondern weil die Lebenshaltungskosten im Alter besonders hoch sind“, sagt Nicolas Caramella, Gründer und CEO von DataPulse.
Trotz der strukturellen Belastung liegt das Altersarmutsrisiko in Deutschland mit rund 20 Prozent im europäischen Mittelfeld. Das sei vor allem privaten und betrieblichen Vorsorgemodellen zu verdanken, die einen Teil der Versorgungslücke abfedern.
