Der Ausbruch der Corona-Pandemie in 2020 hat die Welt auf den Kopf gestellt, pointiert Maik Entrich im Vorwort der aktuellen Branchenmonitore. Auch die deutsche Wirtschaft wurde schwer getroffen – das Bruttoinlandsprodukt sank nach zehn Jahren anhaltendem Wirtschaftswachstum um fünf Prozent.

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Betriebs- und Ladenschließungen aufgrund des Lockdowns bedrohen ganze Branchen, die Bundesregierung musste milliardenschwere Hilfspakete für Beschäftigte, Selbstständige und Unternehmen schnüren. Auch die Versicherungsbranche ist betroffen. Zum Beispiel häufen sich durch die Pandemie Klagen wegen Arbeits- sowie Vertragsrecht, weswegen die Bilanzen der Rechtsschutzversicherer leiden.

Kfz-Versicherung in 2020: Aus dem Tunnel ins Licht

Jedoch: Eine Branche gehört zu den Profiteuren der Pandemie. Denn schaut man sich die letzten Jahre an, wird man kaum ein derart günstiges Jahr für Kfz-Versicherer finden wie 2020. Ging doch durch Homeoffice und Homeschooling der Verkehr zurück, auch der Reiseverkehr nahm ab.

Hinzu kommt, dass viele Städter – auch aufgrund der Nachhaltigkeitsdebatte um den Klimaschutz – auf alternative Fortbewegungsmittel wie Fahrräder und E-Scooter umstiegen, wie Maik Entrich außerdem erklärt. Das macht sich in den Kennzahlen der Branche für 2020 deutlich bemerkbar: Noch 2019 war die Kfz-Versicherung eine Branche in der Krise. Durch die Corona-Pandemie aber hat sich nun der Markt erholt.

Durch Corona wirtschaftet die Branche wieder auskömmlich

Zur Erinnerung: Noch in 2019 schrieb fast jeder zweite Kfz-Versicherer rote Zahlen (Versicherungsbote berichtete). Setzten doch ein harter Preiskampf zur jährlichen Wechselsaison sowie stetig steigende Reparaturkosten den Versicherern zu.

Dass die Schaden-Kosten-Quote gerade so unter die kritischen 100 Prozent gedrückt werden konnte, hatte die Branche einzig Beitragskorrekturen in 2018 zu verdanken. Jedoch verschlechterten sich zwischen 2018 und 2019 die Kennzahlen wieder bedrohlich.

Dieses Bild hat sich in 2020 drastisch zugunsten der Kfz-Versicherer gewendet: Die durchschnittliche Schadenquote über alle Unternehmen hinweg sank von 81,57 Prozent auf 72,82 Prozent, die wichtige Schaden-Kosten-Quote bzw. Combined Ratio des Marktes von 99,24 Prozent auf komfortablere 91,03 Prozent.

Nur noch zwei Versicherer bringen in 2020 ihre Combined Ratio nicht unter die kritische Einhundert-Prozent-Marke – und können demnach Schadenaufwendungen und Verwaltungskosten nicht durch ihre Einnahmen decken. Hingegen wirtschaften 48 Versicherer, die der aktuelle Branchenmonitor listet, in 2020 auskömmlich.

Versicherungstechnisches Ergebnis mit riesigem Sprung

Einen riesigen Sprung macht auch das versicherungstechnische Ergebnis (vor Veränderung der Schwankungsrückstellung) – das Saldo der versicherungstechnischen Erträge und Aufwendungen. Lag dieses über den Durchschnitt der 50 Unternehmen in 2019 bei 7,13 Mio. Euro, klettert es nun auf sagenhafte 39,12 Mio. Euro.

Freilich: Der Erfolg der Branche in 2020 hat wesentlich mit dem geringeren Schadenaufkommen zu tun. Denn gebuchte Bruttoprämien wuchsen zwischen 2019 und 2020 um gerade einmal 0,8 Prozent – auf durchschnittlich 505,94 Mio. Euro je Unternehmen. Und die Zahl der Versicherungsverträge je Unternehmen stieg von durchschnittlich 2.090.947 auf 2.131.996.

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Der kleine Wermutstropfen: Hohe Betriebskosten

Weniger erfreulich sind gestiegene Betriebskosten: Die Betriebskostenquote kletterte von durchschnittlich 17,67 Prozent je Unternehmen auf 18,21 Prozent – die höchste Quote des Branchenmonitor- Betrachtungszeitraums 2015 bis 2020. So kletterten auch die Betriebsaufwendungen je Versicherungsvertrag von durchschnittlich 45,55 Euro über 50 Unternehmen hinweg auf 46,85 Euro.

Unternehmen mit den besten und schlechtesten Schaden-Kosten-Quoten

Für welche Unternehmen aber lief das gute Jahr 2020 besonders gut? Folgende Versicherer haben die besten Schaden-Kosten-Quoten des Jahres für den Zweig Kraftfahrt gesamt:

  • Volkswagen Auto: 78,08 Prozent
  • Axa Easy: 80,55 Prozent
  • HUK24: 81,63 Prozent
  • S Direkt: 81,69 Prozent
  • HDI Versicherung: 83,68 Prozent
  • Helvetia Direktion für Deutschland: 84,26 Prozent
  • Basler Sachversicherung: 84,30 Prozent
  • Öff. Sach. Braunschweig: 84,38 Prozent
  • Concordia: 85,56 Prozent
  • Signal Iduna Allgemeine: 85,79 Prozent

Allianz Direct mit schlechtester Schaden-Kosten-Quote

Ausgerechnet zwei Direktversicherer aber konnten in 2020 Schadenaufwendungen und Verwaltungskosten nicht durch ihre Einnahmen decken. Betroffen sind:

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  • Die R+V Direkt weist in 2020 eine Combined Ratio in Höhe von 109,81 Prozent aus.
  • Die Allianz Direct weist eine Combined Ratio von 121,15 Prozent aus – und belegt so mit einigem Rückstand den letzten Platz in der CR-Wertung.

Hintergrund: Aktuell veröffentlicht die V.E.R.S. Leipzig die neuen Ausgaben der Branchenmonitore – eine Auswertung von BaFin-Berichten der Jahre 2015-2020 sowie der statistischen Jahrbücher des Branchenverbandes GDV, ebenso verschiedener Daten aus den Jahresabschlüssen der Versicherer.

Der „Branchenmonitor Kraftfahrtversicherung 2015-2020“ analysiert die Daten der 50 größten Kfz-Versicherer, welche 88 Prozent des Kraftfahrtmarktes ausmachen. Zusammen mit weiteren aktuellen Branchenmonitoren kann das Analyse-Instrument kostenpflichtig auf der Webseite der V.E.R.S. Leipzig GmbH bestellt werden.

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