Von der Geburt eines Kinds "erfährt" das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) automatisch – das Standesamt übermittelt die Information. Zugleich wird das Merkmal in der zentralen Datenbank hinterlegt, die der Arbeitgeber monatlich abruft.

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Haben beide Eltern die Steuerklasse vier – die Steuerklasse für Ehepartner mit etwa vergleichbarem Einkommen –, erhalten beide Elternteile den Zähler 1,0. Bei der Kombination drei/fünf wird das Kind nur in der Steuerklasse drei mit 1,0 eingetragen. In der Steuerklasse fünf – der Steuerklasse für jene Partner mit geringerem Gehalt – gibt es hingegen dann keinen Eintrag. In der Steuerklasse eins (für Ledige oder Geschiedene oder Verwitwete) erfolgt der Eintrag über den Zähler 0,5. Das Gleiche trifft für die Steuerklasse zwei zu – der Steuerklasse für Alleinerziehende.

Entweder Kinderfreibetrag auf Lohnsteuer oder Kindergeld – beides geht nicht

Trotz des automatischen Eintrags im Bundeszentralamt für Steuern: Wie sich das „Lohnsteuermerkmal Kind“ auf die Steuerhöhe auswirkt, erfahren Eltern erst nach Beantragung des Kindergelds. Denn zwar definiert Paragraf 32 Abs. 6 EStG einen Freibetrag von 2.730 Euro jährlich für das Existenzminimum des Kindes sowie einen Freibetrag von 1.464 Euro für den Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf. In der Summe kann ein Elternteil also einen Freibetrag von 4.194 Euro jährlich für die Berechnung der Lohnsteuer geltend machen; ein Paar profitiert bei Zusammenveranlagung sogar von einem Freibetrag in Höhe von 8.388 Euro jährlich. Allerdings können Eltern diesen Freibetrag für die Lohnsteuer seit 1996 nicht mehr nutzen, sobald sie Kindergeld beziehen. Es gilt also ein „Entweder/oder“-Prinzip.

Günstigerprüfung: Das Finanzamt entscheidet

Ob Kindergeld oder Kinderfreibetrag, entscheiden zudem nicht die Eltern. Stattdessen führt das Finanzamt eine sogenannte Günstigerprüfung durch – es prüft, ob die Eltern entweder vom Kindergeld (inklusive Kinderbonus) mehr profitieren oder vom steuerlichen Sparbetrag:

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  • So profitieren laut Lohnsteuerhilfe Bayern e.V. (lohi) Alleinerziehende ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von circa 40.000 Euro stärker vom Kinderfreibetrag als vom Kindergeld.
  • Und zusammen veranlagte Eltern profitieren ab einem Jahreseinkommen von 77.000 Euro. Liegt das Einkommen darunter, wird in der Regel Kindergeld gezahlt – ohne Nutzung des Freibetrags.

Kindergeld muss beantragt werden – rechtzeitig

Wichtig ist außerdem: Anders als die Meldung beim Bundeszentralamt für Steuern erfolgt die Beantragung des Kindergeldes nicht automatisch. Stattdessen muss ein Antrag bei der örtlichen Familienkasse eingereicht werden – zusammen mit der Geburtsurkunde und der Steueridentifikationsnummer des Kindes. Gemäß Paragraf 6 des Bundeskindergeldgesetzes (BKGG) beträgt das Kindergeld fürs erste und zweite Kind jeweils 219 Euro monatlich, fürs dritte Kind 225 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 250 Euro. Nach Antrag fließt es bis zum 18. Lebensjahr automatisch und muss erst danach erneut beantragt werden, falls weiterhin Kindergeldanspruch besteht.

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