Es war und ist ein Vorzeigeprojekt des Allianz-Konzerns: Allianz Direct. Nicht einfach ein Direktversicherer wie jeder andere, sondern einer, der länderübergreifend die gleichen Produkte und Tarife anbieten will, mittels einer einheitlichen Software und Infrastruktur. Und zugleich Versuchslabor für den restlichen Allianz-Konzern, denn der internationale Digitalversicherer soll auch für die anderen Allianz-Einheiten zum Vorbild werden. „Einfach, digital und skalierbar“ - so hat Konzernchef Oliver Bäte die Grundprinzipien des Versicherers vorgegeben.

Anzeige  

 

Doch nachdem Allianz Direct im Herbst 2019 in Deutschland gestartet war, gab es zunächst erhebliche Startschwierigkeiten. 750.000 Kundinnen und Kunden der Allsecur, frühere Direktversicherungs-Tochter der Allianz, sollten auf den neuen Versicherer überschrieben werden. Kundinnen und Kunden berichteten im Netz von unberechtigten Abbuchungen, nicht funktionierender IT, fehlenden Kontakt-Möglichkeiten. Beim Online-Bewerter Trustpilot vergaben zwischenzeitlich 96 Prozent der Verbraucher die Note „ungenügend“. Es hatte den Eindruck, als sei der neue Versicherer in einem unausgereiftem Stadium gestartet (der Versicherungsbote berichtete).

Probleme behoben, neue Produkte

Die Probleme bei Allianz Direct seien nun weitestgehend ausgeräumt, so berichtet das „Handelsblatt“ am Mittwoch. Und tatsächlich haben sich auch die Bewertungen bei „Trustpilot“ wieder deutlich normalisiert. Aktuell erreicht der Directversicherer einen Schnitt von 3,9 bei fünf möglichen Sternen: das bedeutet „gut“. Insgesamt wurden 9.542 Stimmen abgegeben.

Im Interview mit dem „Handelsblatt“ verriet Bart Schlatmann, CEO der Allianz Direct, wie es nun mit dem Versicherer weitergehen soll. Zur Zeit bieten die Münchener allein Kfz-Versicherungen an: Policen, die bevorzugt im Netz abgeschlossen werden. Das Angebot soll nun ausgebaut werden. „Der Bereich Hausrat und Haftpflicht wird im September in Holland an den Start gehen und im Oktober in Deutschland“, sagt Schlatmann dem Wirtschaftsmagazin.

Im vierten Quartal 2020 wolle man die Produkte auch in Italien anbieten, dort hat die Allianz Direct bisher ebenfalls nur Kfz-Policen im Portfolio. In Spanien sei der Markteintritt im ersten Quartal 2021 geplant.

Vorbild Netflix

Der 50jährige Manager äußerte sich auch noch einmal zu der Idee hinter Allianz Direct. Als Vorbild für den Versicherer habe man Streaming-Dienst Netflix gewählt, der weltweit mit einem einheitlichen Abo-Angebot um Kundinnen und Kunden werbe. „Dort gibt es einen großen Katalog von Produkten. Aber der Katalog ist von Land zu Land verschieden“, sagt Schlatmann. Auch die Allianz müsse auf regionale Besonderheiten achten, so dass sich die Geschäftsbedingungen in den vier Startländer Deutschland, Niederlande, Italien und Spanien unterschieden. Allerdings nur in Nuancen, „vielleicht fünf Prozent“, so der Manager.

Anzeige  

 

Schon bald könnten weitere Märkte hinzukommen. „Beispielsweise könnten wir eine Kopie der europäischen Plattform in die USA, nach Asien oder Brasilien geben“, sagt Schlatmann. Dann könnten weitere Länder in der Region in wenigen Monaten an die großen Länder andocken.