Zu Beginn sei vorangestellt: Zwischen Bestandskauf und Firmenkauf gilt es zu unterscheiden – je nachdem, ob lediglich ein Bestand oder eine ganze Firma gekauft wird. Im Folgenden soll der Bestandskauf und Integration des Bestands in die bestehende Firma betrachtet werden: Daniel Seeger ist Geschäftsführer von 3 Tochter-GmbHs

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  1. Kundenschreiben: Das Wichtigste zum Übertragen der Bestände auf Ihre Firma (oder Ihren Pool) ist das Anschreiben, in dem die Kunden über den Verkauf informiert werden. Das ist Grundlage für das CoC-Verfahren: also das Verfahren zur Übertragung sensibler Daten nach jenem Verhaltenskodex (Code of Conduct), der den Umgang mit personenbezogenen Daten in der Versicherungswirtschaft regelt.
  2. Bestandsübernahmeerklärung: meint das offizielle Dokument, mit dem der Verkäufer den Bestand an Sie überträgt. Dieses muss für jede Gesellschaft separat ausgefüllt und unterschrieben werden. Die Gesellschaften haben hier jeweils Ihre individuellen Vorlagen. Werden die Bestände zu einem Pool übertragen, haben manchen Pools eigene Bestandsübernahmeerklärungen als Vorlagen. Wichtig dabei ist, dass der Verkäufer als übernehmender Makler den Bestand an den Pool abgibt. Sie tauchen auf dem Formular als eigentlicher Käufer dann gar nicht auf.
  3. Widerrufe: Sicherlich werden einige Kunden der Übertragung der Daten widersprechen. Bei uns sind das meist nur ein bis zwei Prozent der Angeschriebenen. Diese Kunden sind für Sie wertlos. Wir sagen dem Verkäufer dann, dass er die Kunden in die freie Betreuung der Gesellschaft geben soll. Warum? Weil dann die komplette Agenturnummer auf Sie übertragen werden kann, sobald die Widerrufler raus sind. Das geht viel schneller als eine Teilbestand-Übertragung.

Es drohen Fallstricke

Im optimalen Fall könnten nach Abarbeitung der drei oben genannten Schritte alle Verträge zu Ihnen übertragen werden. Leider läuft das nie zu 100 Prozent rund, da einige Fallstricke existieren:

  • Hat der Verkäufer Bestände bei Pools? Dann ist die Freigabe zusätzlich durch den Pool notwendig (und zwar für jede einzelne Gesellschaft).
  • Gibt es Sonderkonzepte, beispielsweise Verträge der Genossenschaft VEMA? Dann ist die Übertragung schwierig, besonders zu einem anderen Pool.
  • Gibt es Gesellschaften, die kein CoC akzeptieren? Dann müssen direkt neue Vollmachten eingeholt werden.
  • Liegen bei Gesellschaften weniger als fünf bis zehn Verträge? Dann wird meist auch direkt eine neue Maklervollmacht notwendig.
  • Die Umgehung der Fallstricke ist machbar – es stellen sich mit den Problemen lösbare Aufgaben. Der Zeitaufwand sollte aber nicht unterschätzt werden.

Hier weitere nützliche Tipps und Tricks, die bei einem Bestandskauf beachtet werden sollten:

  • E-Mail Weiterleitung und Telefon-Umleitung: Die Kunden finden in Ihren Unterlagen noch die Verkäufer-Kontaktdaten. Diese leiten wir zu uns um auf eine separate Nummer. So verlieren wir keine Kunden, weil sie „uns“ nicht mehr erreichen.
  • Provisionsweitergabe: Bis Geld nach der Bestandsübertragung bei uns ankommt, dauert es sechs bis zwölf Monate. In der Zeit muss der Verkäufer monatlich eine Abrechnung erstellen. Wir geben ihm dafür Vorlagen an die Hand und überprüfen die Daten mit ihm.
  • Import Kundendaten: Wir importieren nur aktuelle GDV- oder CSV-Daten, die wir von den Gesellschaften erhalten, in unser System – also KEINE Excel-Datei aus dem Maklerverwaltungsprogramm (MVP) des Verkäufers. Wir unterstützen den Verkäufer lieber beim Besorgen aktueller GDV-Daten – weil es uns nützt. Halten Sie das MVP möglichst sauber und aktuell – das erhöht dann später auch den Wert der eigenen Firma.