Krebs als "Geißel der Menschheit"

Krebs ist eine Erkrankung, die durch den unkontrollierten Wachstum einer einzelnen Zelle entsteht. Diese nüchterne Feststellung trifft und verfehlt zugleich den Charakter vieler Krankheiten, die unter dem Begriff „Krebs“ zusammengefasst werden. Denn keine Krankheit wird in modernen Industrienationen so sehr gefürchtet. Ein „bösartiges“ und „tückisches“ Wuchern, ein „Zerfressen“ des Menschen von innen – schon die Art, wie über den Krebs gesprochen oder geschrieben wird, offenbart zentrale Ängste im Denken der Menschen.

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Denn zwar scheint durch Wissen und Fortschritt vieles in Natur und Umwelt beherrschbar. Aber gegen viele Krebserkrankungen – diesen Feind aus dem Innern eigener Zellen – hat der Mensch noch kein Heilmittel gefunden. Zentral also bestimmt Krebs das Denken moderner Industrienationen schon dadurch, dass er noch immer menschliche Grenzen aufzeigt. Selbst Experten wie Carsten Bokemeyer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) bezeichnen Krebs demnach als "Geißel der Menschheit“.

Bei Krebs-Diagnose droht finanzieller Ruin

Konstant droht der Krebs als individuelles Schicksal – tragisch und ab einem bestimmten Stadium unabänderlich. Auch reale Fortschritte in der Medizin haben an dieser Wahrnehmung nichts ändern können. Denn obwohl laut Deutschem Krebsforschungszentrum heutzutage mehr als die Hälfte aller Krebserkrankten in Deutschland dauerhaft geheilt werden können, fürchten Menschen wie eh und je die Diagnose. Krebs gilt, wie Bestseller-Autor Siddharta Mukherjee pointiert, als „König der Krankheiten“.

Da verwundert es kaum, dass auch Versicherer ihr Geschäft mit Krebs als versicherbares Risiko entdeckt haben. Die Gründe für das Angebot einer „Krebsversicherung“ sind zunächst berechtigt: Schnell können durch einen Tumor hohe Einkommensverluste entstehen, zum Beispiel durch Berufsunfähigkeit aufgrund langdauernder Krebstherapien. Lohnfortzahlungen des Arbeitgebers nämlich sind auf nur sechs Wochen begrenzt. Danach gibt es – maximal 72 Wochen – Krankengeld durch die gesetzliche Krankenkasse.

Krankengeld aber kann Einkommensverluste oft nicht abfedern. Zumal auch hohe Zusatzkosten drohen, um Behandlungen zu finanzieren oder um Alltagssituationen zu meistern. Es droht einer Familie gar der finanzielle Ruin, wenn der Hauptverdiener aufgrund einer Krebserkrankung ausfällt.

Und das Risiko, an Krebs zu erkranken, ist bedeutsam und statistisch greifbar: 500.000 Neuerkrankungen werden laut Deutschem Krebsforschungszentrum allein in 2020 erwartet. Auch sind „bösartige Neubildungen“ seit Jahren Todesursache Nummer zwei in Deutschland hinter den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen. Auch mit Blick auf solche Fakten erweist sich ein Versicherungsprodukt als sinnvoll, das sich speziell auf diese bösartigen Neubildungen der Zellen – auf Krebserkrankungen – bezieht.

Versicherungskäse Krebsversicherung?

Trotzdem gibt es kaum ein Produkt, das derart durch Verbraucherschützer kritisiert wird. So erhielt eine Krebs-Police in 2017 vom verbrauchernahen Bund der Versicherten (BdV) den Schmähpreis „Versicherungskäse des Jahres“ verliehen (der Versicherungsbote berichtete). Aktuell empört sich der verbrauchernahe Bund erneut – vereint mit der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz – über die Krebsversicherung.

In die Ziellinie der Kritik geraten ist ein Angebot des Berliner Start-ups Getsurance: Als „Geschäft mit der Angst“ wird eine Versicherung angeprangert, die bis zu 100.000 Euro als Einmalzahlung verspricht, sobald ein Versicherungsnehmer oder mitversicherte Kinder an Krebs erkranken. Darüber berichtete zu Beginn dieser Woche der Berliner Tagesspiegel.

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Was aber sind Gründe für die harte Kritik, mit der Verbraucherschützer regelmäßig gegen die Krebsversicherung zu Felde ziehen? Grund eins ist eine zu geringe Abdeckung des finanziellen Risikos selbst für Krebserkrankungen. So tauge laut BdV eine Einmalzahlung in der angepriesenen Höhe „nicht als Absicherung gegen einen Verdienstausfall“. Wichtiger wäre aus dieser Perspektive eine regelmäßige Rentenzahlung in angemessener Höhe als Versicherungsleistung.