Zuletzt machte die Provinzial NordWest vor allem dank der schwierigen Fusion mit der Provinzial Rheinland Schlagzeilen — eine Fusion, die nach vier gescheiterten Anläufen nun auch im fünften Versuch mehr Zeit frisst, als ursprünglich geplant. Da kann es nicht schaden, auch mal wieder mit positiven Meldungen an die Öffentlichkeit zu treten. Was am Dienstag geschehen ist: Laut Pressetext blickt der Versicherer auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 zurück.

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Möglich macht es vor allem die Schaden- und Unfallsparte, wo der regional verankerte Versicherer traditionell stark aufgestellt ist. „Wir sind im selbst abgeschlossenen Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft um 5,2 Prozent auf über zwei Milliarden Euro gewachsen und konnten damit den Markt deutlich übertreffen“, sagt Vorstandsvorsitzender Wolfgang Breuer. Dem entgegen rechne der Gesamtverband der Versicherer (GDV) mit einem Wachstum von 3,2 Prozent: man schneide also besser ab als der Markt, wie Breuer hervorhebt.

Überdurchschnittliche Beitragszuwächse konnten laut Versicherer vor allem mit einem Anstieg von 8,2 Prozent in der Wohngebäudeversicherung und mit einem Wachstum von 4,6 Prozent in der Kraftfahrtversicherung erzielt werden. Das Neugeschäft in der Schaden- und Unfallversicherung erreichte mit insgesamt 292 Millionen Euro ein Rekordvolumen. Im Vorjahr sei man um 248 Millionen gewachsen.

Leben: Neugeschäft mit Fonds- und Hybrid-Produkten

Die Provinzial NordWest Leben kann für 2019 ebenfalls ein gutes Ergebnis vorzeigen. Die bilanzielle Beitragssumme im Neugeschäft legte um 9,3 Prozent zu - auf 2,63 Milliarden Euro. Auch bei den Münsteranern zeigt sich der marktweite Trend weg von „klassischen“ Garantieprodukten:

„Gemessen an der Beitragssumme machten Fonds- und Hybridprodukte fast 70 Prozent des Neugeschäfts aus“, erläutert Vorstandschef Breuer. Vor allem die fondsgebundene Rentenversicherung GarantRente Vario sowie GenerationenDepot Invest, eine fondsgebundene Leben-Police gegen Einmalbeitrag, seien gut angenommen worden. Die Gesamtbeitragseinnahmen der Provinzial NordWest Leben erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresniveau um 7,4 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro.

Zugleich lässt sich bei der Provinzial beobachten, wie bei anderen Wettbewerbern, dass der Versicherer zunehmend abhängig ist vom Einmalbeitrags-Geschäft. So stieg der Neuzugang gegen Einmalbeiträge um 22 Prozent auf 645 Millionen Euro, das Geschäft gegen laufenden Neubeitrag hingegen "nur" um 3,1 Prozent auf rund 81 Millionen Euro. Keine unumstrittene Strategie, da Verbraucherschützer wiederholt den Verdacht äußerten, der Einmalbeitrag werde durch die langjährigen Verträge gegen laufenden Beitrag quersubventioniert: auf Kosten des Bestandes.

Auch Provinzial Rheinland mit solidem Ergebnis

Recht gut lief es im letzten Jahr auch beim möglichen Fusionspartner, der Provinzial Rheinland. Der Versicherer erwartet für 2019 ein Plus an Beitrag von fünf Prozent auf knapp 2,7 Milliarden Euro. In der Lebensversicherung wuchsen die Rheinländer nach Schätzungen um sieben Prozent auf etwa 1,05 Milliarden Euro Beitrag.

Die Provinzial NordWest und Provinzial Rheinland wollen aktuell fusionieren, um fortan gemeinsam als Aktiengesellschaft (AG) tätig zu sein. Bereits im September 2018 wurde ein gemeinsames Fusionspapier präsentiert. Davon versprechen sich die Eigner der Versicherer, die Sparkassen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, in Zeiten niedriger Zinsen eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Kosten sollen eingespart und mehr Geld in gemeinsame Digitalprojekte investiert werden.

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Aber die notwendige Wertermittlung beider Versicherer, das sogenannte Due-Diligence-Verfahren, verzögere sich aufgrund des Niedrigzinses, so hieß es zuletzt aus Kreisen der Provinzial NordWest. Die betriebswirtschaftliche Bewertung könne folglich erst im Laufe des Jahres 2020 abgeschlossen werden: ein Jahr später als geplant. Auch mussten Bedenken der Arbeitnehmer-Vertreter bei den Münsteranern durch einen neuen Tarifvertrag mit ver.di ausgeräumt werden (der Versicherungsbote berichtete).