Der Platzhirsch Allianz schloss beispielsweise im Geschäftsjahr 2008 mit einem Fehlbetrag von 2,4 Milliarden Euro ab, auch weil man sich mit dem Kauf der Dresdner Bank verzockt hatte. Dass die Versicherer nun jährlich umfangreiche Solvenzberichte vorlegen müssen, um ihre Stabilität nachzuweisen, und der Gesetzgeber die Regeln hier verschärft hat, ist eine Reaktion auf die beobachteten Probleme. Ein unregulierter Markt frisst im Zweifel seine eigenen Kinder.

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Im Grunde begann auch die Niedrigzins-Phase schon vor dem Einschreiten der Europäischen Zentralbank (EZB) im Umfeld der Finanzkrise, weil infolge kurzfristiger Kursstürze an den Börsen viele institutionelle Anleger auf vermeintlich sichere Anleihen mit langer Laufzeit auswichen. Das ließ sich sogar schon vor der Lehmann-Pleite beobachten, als sich erste Turbulenzen an den Börsen abzeichneten, wie zeitgenössische Berichte in Fachmedien zeigen. Bezogen auf das investierte Kapital nahm die Verzinsung dieser Papiere ab, so sank die Umlaufrendite zehnjähriger Bundesanleihen von 4,78 Prozent im Juni 2008 auf 4,26 Prozent im September.

Auch der durchschnittliche Zins der Lebensversicherer hatte schon vor der EZB-Niedrigzinspolitik seine Talfahrt begonnen: Er sank bei kapitalbildenden Garantie-Policen von 4,39 Prozent in 2007 auf 4,26 Prozent in 2008, wie Daten des damaligen MAP-Reportes ergaben. Damals warnte der inzwischen verstorbene Map-Report-Gründer Manfred Poweleit, dass die Lebensversicherer in eine dauerhafte Krise schlittern könnten und die Rendite weiter sinken werde, und zwar deutlich. Auch wenn die aktuelle Nullzins-Krise zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen war und der Ertrag der Policen aus heutiger Sicht fast paradiesisch. Die Niedrigzinspolitik der EZB hat den Negativ-Trend verschärft und beschleunigt.

Gute Regulierung hilft auch, Kosten zu vermeiden

Gefragt ist also eine differenzierte Sicht auf Regulierung. Klug gemacht trägt sie dazu bei, dass auch die Wirtschaft profitiert: selbst wenn sie zunächst keinen Vorteil darin zu erkennen vermag, zum Beispiel, weil zusätzliche Kosten entstehen.

Mit Blick auf den Versicherungsvertrieb halfen strengere Qualifikations- und Weiterbildungsvorschriften, dass sich der Versicherungsvermittler zu einem spezialisierten Expertenberuf gewandelt hat und viele schwarze Schafe vom Markt verschwunden sind. Für den Ruf der Branche ist das wichtig, um das Vertrauen der Kunden nach zahlreichen Skandalen zurückzugewinnen. Dank einer damit verbundenen Marktkonsolidierung können strengere Vorschriften für Vermittlerbüros auch finanziell von Vorteil sein.

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Hier sei mit Blick auf die Finanzbranche darauf verwiesen, dass es nach wie vor große Regulierungslücken gibt. Beispiel Grauer Kapitalmarkt: Finanzskandale wie beim Container-Anbieter P&R, Infinus und dem Goldhändler PIM erlauben die Frage, ob diese Dienstleister auch deshalb lange ein mutmaßliches Schneeballsystem betreiben konnten, weil die Finanzaufsicht bei Bilanzen und Geschäftsmodell nicht so genau hinschaute: auch, weil die BaFin gar nicht die Befugnisse hierfür hatte.