Was braucht man, um Gold herzustellen? Ein damals 18jähriger beantwortete die Frage vor drei Jahren auf seine Weise: möglichst schwere Metallteile, die man vergolden und goldfarben anpinseln kann. Die Metallteile, eigentlich wertlos, hatte er bei Ebay geordert. Und dann in zehn Fällen weiterverkauft: an die Sparkasse Göttingen, die das nicht ganz so edle Metall mit Kusshand aufkaufte.

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Der junge Mann, inzwischen 21 Jahre alt, muss sich nun bald erneut vor Gericht verantworten. Wie das Amtsgericht Göttingen am Dienstag mitteilt, wird ihm gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Ein erster Prozess am Jugendschöffengericht war im August 2018 ausgesetzt worden, weil das Gericht ein Gutachten in Auftrag gegeben hatte.

Keiner prüfte die Goldbarren

Die Serie von Betrugsfällen soll im September 2016 begonnen haben, wie das „Göttinger Tageblatt“ berichtet. Die Sparkasse macht dabei eine denkbar schlechte Figur. Der 18jährige Realschul-Absolvent soll sich als aufstrebender Goldhändler vorgestellt haben. Nachdem er den ersten Klotz als Standardgoldbarren für 5.800 Euro habe verkaufen können, orderte er immer wieder vergoldetes Schwermetall — und war noch neunmal mit seiner Masche erfolgreich.

Das konnte ihm allerdings nur gelingen, weil die Sparkasse keinen Verdacht schöpfte und die Echtheit der Barren nicht überprüfte. Erst nachdem beim elften Mal die Mutter des Jungen beim Bankhaus vorstellig wurde und ebenfalls drei bei Ebay erstandene Barren verkaufen wollte, sei die Sache aufgeflogen. Da wurde gegen den Sohn schon ermittelt. Nicht wegen des Verkaufs von Falschgold — sondern, weil man ihn der Geldwäsche verdächtigte. Ein Angestellter des Bankhauses habe es seltsam empfunden, dass ein junger Mann so viel Vermögen habe ansammeln können.

Bereits in einem älteren Artikel zitiert das „Göttinger Tageblatt“ den Rechtsanwalt der Mutter, Patrick Riebe. Er berichtet, die Sparkasse habe zunächst immer wieder beim jungen Mann angerufen und gefragt, ob er noch Goldbarren habe: Man kaufe gerne. Allein im November 2016 soll das Institut knapp 189.000 Euro für das Falschgold gezahlt haben.

Doch damit nicht genug. Einen Teil des Goldes soll die Sparkasse eingeschmolzen haben, berichtet die Regionalzeitung weiter: sehr wahrscheinlich ist nun verunreinigtes Edelmetall in Umlauf. Teils habe sie die Barren weiterverkauft, etwa an die Nord LB. Nun würden einzelne Stücke auch als Beweismittel fehlen. So ist der Fall des mutmaßlichen Betrügers auch ein bisschen Eulenspiegeliade: Er zeigt, wie wenig es braucht, um eine Bank erfolgreich zu täuschen.

Man hätte nur an Oberfläche kratzen müssen

Laut Göttinger Tageblatt behauptete die Verteidigung des jungen Mannes zunächst im ersten Prozessanlauf, er habe gar nicht gewusst, dass es sich bei den Barren um Falschgold gehandelt habe. Eine wenig erfolgsversprechende Strategie: Gold lässt sich wohl eher nicht billig bei Ebay ersteigern. Der neue Prozess soll nun am 29. Oktober am Jugendschöffengericht stattfinden. Die Mutter ist ebenfalls wegen Betruges angeklagt.

Wie leicht die Sparkasse das Falschgold hätte entlarven können, zeigte laut „Göttinger Tageblatt“ bereits der ausgesetzte erste Prozess. Ein Rechtsvertreter der Sparkasse habe im Gerichtssaal demonstriert, dass man nur an der vergoldeten Oberfläche hätte kratzen müssen — und schon wäre ein anderes Metall zum Vorschein gekommen.

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Allerdings seien die vermeintlich standardisierten Barren in einer ebenso standardisierten Plastikverpackung eingewickelt gewesen, die üblich sei beim Goldhandel, berichtet das Blatt weiter. Auch das ein Grund, weshalb zunächst keiner die Echtheit prüfte. Wenn Kleider Leute machen, wie der Schweizer Novellist Gottfried Keller feststellte - dann machen Verpackungen auch Gold.