Demnach schätzt mehr als die Hälfte der Befragten ein Problem realistisch ein: Das Interesse der Portale am Provisionsgeschäft steht in einem nicht unproblematischen Spannungsverhältnis zum Kundeninteresse an einem objektiven Vergleich. Rund 90 Prozent der Einnahmen verdanken Vergleichsportale – branchenübergreifend – den Provisionen, die entweder bei Vermittlung eines Angebots oder für die Versicherungsbranche auch als Bestandsprovisionen fließen können. Das geht aus einem Konsultationspapier des Bundeskartellamts hervor (der Versicherungsbote berichtete).

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Skepsis gegenüber Portalen zeigt sich jedoch an weiteren Ergebnissen der Umfrage: Insgesamt 53 Prozent der Befragten stimmen außerdem entweder ganz oder „eher“ der Aussage zu, Vergleichsportale würden „nicht ausreichend Informationen zu den Versicherungsangeboten“ bieten. Und sogar 59 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, Vergleichsportale würden „nicht alle relevanten Anbieter“ zeigen:

@Joonko

Eine Wahrnehmung, die für ein aufgeklärte Kundensicht spricht. Offenkundig wird das Problem einer nur begrenzten Marktabdeckung der Portale am Konflikt zwischen Deutschlands größten Autoversicherer und Deutschlands führendem Vergleichsportal – die HUK-Coburg verweigerte bisher konsequent die Zusammenarbeit mit Vergleichsportalen und stellte demnach auch nicht die nötige Technik bereit, um Tarife für den Vergleich in Echtzeit auszuweisen. Diese Verweigerung aber bedrohte das Versprechen von Deutschlands führendem Portal Check24, möglichst umfangreich Angebote zu vergleichen. Denn ein Vergleich ist nur bedingt aussagekräftig, wenn er ausgerechnet Deutschlands führenden Kfz-Versicherer nicht einbeziehen kann. Da Check24 sich mit der Notlösung behalf, Tarife der HUK ohne Preisangabe zu listen, kam es zu einer Auseinandersetzung vor Gericht (der Versicherungsbote berichtete).

Wechselsaison: Das Marktpotenzial der Unentschlossenen

Wie aber steht es überhaupt mit dem Wechselwillen der Kfz-Versicherten in diesem Jahr? Das Marktpotential ist für den neuen Wettbewerber erfreulich. Denn zwar bejahen nur 18 Prozent der deutschen Kfz-Besitzerinnen und -Besitzer eindeutig, in diesem Jahr ihre Kfz-Versicherung wechseln zu wollen. Als mögliche Kunden geraten aber auch jene 33 Prozent der Befragten ins Blickfeld der Vergleichsportale, die zwar unentschlossen sind, einen Wechsel aber zumindest in Erwägung ziehen. Besonders groß ist die Wechselfreude in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen: Hier bejahen sogar 31 Prozent der Befragten, in diesem Jahr ihre Kfz-Versicherung wechseln zu wollen. Am geringsten hingegen ist, mit 7 Prozent, der Wechselwille der 60- bis 69-Jährigen:

@Joonko

Bei den schlechten Werten für den Wechselwillen der Senioren muss aber auch bedacht werden: Versicherer versehen KFZ-Tarife mit satten Aufschlägen, sobald Senioren eine Versicherung neu abschließen wollen. So ergab eine Studie des Versicherungsboten, die in der neuen Printausgabe unseres Magazins vorgestellt werden wird: Fast 200 Euro mehr im Jahr muss ein 67-jähriger Versicherungsnehmer durchschnittlich gegenüber einem 35-Jährigen in Kauf nehmen, wenn er eine Vollkasko-Versicherung neu abschließen will. Noch verheerender wirkt sich der Unterschied für einen 85-Jährigen aus, der mit durchschnittlich 1.232,27 Euro mehr zur Kasse gebeten wird. Dass unter solchen Bedingungen hoher Aufschläge Senioren kaum ihre Versicherung wechseln wollen, lässt sich verstehen.