Allianz-Chef Oliver Bäte hat im Jahr 2018 rund 10,33 Millionen Euro von der Allianz erhalten. Das geht aus dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht der Münchener hervor, so berichtet das „Manager Magazin“. Damit hat sich Bätes Einkommen gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt, denn 2017 erhielt er noch 4,83 Millionen Euro: das bedeutet ein Plus von knapp 107,5 Prozent.

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Dreijähriger Bonus ausgezahlt

Das Mehr auf dem Lohnzettel kommt aber nicht von ungefähr. So sind es vor allem die variablen Einkommensteile, die dem 54jährigen Manager einen Gehaltssprung bescheren. 4,83 Millionen Euro erhielt Bäte demnach als Bonus, weil die Allianz sein Wirken in den letzten drei Jahren als erfolgreich bewertete, so berichtet das Magazin.

Das Gehalt der Vorstände muss auch der Aufsichtsrat abnicken. Und dort leitet mittlerweile Bätes Vorgänger und Förderer die Geschicke: der langjährige Firmenlenker Michael Diekmann. Der Aufsichtsrat legte gegenüber der ursprünglichen Zusage noch einmal zehn Prozent obendrauf, wovon auch neun weitere Vorstände der Allianz profitieren. Allein für die zehn Vorstände musste die Allianz somit im letzten Jahr 51 Millionen Euro zahlen: Pensionsrückstellungen nicht eingerechnet.

Das könnte vor allem bei den Agenturen für Verärgerung sorgen. Ihnen hat die Allianz im letzten Jahr nicht nur eine erfolgsabhängige Provision gestrichen, die sogenannte Bestandssicherungsprovision (BSP). Auch am Konzernerfolg wurden sie im letzten Jahr nicht in gleicher Weise beteiligt (der Versicherungsbote berichtete). Das Argument: Die Allianz müsse Geld sparen.

Nun gönnen sich die Vorstände einen ordentlichen Aufschlag. Oliver Bäte hat der Allianz einen radikalen Reformkurs verordnet: unter anderem will er Tarife vereinfachen, um sich leichter online verkaufen zu können. Auch die Digitalisierung des Konzerns treibt er rasant voran (der Versicherungsbote berichtete).

Einkommen künftig stärker vom Aktienkurs abhängig

Bei der Allianz wird es das jetzige System aber nicht mehr in der Form geben: der Dreijahresbonus wird abgeschafft. Stattdessen soll die Bedeutung langfristiger Aktienboni steigen und nach vier Jahren ausgezahlt werden. Maßstab ist dann, ob sich die Allianz nach Aktienkurs, Dividende und Rückkäufen besser entwickelt hat als der europäische Markt. Auch soll der Vorstandschef dann zwei Jahresfix-Gehälter in Allianz-Aktien stecken.

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Das Ziel des neuen Vergütungssystems ist klar: nicht nur ist das Einkommen des Chefs stärker als bisher vom Erfolg der Allianz abhängig. Auch steigt sein Anreiz, nachhaltige Firmenpolitik zu betreiben, wenn der Chef stärker in eigene Firmenaktien investiert ist. Dass sich ein solches Vergütungsmodell lohnen kann, zeigt ein Blick über die Ländergrenze — in die Schweiz. So konnte auch Mario Greco, Chef der Zurich Gruppe und damit des fünftgrößten Versicherers Europas sein Einkommen steigern, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet.