Wer nicht transparent mit den Kunden kommuniziert, braucht für den Imageschaden nicht zu sorgen. So lässt sich vielleicht ein aktueller Vorgang bei der Debeka Bausparkasse zusammenfassen, der die Koblenzer just ins Visier von Deutschlands größter Boulevardzeitung rückte. Demnach hat die Debeka rund 70.000 Sparerinnen und Sparern den automatischen Bankeinzug gekündigt. Mutmaßlich, um die Betroffenen um Zinserträge zu prellen, vermutet die BILD-Zeitung: und schreibt von einer „Sauerei“ und „neuen Masche“.

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Vertragsänderung in Datenschutz-Info versteckt

Konkret betroffen sind Sparverträge im Tarif BS1, die bereits zuteilungsreif seien, so berichtet die „Bild“. Rund 600.000 Personen hätten einen solchen Tarif abgeschlossen. Für Ärger sorgt dabei das Vorgehen der Bausparkasse. So habe man die Vertragsänderung, wonach fortan kein automatischer Bankeinzug mehr möglich sei, im Kleingedruckten eines Datenschutz-Informationsblattes versteckt.

Die „Bild“ wertet dies so, als wolle die Debeka ihre Kunden damit um Zinserträge prellen. „Wer die fehlende Prämienzahlung noch nicht bemerkt hat, hat in seinen Vertrag weniger eingezahlt und bekommt die Zinsen nur auf das bisher erreichte Guthaben angerechnet“, berichtet das Blatt. Auch Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, spricht von einer „Verschleierung“ mit dem Ziel, „die Summe der an die Kunden zu zahlenden Guthabenzinsen zu reduzieren.“

Hochverzinste Altverträge: mit Extrazinsen nach Zuteilungsreife

Die Debeka hingegen argumentiert gegenüber „Bild“, dass bei den Verträgen die Zuteilungsreife bereits erreicht sei: und damit Sinn und Zweck des Bausparens erfüllt, nämlich Geld anzusparen, um ein Darlehen für den Häuslebau aufzunehmen. Die Rheinstädter berufen sich auf Urteile des Bundesgerichtshofes (BGH) vom Februar 2017. Stark vereinfacht hat der BGH Bausparverträge als Darlehen definiert und eben nicht als Geldanlage (Az. XI ZR 185/16 und XI ZR 272/16, der Versicherungsbote berichtete).

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Was aber bedeutet "Zuteilungsreife"? Hier gilt es zu bedenken, dass Bausparen in zwei Schritte aufgliedert ist. In einem ersten Schritt spart der Kunde Geld an, bis ein bestimmtes Guthaben erreicht ist: bei der Debeka 40 Prozent einer vereinbarten Zielsumme. Diese angesparte Guthaben berechtigt dann zur Aufnahme eines Darlehens, etwa für den Hausbau oder eine größere Anschaffung. „Zuteilungsreif“ heißt, dass die Bausparsumme ausgezahlt oder ein Darlehen in Anspruch genommen werden kann.