Genau zehn Versicherer konnten laut dem "Branchenmonitor Haftpflicht 2015-2017" kein positives Ergebnis im Vorjahr erzielen. Ihre Schaden-Kosten-Quote lag 2017 bei über 100 Prozent. Damit sprengten die Kosten die Prämieneinnahmen. Der Branchenmonitor fußt auf einer Analyse von Jahresabschlusskennzahlen der jeweils 50 größten Versicherungsunternehmen in Deutschland, durchgeführt durch die V.E.R.S. Leipzig GmbH und das Umfrageinstitut YouGov Deutschland GmbH.

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Doch sind rote Zahlen und schlechte Rentabilitätskennzahlen in einer gut laufenden Branche Beleg für die Misswirtschaft der jeweiligen Versicherer? Der Versicherungsbote hat mal genauer hingesehen.

Ein zweiter Blick mit ambivalenten Befunden: Zahlen werfen Fragen auf

Ohne die Schwierigkeiten des Geschäfts für die zehn Versicherer zu leugnen, die im „Branchenmonitor Haftpflicht 2015-2017“ eine Combined Ratio von über 100 Prozent im Jahr 2017 aufwiesen, relativiert sich der Befund für einige Versicherer beim Blick auf weitere Kennzahlen. So trumpfen einige der vermeintlichen „Kosten-Prämien-Loser“ mit Schaden- und Bruttorückstellungen weit über den Durchschnitt auf oder haben überdurchschnittlich gute Betriebskostenquoten.

Zwar müssen Passivposten häufig als Reaktion auf die Schadenkosten-Intensität bewertet werden. Dennoch aber gilt zugleich: Gehen Versicherer bei der Rückstellung für noch nicht abgewickelte Schadenfälle auf Nummer sicher und schützen sich mit einem besonderen finanziellen Polster, werden sie oft mit schlechteren Werten bei der Schadenquote oder der Schaden-Kosten-Quote bestraft (was bei einer isolierten Betrachtung der Combined Ratio oft nicht deutlich wird).

Auch stellt sich die Frage: Sind nachteilige Rentabilitätswerte wie hohe Schadenaufwendungen pro Versicherungsvertrag auch per se schlecht für den Kunden? Durchschnittswerte werden zwar kaum die Frage beantworten, wie zuverlässig ein Versicherer im jeweils spezifischen Schadenfall agiert. Jedoch sind die Branchenmonitore ein gutes Instrument, zu solchen Fragen hinzuführen.

Unter dieser Prämisse stellen wir weitere Zahlen aus den Branchenmonitoren vor, dieses Mal für die Haftpflichtversicherer mit einer schlechten Schaden-Kosten-Quote für 2017.

Zehn Versicherer sind betroffen: Die „Kosten-Prämien-Loser“

Zehn der 50 getesteten Haftpflichtversicherer müssen 2017 eine Schaden-Kosten-Quote von über 100 Prozent in Kauf nehmen. Eine Verschlechterung gegenüber 2016: Nur sechs Versicherer waren es zuvor, die über die Prämieneinnahmen die Aufwendungen und Kosten nicht decken konnten. Folgende Versicherer sind betroffen:

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  • Auf Rang 41 der Tabelle ist, mit dem zehntschlechtesten Wert, die Helvetia mit einer Combined Ratio von 102,70 Prozent. Für den Zeitraum von 2015 bis 2017 kletterte man erstmals über die kritischen 100 Prozent – 2016 stand die Quote noch bei 94,85 Prozent, 2015 bei 90,02 Prozent.
  • Auf Rang 42 hält sich, mit dem neuntschlechtesten Wert: die HanseMerkur mit einer Combined Ratio von 103,71 Prozent. Die HanseMerkur konnte, trotz des schlechten Wertes, ihre Combined Ratio verbessern. Denn 2016 errechnete man noch 109,06 Prozent, landete noch drei Plätze weiter hinten in der Tabelle.
  • Die achtschlechteste Schaden-Kosten-Quote auf Rang 43 verzeichnet die Itzehoer Brandgilde: 106,37 Prozent stehen zu Buche. Die Itzehoer Brandgilde beklagt außerdem die auffallendste Verschlechterung: 84,02 Prozent wies man noch 2016 auf, stand damals im Mittelfeld auf Rang 23. Nun also ging es zwanzig Ränge in der Tabelle nach unten. Kein anderer Versicherer der hinteren Ränge verschlechterte sich so stark nach Tabellenrängen.
  • Bitter auch: 14 Ränge nach unten ging es für die Rhion Versicherung. 2017 musste man eine Schaden-Kosten- Quote von 106,83 Prozent schlucken, 2016 stand man bei besseren 86,89 Prozent.
  • Dahinter auf Rang 45: die R+V Allgemeine mit einer Schaden-Kosten- Quote von 107,42 Prozent. Für die R+V Allgemeine gilt das Gleiche wie für die Helvetia: 2017 wirtschaftete man erstmals im untersuchten Zeitraum nicht auskömmlich. Denn 2016 durfte man noch 99,95 Prozent und 2015 sogar 99,93 Prozent verbuchen.
  • Einen weiteren Rang darunter: Die NÜRNBERGER Allgemeine mit 108,03 Prozent. Dieser Rang ist eine leichte Verbesserung: Von Rang 47 für 2016 auf Rang 46, denn 2016 war die Quote mit 114,06 Prozent noch schlechter.
  • 2017 auf Rang 47: Die BGV-Versicherung mit 110,85 Prozent. 2016 lag die BGV-Versicherung zwar unter 100 Prozent mit 96,47 Prozent, 2015 aber war der Wert wesentlich schlechter mit 128,51 Prozent.
  • Auf Rang 48: Janitos mit 111,55 Prozent. Da man 2016 noch 102,89 Prozent vorwies, rutschte man 2017 vier Plätze nach unten.
  • Den vorletzten Rang nimmt die VHV ein mit einer Combined Ratio von 121,99 Prozent. Kaum eine Veränderung zum Vorjahr: Mit 123,34 Prozent landete man auch 2016 auf dem vorletzten Platz.

Der letztplatzierte Versicherer im Schaden-Kosten- Ranking mit einer fast beeindruckend hohen Prozentzahl

Der letztplatzierte Versicherer hebt sich noch einmal deutlich bei den unvorteilhaften Quoten ab. 2015 standen für die Basler Sachversicherung noch 108,30 Prozent zu Buche, 2016 musste man schon den letzten Platz des Rankings mit 128,26 Prozent in Kauf nehmen. Derartige Werte aber wirken vergleichsweise moderat, nimmt man das Ergebnis für 2017 hinzu: Sage und schreibe 206,64 Prozent stehen als Schaden-Kosten- Wert auf dem Papier: weit abgeschlagen liegt damit die Basler Sachversicherung auf dem 50. Rang.