Deutsche Versicherer haben im Jahr 2016 Leistungen in Höhe von knapp 3,59 Milliarden Euro wegen einer Berufsunfähigkeit gezahlt. Im Vergleich zu 2015 stiegen die Renten- und Kapitalleistungen um 4,5 Prozent. Das geht aus einer aktuelle Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor.

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Nun hat der Versicherer-Verband eine Auswertung der Ursachen, weshalb Menschen in Deutschland berufsunfähig werden, veröffentlicht. Dafür wurde ein Teil der Bestandsdaten der GDV-Mitgliedsunternehmen ausgewertet. Demnach waren psychische Störungen unverändert Ursache Nummer eins, warum Bundesbürger aus dem Berufsleben ausscheiden. Fast jeder dritte Leistungsfall in der BU-Versicherung sei durch eine psychische Erkrankung verursacht worden. Während Männer in nur 25 Prozent der Fälle durch diese Ursache ausfielen, waren über 35 Prozent aller BU-Fälle bei Frauen bedingt durch psychische Erkrankungen.

Auch bei anderen Ursachen für Berufsunfähigkeit gäbe es teils große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Während Frauen öfter aufgrund einer Krebserkrankung berufsunfähig würden (23 Prozent), käme es bei Männern häufiger zu Beeinträchtigungen des Bewegungsapparats (21 Prozent).

Hälfte der BU-Fälle durch Nervenkrankheiten und Schädigung des Bewegungsapparates

Auf ähnliche Zahlen kommt das Analysehaus Morgen & Morgen, das im vergangenen Jahr ebenfalls die Ursachen für Berufsunfähigkeit unter die Lupe genommen hatte. Demnach seien Nervenkrankheiten mit 31,32 Prozent die Hauptursache für eine Inanspruchnahme der BU-Versicherung. Während bei den bis 40-Jährigen über 30 Prozent aufgrund von Nervenkrankheiten berufsunfähig würden, seien es bei den über 50-Jährigen nur noch 21 Prozent.

In rund 21,01 Prozent aller Fälle sei die Berufsunfähigkeit auf Krankheitsbilder wie Rückenleiden, Arthrose, Rheuma oder Osteoporose zurückzuführen. Die Diagnose Krebs und anderer bösartige Geschwülste als Ursache für eine BU liege bei 15,93 Prozent der Fälle. Erkrankungen des Herzens (7,72 Prozent) und Unfälle (9,39 Prozent) blieben auf dem Niveau von 2015.

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Fazit: Längst wird das vorzeitige Aus im Beruf nicht mehr hauptsächlich durch schwere körperliche Tätigkeiten erzwungen. Schließlich sind in den vergangenen Jahrzehnten viele Malocher-Jobs in den Fabriken, Bergwerken oder an den Fließbändern weggefallen. Folglich führen Krankheiten des Muskel- und Skelettsystems immer seltener zu einer Berufsunfähigkeit. Im Durchschnitt werden Deutsche übrigens mit 44 Jahren berufs- oder erwerbsunfähig.