Thomas Jäckel, Experte für Kraftfahrt-Versicherungen bei der Axa Konzern AG. Quelle: Pressefoto AxaTeilen und Tauschen liegen im Trend. Das gilt auch beim Autofahren. Unsere Mobilität verändert sich zurzeit rasant, der Zugang zu einem Fahrzeug ist vielen Menschen heute wichtiger als der Besitz. Gerade in den Großstädten, in denen Parkplätze knapp und gute Infrastrukturen vorhanden sind, entscheiden sich immer mehr Menschen dafür, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Dazu beigetragen hat auch, dass die Angebote für Carsharing, Mietwagen und Mitfahrgelegenheiten sich deutlich verbessert haben.

Anzeige

Mitfahrgelegenheiten sind inzwischen bei deutschen Verbrauchern die bekannteste Form der Sharing Economy. 94 Prozent der Bundesbürger kennen das Mitfahrprinzip. Etwa drei Millionen Menschen sind Schätzungen zufolge in Deutschland regelmäßig Kunden von Mitfahrzentralen. Eine Umfrage der Verbraucherzentralen kam zu dem Ergebnis, dass fast drei Viertel der Deutschen sich vorstellen können, Mitfahrgelegenheiten zu nutzen.

Jeder zwölfte Mietwagen ist ein Carsharing-Auto

Auch Carsharing liegt voll im Trend: Anfang 2017 waren in Deutschland nach den Zahlen des Bundesverbands Carsharing (bcs) 1.715.000 Carsharing-Nutzer registriert, die sich 17.200 Fahrzeuge teilten. Das ergibt ein Plus von 36,1 Prozent (455.000) bei der Anzahl der Fahrberechtigten und ein Plus von 6,8 Prozent (1.100) bei der Anzahl der Fahrzeuge gegenüber dem Vorjahr (2016).

Inzwischen ist etwa jeder zwölfte Mietwagen in Deutschland ein Carsharing-Auto. Trotzdem bleiben auch klassische Autovermietungen eine flexible Alternative, die Zulassungszahlen von Pkws als Mietwagen stiegen im ersten Halbjahr 2016 um 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Flexibel und günstig unterwegs

Die Vorteile des mobilen Teilens liegen auf der Hand: An erster Stelle steht sicherlich die Kostenersparnis. Und wer kümmert sich schon gerne um Reparaturen, Ölwechsel, Winterreifen? All das erledigt der Anbieter, manchmal sogar das Tanken. Auch die lästige Parkplatzsuche in der Stadt fällt weg.

Außerdem zahlt man das Fahrzeug nur dann, wenn man es wirklich braucht. Lediglich beim Carsharing wird manchmal eine monatliche Grundgebühr fällig, dafür haben manche Anbieter aber feste Parkplätze. Mietwagen- und Carsharingflotten bestehen oft aus neuen, schicken Autos, kaum eines ist älter als vier Jahre.

Das bedeutet mehr Sicherheit, zudem ist auch immer die neueste Technik an Bord. Und Fahrspaß, wenn man öfter auch mal das Modell wechseln kann. Und wer auf längeren Strecken zum Beispiel über eine Mitfahrgelegenheit mitfährt, schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt.

Bei allen Vorteilen sollten die Nutzer die Risiken im Blick behalten. Damit bei einem Unfall oder Schaden alles reibungslos läuft, sollten die Nutzer sich im Vorfeld über ein paar Fragen Gedanken machen. Ein zentraler Punkt ist die Haftung und der Versicherungsschutz. Wer kommt für den Schaden auf, wenn doch einmal etwas passiert?

Der wichtigste Aspekt: Für alle Kraftfahrzeuge, die auf öffentlichen Wegen oder Plätzen verwendet werden, ist eine Kfz-Haftpflicht zwingend vorgesehen. Mieter sollten darüber hinaus eine Vollkaskoversicherung abschließen, weil sie sonst für selbst verursachte Schäden am Fahrzeug haften müssen.

Doch auch mit der Vollkasko-Versicherung wird in der Regel eine Selbstbeteiligung fällig. Als Fahrer kann man für diesen Fall mit einer guten privaten Haftpflichtversicherung vorsorgen. Diese übernimmt die Vollkasko-Selbstbeteiligung, egal ob es sich um einen Mietwagen oder um ein unentgeltlich überlassenes Auto handelt. Nur Leasingfahrzeuge sind hiervon ausgenommen.

Die meisten Mietwagen müssen außerdem voll betankt zurückgegeben werden. Verwechselt der Fahrer versehentlich Diesel mit Benzin, droht eine hohe Rechnung für die Entleerung des Tanks. Dafür kommt die Vollkaskoversicherung nicht auf. Auch hier springen gute Haftpflichttarife ein und übernehmen bei einer Falschbetankung die Kosten für das Leeren des Tanks und den Abschleppdienst.

Privat auf Nummer sicher gehen

„Da passiert schon nichts“ – viele leihen oder verleihen spontan und ohne Vertrag privat einen Transporter für die Fahrt zum Baumarkt oder einen Pkw für den Ausflug ans Meer. So viel Vertrauen ist gut. Doch wenn etwas schiefgeht, stellt das die Freundschaft oder den familiären Haussegen schnell auf die Probe und kostet unter Umständen viel Geld.

Autohalter sollten deshalb vor Abschluss der Kfz-Versicherung klären, wer das Auto zukünftig fahren soll – alle Mitnutzer sollten dabei im Vertrag berücksichtigt sein. War der Fahrer im Vertrag nicht angegeben, können sonst die Nachberechnung des Beitrags, eine Vertragsstrafe oder die Erhöhung der Selbstbeteiligung in der Vollkasko die Folge sein. Bei einen Unfall wird es schnell kostspielig. Zwar trägt die Vollkaskoversicherung die Schäden am eigenen Fahrzeug und die Haftpflichtversicherung Schäden, die bei Dritten entstehen. Doch der Versicherte wird nach dem Unfall in eine niedrigere Schadensfreiheitsklasse zurückgestuft und muss die Selbstbeteiligung seiner Vollkaskoversicherung selbst tragen.

Mit einer schriftlichen Vereinbarung kann man schon im Vorwege vereinbaren, dass der Mitnutzer in diesem Fall die Mehrkosten trägt.

Einfach mitfahren – ganz entspannt

Auch Mitfahrgelegenheiten basieren auf gegenseitigem Vertrauen. Alle Insassen können im Schadenfall Schadenersatzansprüche gegenüber dem Fahrer geltend machen, sofern er für den Schaden haftet. Dessen Kfz-Haftpflicht übernimmt bei einem Unfall Personen- und Sachschäden, außerdem kann man Schmerzensgeld vom Unfallverursacher verlangen.

Wer seine Fahrt über Deutschlands größte Mitfahr-Plattform BlaBlaCar bucht, kann besonders entspannt einsteigen. Denn bei jeder online reservierten und online bezahlten BlaBlaCar-Fahrt sind zusätzliche Versicherungsleistungen automatisch inklusive.

Anzeige

Ob Mietwagen für einen Tag oder regelmäßige Mitfahrgelegenheit – gerade wer in Ballungsgebieten wohnt, kann auch ohne eigenes Auto auf attraktive und flexible Lösungen zurückgreifen und dabei noch Geld sparen. Wer dazu noch ein paar Vorkehrungen trifft, hat auch für den Schadenfall gut vorgesorgt.

Thomas Jäckel