Interessante Personalie bei der Ergo Direkt: Die Nürnberger verstärken sich ab sofort mit Manuel Nothelfer, wie der Versicherer in einer heutigen Pressemeldung berichtet. Nothelfer zählt 37 Jahre und ist damit noch vergleichsweise jung, wenn man bedenkt, dass das Alter vieler Versicherer-Vorstände jenseits der 50 liegt.

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Fintechs und StartUps

Trotz des jungen Alters ist Nothelfer in der Welt der Online-Finanzen kein Unbekannter. Er leitete zuletzt das operative Geschäft bei Auxmoney und war dort auch als Marketing-Chef tätig. Auxmoney ist eine Kredit-Plattform, bei der sich Privatleute gegenseitig Geld leihen können. Bei erfolgreichem Geschäft zwackt die Plattform eine Gebühr ab. Zehntausende Kredite konnten über die Tausch-Plattform schon vermittelt werden.

Zuvor hatte der promovierte Ökonom bereits zusammen mit Steffen Zoller die Plattform betreut.de gegründet, bei der Familien regional Alltagshelfer wie Au Pairs, Seniorenbetreuung oder Nachhilfe organisieren können. Das Start Up sorgte bundesweit für Aufsehen und war 2012 vom US-amerikanischen Unternehmen care.com aufgekauft worden, dem größten Betreuungsvermittler weltweit. Auch mit seinem ersten Projekt konnte Nothelfer prominente Geldgeber wie Rocket Internet oder Holtzbrinck Ventures anwerben.

„Umfassende Erfahrungen im Online-Geschäft“

Große Erwartungen hat Ergo-Direkt-Vorstandschef Peter Stockhorst an seine Neubesetzung. „Manuel Nothelfer hat in den vorherigen Positionen umfassende Erfahrung im Onlinegeschäft gesammelt und als Gründer erfolgreich neue Wege beschritten“, sagt Stockhorst laut Pressemeldung. „Er wird uns dabei helfen, ERGO Direkt zum Kompetenz-Zentrum Online für ERGO Deutschland auszubauen“.

Nach Zustimmung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) soll Nothelfer in die Vorstände der drei Gesellschaften ERGO Direkt Lebensversicherung AG, ERGO Direkt Krankenversicherung AG und ERGO Direkt Versicherung AG berufen werden. Bis dahin wird er zunächst als Generalbevollmächtigter tätig sein.

Sparten Leben und Unfall vor dem Aus

Die Ergo Direkt sorgte diese Woche bereits für Schlagzeilen, weil die Munich Re-Tochter ihr Neugeschäft in den Sparten Unfall und Leben einstellen will. 50 Mitarbeiter müssen ihren Schreibtisch räumen, betriebsbedingte Kündigungen sollen aber vermieden werden. Entsprechende Pläne hat Ergo-Direkt-Sprecher Florian Amberg bestätigt.

Speziell in der Lebensversicherung hat der Online-Versicherer mit sinkenden Prämien-Einnahmen zu kämpfen: Diese schrumpften von 2013 bis 2015 von 628 Millionen auf 508 Millionen Euro (der Versicherungsbote berichtete). Als Teil eines ehrgeizigen Strategieprogramms soll die Ergo Direkt zum Online-Kompetenzzentrum innerhalb der Ergo Gruppe umgebaut werden.

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Mit den Umbauplänen könnte auch die Ergo Direkt Leben und Ergo Direkt Versicherung AG eingestampft werden. Somit ist Manuel Nothelfer in die Vorstände zweier Gesellschaften berufen worden, die es schon bald nicht mehr geben könnte. Fest stehe bisher nur, dass der Krankenversicherer als "operativer Player" erhalten bleiben soll. Zu diesen Plänen verschickte die Ergo Direkt übrigens bisher keine Pressemeldung.